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© APA/ANDREAS PESSENLEHNER

Pirker übernimmt
06/20/2016

Gruner+Jahr steigt bei News-Gruppe aus

Die Gruner+Jahr-Anteile übernimmt nun News-Geschäftsführer Horst Pirker mit seiner I-MAG BeteiligungsgmbH.

Die Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr steigt bei der Verlagsgruppe News (VGN) aus. Der deutsche Medienkonzern hielt durchgerechnet 56 Prozent am News-Verlag und damit die Mehrheit an Österreichs größter Magazingruppe. Die Gruner+Jahr-Anteile übernimmt nun News-Geschäftsführer Horst Pirker mit seiner I-MAG BeteiligungsgmbH. Der Vertrag zur Übernahme der Beteiligung wurde am Montag unterzeichnet. Danach wurden die anderen Gesellschafter der Verlagsgruppe, nämlich die "Kurier"-Mediengruppe, die 25,3 Prozent an der VGN hält, und die Fellner-Brüder, die über eine reine Finanzbeteiligung 18,7 Prozent der Anteile besitzen, sowie Führungskräfte und Mitarbeiter der News-Gruppe informiert. Konkret übernimmt Pirker den 75-Prozent-Anteil von Gruner+Jahr in der Beteiligungsgesellschaft. Diese hält wiederum 74,7 Prozent an der Verlagsgruppe News, was durchgerechnet etwa 56 Prozent entspricht. Über Kaufpreis und Finanzierung der Übernahme wurden keine Details bekannt.

Große Verluste

Der Umsatz der News-Gruppe betrug zuletzt um die 90 Millionen Euro. Das Eigenkapital war nach dem Verlust von 5,4 Millionen Euro im Jahr 2014 in den roten Bereich gerutscht. 2015 dürfte sich der Verlust in einer ähnlichen Größenordnung bewegen, dazu kommen vier bis fünf Millionen Euro an Rückstellungen und Wertberichtigungen. Zuletzt wurde deshalb von den Eigentümern unter der Federführung von Gruner+Jahr Eigenkapital in einer zweistelligen Millionenhöhe zugeschossen. Zugleich liefen die vergangenen acht Monate unter dem Projektnamen "G-H-W" die Verhandlungen über den Verkauf der Gruner+Jahr-Anteile an Pirker. Hinter der Abkürzung stehen die Standorte von Bertelsmann, Gruner+Jahr und der News-Gruppe: Gütersloh-Hamburg-Wien.

Für Gruner+Jahr ist der Ausstieg aus Österreich der nächste logische Schritt im Transformationsprozess. Aus unrentablen Ländern wie Polen, Russland, Rumänien, Ungarn oder den USA hat man sich in den vergangenen Jahren bereits zurückgezogen. Bertelsmann und seine Zeitschriften-Tochter konzentrierten sich auf den digitalen Umbau und mit Titeln wie "Barbara" oder "Stern Crime" auf den Ausbau des Magazin-Angebots im Kernmarkt Deutschland.

Jetzt folgt der Abgang aus Österreich. Von einer "Kindesweglegung" will man im Zusammenhang mit dem Verkauf aber nicht reden. Vielmehr handle es sich um einen geordneten Rückzug auf freundschaftlicher Basis. Mit der jüngsten Kapitalspritze und dem Verkauf an Pirker sei die Verlagsgruppe für die nächsten Jahre auch finanziell abgesichert, und man werde sogar mehr als bisher kooperieren, hieß es aus Gesellschafterkreisen.

Sorgenkind "News"

Das Sorgenkind "News", das zuletzt einen Verlust von vier bis fünf Millionen zum Ergebnis des Verlags beisteuerte, will Pirker trotz Bedenken anderer Gesellschafter weiterführen. Anzeigen, Umsätze, Auflagen und Leserzahlen des Titels hatten sich zuletzt stabilisiert. Und das operative Ergebnis des Verlags dreht seit März dieses Jahres erstmals. 2016 ist zwar noch ein geringer Verlust möglich, spätestens 2017 soll es nach Jahren der Durststrecke aber wieder schwarze Zahlen geben. Dafür muss die Magazingruppe noch Ergebnisse aus einem sogenannten "Health Check" des Beratungsunternehmens Czipin umsetzen. Von Sparen, effizienterem Ressourceneinsatz, intelligenten Lösungen und einer möglichen Neuordnung des Anzeigengeschäfts ist dabei verlagsintern die Rede.

Nach dem "Czipin-Eingriff" sollte das Unternehmen deutlich profitabel sein, danach seien Expansionsschritte angedacht, heißt es. Denkmöglich sei in der Folge auch eine Verbreiterung des Gesellschafterkreises oder eine Mitarbeiterbeteiligung auf Titelebene.

