Thomas Podsednik hat aus dem heruntergekommenen Agrarbetrieb in Wien-Döbling ein erfolgreiches Weingut gemacht

© Kurier/Juerg Christandl

Wirtschaft
03/02/2020

Gute Geschäfte mit den Roten: Das Weingut der Stadt Wien

Vom Verlustbringer zum Erfolgswein: Das Cobenzl führt vor, wie gemeindeeigene Betriebe Gewinne machen.

von Andreas Anzenberger

Im Verkaufs- und Verkostungsraum des Wiener Weinguts Cobenzl hängen mehrere Urkunden. Der Pinot Noir von der Ried Bellevue in Sievering sowie die Rotwein-Cuvée Ried Jungenberg wurden Wiener Landessieger 2019.

Vor vier Jahren war der Pinot Noir sogar österreichweiter Sortensieger beim Salon Wein. Das ist die größte Blindverkostung in Österreich. „Bei den Roten legen wir großen Wert auf höchste Qualitätsstandards“, betont der Chef des Weinguts Cobenzl im Wiener Bezirk Döbling, Thomas Podsednik.

Von einem Unternehmen, das im Eigentum der Stadt Wien steht, darf man eigentlich nichts anderes erwarten. Keine guten Roten im roten Wien? Das ginge gar nicht.

Dabei hat die öffentliche Hand doch an sich einen eher schlechten Ruf als Eigentümer. Wozu hat die Gemeinde Wien einen landwirtschaftlichen Betrieb gebraucht, der in den 80er-Jahren noch dazu Verluste einfuhr?

Dumpingpreis

Die Antwort des damaligen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk war klar: Weg mit dem Cobenzl! Der Agrar-Betrieb wird verkauft. Die Gemeinde hätte allerdings den Betrieb zum Dumpingpreis verschleudern müssen, um einen Käufer zu finden.

So wäre es wohl auch gekommen, doch der damalige Stadtrat Michael Häupl hatte eine Geschäftsidee. Es wäre doch interessant, wenn die Stadt Wien, wie etwa auch die Stadt Krems, ein gemeindeeigenes Weingut hätte. Man kann bei diversen Veranstaltungen den gemeindeeigenen Wein ausschenken. Das ist Gratis-PR für die Stadt.

Voraussetzung ist freilich eine entsprechende Weinqualität. Das, was damals produziert wurde, war aber, volkstümlich-derb ausgedrückt, nicht zum Saufen. Bekanntermaßen ist Michael Häupl ein Weinkenner. Er gehört jedoch nicht zu jenen Politikern, die ihr Weinwissen vor sich hertragen wie der Priester die Monstranz zu Fronleichnam. Jedenfalls hat der langjährige Wiener Bürgermeister die Voraussetzungen geschaffen für den Aufstieg des Weinguts in die erste Liga.

 Winzer setzen auf  den  Gemischten Satz

Wien ist weltweit die einzige Millionenstadt und Hauptstadt mit einem eigenen Weinanbaugebiet. Der Weinbau in Wien wird auf einer Fläche von 622 Hektar des Wiener Stadtgebietes betrieben. Im Jahr 2016 wurden 25.341 Hektoliter Wein gekeltert. Rund die Hälfte des Wiener Weinbaugebietes mit einer Fläche von 350 Hektar findet sich im Nordwesten der Stadt. Dieses liegt an den Hängen des Kahlenbergs und des Nussbergs.

Die Spezialität ist der Wiener Gemischte Satz. Dieser Wein   muss aus mindestens drei Rebsorten bestehen, die alle im selben Weingarten angebaut, gemeinsam geerntet  und  gemeinsam vergoren  werden müssen. Der größte Sortenanteil einer Rebsorte darf nicht höher als 50 Prozent  sein, der drittgrößte Sortenanteil muss mindestens 10 Prozent ausmachen.  Es  ist durchaus üblich, dass mehr als drei Rebsorten verwendet werden. Der Wiener Gemischte Satz ist also kein Cuvée, bei dem die Weine  zuerst einzeln vergoren  und nachher  verschnitten werden.

Ab dem Jahrgang 2013 gibt es diesen Wein als DAC  (Districtus Austriae Controllatus). Das bedeutet, dass die  oben genannten Vorgaben bei der Produktion im Weingesetz festgelegt sind.
Seit der Römerzeit wird in Wien und Umgebung (bis nach Baden) Wein angebaut. Im Spätmittelalter wurde Wiener Wein auch exportiert.


 

 

Mut zum Risiko

Das war ein Risiko. Das Projekt hätte ja auch scheitern können. „Da ich am Land aufgewachsen bin, weiß ich, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb funktioniert. Nämlich auf gar keinen Fall wie eine sowjetische Kolchose. Ich habe Podsednik auch gegenüber dem Magistrat beschützt“, erinnert sich Häupl.

Seit 32 Jahren leitet der Absolvent der Weinbauschule Klosterneuburg mittlerweile das Weingut. „Begonnen habe ich am Freitag, den ersten Juli 1988“, erzählt Podsednik. Man habe ihm gesagt, er könne auch erst am Montag kommen. Unter den Bediensteten der Stadt hat man damals das Thema Arbeitszeit wohl nicht so eng gesehen.

Mittlerweile ist das Weingut Cobenzl längst in den schwarzen Zahlen. Dabei muss der Betrieb auf Förderungen in Höhe eines sechsstelligen Eurobetrages verzichten. Betriebe im öffentlichen Eigentum bekommen weniger Subventionen.

60 Hektar Weingärten werden aktuell bewirtschaftet. Auf 80 Prozent der Fläche wird Weißwein angebaut, auf den restlichen 20 Prozent Rotwein. Die Hauptsorte ist Wiener Gemischter Satz. Auch die Weißweine schneiden bei Verkostungen sehr gut ab. Die Jahresproduktion beträgt zwischen 400.000 und 500.000 Flaschen.

Ein erklärtes Ziel Podsedniks ist die Steigerung der Exporte. Wegen des stagnierenden Weinkonsums findet am heimischen Markt ein Verdrängungswettbewerb statt. Beim Export kann man hingegen gutes Geld verdienen.

Innovation

Podsednik ist sich darüber im Klaren, dass es ohne neue Ideen keinen langfristigen Erfolg geben kann. Sein vorerst letztes Projekt kann bereits verkostet werden. Neu im Sortiment ist ein Sekt der Sorte Wiener Gemischter Satz Brut Reserve. Und weil Podsednik keine halben Sachen macht, ist es ihm gelungen, für die Versektung des Weins einen Profi zu engagieren. Winzer Karl Steininger aus Langenlois gehört zur Sektelite. Auszeichnungen sind für ihn fast schon Selbstverständlichkeit.

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