China-Plattformen: "Österreich entgeht eine Milliarde Euro an Steuern"

Eine Person lädt die Temu-App auf ihr iPhone herunter.
Schon 60 Prozent der Online-Umsätze fließen ins Ausland. Handelsverband begrüßt neue Paketabgabe.

Der heimische Einzelhandel tritt auf der Stelle. Für das Gesamtjahr 2025 wird laut Wifo-Prognosen inflationsbereinigt nur ein leichtes Umsatzplus von 1 Prozent erwartet. Der Handelsverband geht davon aus, dass diese Prognose hält. Das Weihnachtsgeschäft lief zwar etwas besser als 2024, die Konsumflaute ist jedoch nach wie vor getrübt. 

Viele Händler, vor allem kleinere Betriebe, aber auch große Traditionshäuser kämpfen ums Überleben. Im Vorjahr gab es 1.208 Pleiten, um 4 Prozent mehr als im Rekordjahr 2024. Für heuer ist keine Besserung in Sicht. Laut Umfrage des Handelsverbandes konnten nur 40 Prozent der Händler im Vorjahr einen Gewinn erzielen, 30 Prozent verzeichneten Verluste, der Rest zumindest ein ausgeglichenes Ergebnis. "Die Händler schaffen es nicht, die gestiegenen Kosten weiterzugeben, das führt zu vielen Insolvenzen", sagt Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will, "wir kämpfen um jeden Euro und Marktanteile".

Es gibt einen großen Gewinner

Während die meisten Handelsbranchen umsatzmäßig mehr oder weniger stagnieren, gibt es einen großen Gewinner mit zweistelligem Wachstum: Ausländische Online-Händler. In den ersten drei Quartalen gab es im Online-Handel insgesamt ein nominelles Umsatzplus von 2 Prozent, die Ausgaben der Österreicher an ausländische Online-Händler stiegen jedoch im Jahresvergleich gleich um 14 Prozent. „Das gesamte Wachstum geht an China-Händler“, sagt Otto-Österreich-Chef Harald Gutschi. Vize-Präsident des Handelsverbandes.

Simon Moestl ONLOPH

Otto-Österreich-Chef Harald Gutschi

Rekordmenge an 430 Millionen Paketen

Das Paketvolumen stieg im Vorjahr auf 430 Millionen, ein Plus von 8 Prozent. Bis zu 80 Prozent der Pakete kommen mittlerweile aus dem Ausland, 100 Millionen Pakete allein aus China. „Im November gab es ein Plus von 15 Prozent“, weiß Gutschi. Die beiden Plattformen Shein und Temu haben es binnen kurzer Zeit unter die Top-7 der umsatzstärksten Marktplätze in Österreich geschafft, rund 60 Prozent der Österreicher haben dort bereits eingekauft.

Für Gutschi läuten schon längst die Alarmglocken, zumal heimische Händler konsequent aus dem Markt gepreist würden.  „Die eCommerce-Lawine aus China rollt und hält nicht an.“ Nicht nur den Händlern schadet der ungleiche Wettbewerb, auch dem Staat. „Im Online-Handel entgeht dem Staat jährlich rund eine Milliarde Euro an Steuereinnahmen“, errechnete Gutschi, der als Otto-Chef natürlich besonders stark unter dem chinesischen Mitbewerb leidet. 

Der 150-Euro-Schwellenwert für die Zollbefreiung von Waren werde mit Falschdeklarationen  von Betrügern schamlos ausgenutzt. Das drücke auch die Einnahmen durch die Einfuhrumsatzsteuer gewaltig nach unten. Die Abschaffung der Zollfreigrenze ab 2028 habe 18 Jahre gedauert und komme viel zu spät. „Die Hilflosigkeit in Brüssel grenzt an unterlassener Hilfeleistung“, schimpft der Otto-Chef.

Paketabgabe könnte mehr einbringen als 100 Millionen Euro

Die von der Regierung angekündigte Paketabgabe auf nationaler Ebene zur Gegenfinanzierung der Mehrwertsteuersenkung begrüßt Gutschi. Die erwarteten Mehreinnahmen von 100 Millionen Euro seien noch steigerbar, wenn „alle Pakete“ der Abgabe unterliegen würden und nicht nur jene, die aus Drittstaaten geliefert würden. Derzeit würden 80 bis 90 Prozent der China-Pakete aus Ungarn geliefert.

Der Handelsverband zeigt sich mit den angekündigten Reformen der Regierung ebenfalls zufrieden, fordert aber weitere wichtige Entlastungsmaßnahmen wie Bürokratieabbau, Senkung der Energie- und Lohnnebenkosten. „Die Ankündigungen zeigen, dass der Umsetzungswille vorhanden ist. Wir hoffen aber auf weitere große politische Würfe“, so Will. 

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