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Griechenland
10/31/2012

Haircut kostet Österreich bis zu 1,55 Mrd.

Ein weiterer Schuldenschnitt Griechenlands ist im Gespräch. Österreich müsste auf einen Teil seiner Forderungen verzichten.

Bis 16. November hat Griechenland noch Geld, dann braucht das Land die dringend benötigte Hilfstranche in Höhe von 31,5 Mrd. Euro aus dem zweiten Hilfspaket. Da die griechische Regierung die zugesagten Schuldenziele nicht erreichen wird, sind zusätzliche Hilfen im Gespräch. Am Sonntag schlug die Gläubiger-Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) einem Bericht des Spiegel zufolge einen weiteren Schuldenschnitt für das finanzmarode Griechenland vor. Diesmal sollen sich die öffentlichen Gläubiger an der Maßnahme beteiligen und auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten. Damit würden vor allem die Steuerzahler in den Euroländern belastet.

Details über die Höhe des Schuldenschnitts sind nicht bekannt. Finanzkreisen zufolge könnte Österreich mit bis zu 1,55 Milliarden Euro betroffen sein, schreibt die Presse.

Weitere Hilfen

Debattiert werden neben einem weiteren Schuldenschnitt auch weniger Zinsen und längere Laufzeiten bei bestehenden Krediten - was diesmal die staatlichen und nicht wie das vorige Mal die privaten Gläubiger treffen würde. Nach jüngsten Berechnungen der Troika würde es zwischen 20 und 30 Milliarden Euro kosten, Griechenland zwei Jahre mehr Zeit zur Erreichung der Haushaltsziele einzuräumen.

Außerdem ist ein von den anderen Euro-Staaten gesponsertes Anleihenrückkauf-Programm im Gespräch. Demnach würde das klamme Land mit Hilfe neuer Kredite alte Staatsanleihen zum aktuellen Marktwert zurückkaufen und damit seine Schuldenquote verringern.

Deutschland gegen Haircut

Strikt gegen einen Schuldenerlass ist die deutsche Regierung: Staatlichen Gläubigern wie den Ländern der Währungsunion seien die Hände gebunden, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble dem Deutschlandfunk. Das Haushaltsrecht verbiete es, einem Schuldner wie Griechenland, der seine Forderungen gerade nicht bediene, auch noch neues Geld zu geben.

Wie Schäuble warnte auch der Chef des Versicherungskonzerns Münchener Rück, Nikolaus von Bomhard, vor einem erneuten Schuldenschnitt. "Einen neuen Haircut darf es in dieser Lage nicht geben, sonst geht das Vertrauen restlos verloren", sagte der Manager, dessen Unternehmen weltweit zu den größten Geldanlegern gehört, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Der Generaldirektor der Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, erwartet für Griechenland keinen zweiten Schuldenschnitt. "Das wäre ein weiterer Paradigmenwechsel, und es war schon der erste Schuldenschnitt nicht hilfreich", sagte Stepic in einem Interview in den "Salzburger Nachrichten" (Wochenende). Stattdessen werde man "die Rückzahlung strecken, bis zum Gehtnichtmehr, letztlich auf ewig".

Nowotny: EZB darf bei Schuldenschnitt nicht mitmachen

Die Europäische Zentralbank könnte bei einem neuerlichen Schuldenschnitt für Griechenland nicht mitmachen, weil dies einer Staatsfinanzierung entspräche. Das hat der österreichische Notenbankgouverneur und EZB-Rat Ewald Nowotny am Montag am Rande einer Pressekonferenz klargemacht.

Nowotny verwies auf die Unabhängigkeit der EZB, die im Rahmen ihrer Gesetze agiere und sich auch von Entscheidungen von Regierungschefs nicht beeinflussen lassen dürfe. Deshalb pöädierte Nowotny neuerlich dafür, den Griechen mehr Zeit zu geben.

Investments: Griechenland riskanter als Syrien

Griechenland gilt als riskanterer Ort für Investitionen als das Bürgerkriegsland Syrien. Dies geht aus einer jährlichen Umfrage des internationalen Wirtschaftsprüfungsnetzwerks BDO unter Finanzvorständen mittelgroßer Unternehmen hervor. Lediglich Iran und Irak werden als noch riskanter gesehen als Griechenland.

Finanzvorstände "sind zunehmend auf der Hut vor Südeuropa, von dem sie Teile als ebenso risikobehaftet wie die politisch instabilen Länder des Nahen Ostens sehen", erklärte BDO-Chef Martin Van Roekel. Zu den zehn Ländern mit dem höchsten Risiko für Investitionen zählt laut Umfrage auf Platz sieben auch Spanien. Befragt wurden 1.000 Finanzvorstände mittelgroßer Unternehmen, die gegenwärtig Investitionen im Ausland planen.

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