ams-Osram: Was der Konzernchef jetzt in Österreich vor hat

Aldo Kamper ,CEO des Chip- und Sensorherstellers, über die Nachnutzung im Stammwerk Premstätten und wie Europas Industrie wettbewerbsfähig bleiben kann.
Aldo Kamper

Schuldentilgung, Jobabbau, Verlagerungen nach Asien und Trennung von Sparten sollen den angeschlagenen Chip- und Sensorhersteller ams-Osram wieder auf Kurs bringen. Ein Teil des Sensorgeschäfts wurde an Infineon verkauft. Konzernchef Aldo Kamper gibt im KURIER-Interview nähere Einblicke in die neue Strategie.

KURIER: Der Teilverkauf an Infineon hat im Vorfeld viel Staub aufgewirbelt, Gewerkschafter sahen das Werk in Premstätten in Gefahr. Hat sich die Lage beruhigt?

Aldo Kamper: Eines vorweg: Es wurden während der Verhandlungen von Dritten falsche Gerüchte in die Welt gesetzt, zu denen wir uns aus kapitalmarktrechtlichen Gründen nicht sofort äußern konnten. Das war für unsere Beschäftigten in Premstätten belastend. Daher ganz klar: Der Standort und die Jobsicherheit stehen nicht zur Debatte. Dass das trotzdem gestreut wurde, war nicht gut. Jetzt, wo die Fakten auf dem Tisch liegen, hat sich wieder Ruhe eingestellt.

Ist der Deal durch oder gibt es noch rechtliche Hürden?

Wir erwarten keine Einsprüche. Infineon ist kein Käufer von außerhalb der EU, da bedarf es nach unserer Einschätzung keiner tieferen Prüfung.

Um noch mehr Schulden zu reduzieren, hätten Sie das ganze Werk verkaufen können. Warum der Teilverkauf?

Diese Lösung ist die bei Weitem beste für alle Stakeholder – für die Beschäftigten, den Standort, das Unternehmen und für Österreich. Wir verkaufen gerade einmal sieben Prozent des Gesamtumsatzes und reduzieren den Schuldenberg um ein Drittel. Das ist ein großer Schritt. Es passt auch strategisch und für den Standort gut, dass wir die ganze optische Sensorik, die ideal zur LED-Technologie passt, behalten.

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ams-Osram-Stammwerk in Premstätten bei Graz

Wie geht es mit der Produktion jetzt weiter? Was bleibt, was läuft aus?

Das Werk und der ganze Maschinenpark bleiben bei uns und wir werden auch weiterhin die abzugebenden Produkte für Infineon fertigen. Die Produktion wird erst schrittweise von Infineon übernommen. Wir haben jetzt mehrere Jahre Zeit, andere Produktfamilien zu etablieren und dadurch die Fertigung erfolgreich auszulasten.

Wie wird diese Nachnutzung konkret aussehen?

Wir wollen den künftigen, verkaufsbedingten Volumenrückgang mit unseren neuen Produkten ausgleichen, von denen wir deutliches Wachstum erwarten. Etwa bei hoch-pixelierten Scheinwerfern, die unter anderem auch Info-Symbole auf die Straße projizieren können. Diese Produkte brauchen die Technologien aus Regensburg und Premstätten.

Aldo Kamper

Sie wollen auch als Auftragsfertiger agieren. Was ist da geplant?

Gerade kleine und mittelgroße Betriebe tun sich oft schwer, spezifische Chips aus Asien zu bekommen, weil die auf große Volumina ausgerichtet sind. Denen können wir helfen. Sie machen das Chipdesign und wir bieten Fertigungskapazität. Dies machen wir heute schon, wollen und werden den Bereich weiter ausbauen. Er ist auch Teil des Förderantrages, den wir gestellt hatten.

Apropos Förderungen: Für die Erweiterung in Premstätten erhielten sie 200 Mio. Euro öffentliche Förderungen. Können Sie die Auflagen trotz Verkaufs erfüllen?

Erstens: Das Geld ist nicht geschenkt, wir investieren in Summe 600 Millionen Euro bis 2030 in den Standort. Zweitens: Wir haben versprochen im technologischen Bereich auszubauen. Das haben wir in den vergangenen Jahren getan und werden es weiter tun. Drittens gibt es eine Vereinbarung, dass wir die Mitarbeiterzahl in Premstätten in Summe um 250 erhöhen. Da sind wir auch schon gut unterwegs und haben von 1.300 auf knapp 1.450 aufgestockt. Die Investition trägt also schon Früchte.

Die Erweiterung läuft noch bis 2030. Wird trotz Sparkurs weiter investiert?

Wir haben bisher schon kräftig investiert. Das Gebäude ist erweitert und neue Maschinen sind eingebracht worden. Weitere Investitionen werden in den nächsten Jahren schrittweise gemacht.

Die Gewerkschaft hat eine Standort- und Beschäftigungsgarantie gefordert. Warum gibt es die nicht?

Der Standort steht nicht zur Debatte. Und die Beschäftigungsgarantie haben wir schon über den Fördervertrag abgesichert. Durch den Teilverkauf wird der Personalstand in Premstätten im Großen und Ganzen konstant bleiben.

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Porduktion in Premstätten

Sie produzieren auch in Asien und haben aus Kostengründen weitere Verlagerungen aus Deutschland dorthin angekündigt. Trifft das auch Österreich?

Die Verlagerungen erfolgen aus den deutschen Standorten. Es gibt irgendwann den Punkt, da können bestimmte Standardprodukte nicht mehr rentabel in Europa hergestellt werden und werden daher nach Asien verlagert. Gleichzeitig werden in Deutschland dadurch wieder Kapazitäten für neue Produkte frei. Das ist ein normaler Zyklus und bietet Perspektiven für den Standort Regensburg. Es ist wichtig, im globalen Produktionsverbund zu agieren und die Innovationskraft in Europa zu halten.

Sie wollen schon länger eine große Fabrik in Malaysia  verkaufen. Warum findet sich kein Käufer? 

Eine Fabrik ist kein Gebrauchtwagen, den man einfach inseriert, da müssen wir Geduld haben. Wenn der Aufschwung im relevanten Halbleitermarkt kommt, dann werden rasch wieder Kapazitäten gebraucht. Wir selbst können die Fabrik auf Sicht nicht auslasten und nur ein kleines Eck zu benutzen ist nicht sehr wirtschaftlich, daher der Verkauf. Malaysia ist in der Halbleiterindustrie ein angesagter Standort, weil es neutral zwischen den geopolitischen Blöcken ist.  

Zum Thema Wettbewerbsfähigkeit. Die EU greift mit dem Chips Act der Halbleiterindustrie unter die Arme. Reicht das?

Die Gehälter und Energiekosten sind in Europa zuletzt stark angestiegen. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht aus dem Markt preisen. Allein die Strompreise sind hierzulande 60 bis 100 Prozent höher als in Asien. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, aber es braucht auch staatliche Unterstützung, denn auch die asiatischen Mitbewerber erhalten nicht unerheblich Förderungen. Den Trend zur Volumenfertigung in Asien wird man nicht abwenden können. Wenn wir uns in Europa auf Innovation und hoch automatisierte Produktion konzentrieren, dann kann man auch hier gut fertigen.

Sie haben angekündigt, die Komplexität im Unternehmen zu reduzieren. Ist auch ein neuer Name angedacht? (lacht) Warum? Es gibt gute Gründe, warum wir ihn führen. Beide Namen stehen für technologische Exzellenz und sind bekannte Marken. Und ich glaube, mittlerweile haben sich die Menschen an ams Osram gewöhnt.

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