1992 gegründet

164 Seiten, ein Kaufpreis von 20 Schilling und rund 100.000 Exemplare zum Start: So lauten die Kennzahlen der Markteinführung von "News" vor mehr als 20 Jahren. Im Oktober 1992 startete das von den Brüdern Wolfgang und Helmuth Fellner gegründete Wochenmagazin und setzte sich in der Folge schnell an die Marktspitze. Die weitere Entwicklung verlief allerdings nicht ganz so rosig. Der Start von "News" markierte gleichzeitig die Geburtsstunde des dazugehörigen Verlags, der seit Herbst 2013 unter VGN - Verlagsgruppe News firmiert. Anfang der 90er hielt der deutsche Springer-Verlag 50 Prozent, in den folgenden Jahren kauften die Fellners die Anteile zurück, bevor 1998 die Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr einstieg. 2003 zog sich die Fellners aus dem operativen Geschäft zurück. Heute verfügt die Familie Fellner noch über eine Finanzbeteiligung von 18,7 Prozent, allerdings ohne Mitspracherecht. Gruner+Jahr hielt zuletzt mit 56 Prozent die Mehrheit, die "Kurier"-Mediengruppe 25,3 Prozent.

In den vergangenen acht Monaten wurde unter dem Projekttitel "G-H-W" zwischen Gütersloh, dem Sitz der Bertelsmann-Gruppe, dem Gruner+Jahr-Standort in Hamburg und Wien an einer Neuordnung der Beteiligungsverhältnisse gearbeitet. Am Montag erfolgte das schließlich das "Signing". Gruner+Jahr tritt den geordneten Rückzug aus Österreich an und verkauft seinen 56-Prozent-Anteil an VGN-Geschäftsführer Horst Pirker.

Bis diese Eigentumsverhältnisse zustande kamen, legte die News-Gruppe eine ebenso rasante wie abwechslungsreiche Entwicklung hin. Über die Jahre legte der Verlag an Umfang zu: Zuerst gesellten sich das Fernsehmagazin "tv-media" sowie "Format" zum Angebot, bevor Anfang der 2000er-Jahre mit "profil" und "trend" zwei direkte Konkurrenten am Markt übernommen wurden und die News-Gruppe zum größten Magazin-Verlag des Landes aufstieg. Später sollten noch Titel wie "eMedia", "Woman" oder "Gusto" folgen. In den vergangenen zehn Jahren wurde das Geschäft immer schwieriger. Der durch Digitalisierung und einbrechende Werbeumsätze gekennzeichnete Medienwandel machte dem Unternehmen zusehends zu schaffen. "News", neben dem Nachrichtenmagazin "profil" Aushängeschild des Verlags, hatte mit einem empfindlichen Reichweitenrückgang zu kämpfen, im Frühjahr 2012 musste der Verlag dann auch noch einräumen, dass jahrelang zu hohe Verkaufszahlen ausgewiesen wurden. Geschäftsführer kamen und gingen in dieser Zeit, Sparen wurde zur obersten Maxime, und immer wieder machten Spekulationen über eine längere Erscheinungsweise oder Einstellung von "News" die Runde.

Mehr Titel, zusätzliche Erlösquellen

Anfang 2014 übernahm schließlich der ehemalige Styria-Manager Horst Pirker das Ruder. Als neuer Geschäftsführer sollte er den Verlag für Gruner+Jahr wieder auf Kurs bringen. Die Erosion bei "News" konnte Pirker mit einem rundum erneuerten Redaktionsteam und einem völligen Neustart vorerst stoppen. "Format" wurde eingestellt und mit dem "trend" unter einer Dachmarke fusioniert. Auch dem Monatstitel "First" ging es an den Kragen. Bei einer Reihe von anderen Titeln gab es darüber hinaus Relaunches. Daneben wurde als zusätzliche Erlösquelle der Bereich des Content-Marketings forciert. Luft nach oben gibt es noch bei der Stärkung des Digital-Bereichs. Eine ganze Reihe von Projekten lag wegen der Verkaufsgespräche in den vergangenen Monaten auf Eis.

Den Umsatz stabilisierte Pirker bei rund 90 Millionen Euro. 2014 und 2015 machte die Verlagsgruppe jeweils rund fünf Millionen Verlust. Seit März dieses Jahres sind ergebnisseitig erste Indikatoren einer Trendumkehr erkennbar. Spätestens 2017 soll das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben.

Pirker: "News will ich sicher nicht einstellen"

Im APA-Interview spricht Pirker über Motivation und Zukunft des Medienunternehmens.

APA: Sie übernehmen mit einer Ihrer Beteiligungsgesellschaften durchgerechnet etwa 55 Prozent an der Verlagsgruppe News. Während sich andere aus dem Mediengeschäft zurückziehen, steigen Sie groß ein und um - vom Medien-Manager zum Medien-Verleger. Warum?

Pirker: Ich steige nicht groß ein, sondern ganz demütig. Aber Medien sind mein berufliches Leben und ich stelle mich dieser Herausforderung, die die Digitalisierung mit sich gebracht hat.

APA: Sie glauben an die Zukunft der Medien?

Pirker: Es ist nicht schwer, an die Zukunft der Medien zu glauben; es ist schwieriger, an die Zukunft der klassischen Medien zu glauben. Aber wenn das niemand tut, dann sind die klassischen Medien tatsächlich verloren. Ich glaube an die Zukunft der klassischen Medien und werde alles tun, um das zu bestätigen.

APA: Was bedeutet Ihr persönliches Engagement für die Zukunft der News-Gruppe. Wie geht es dort weiter?

Pirker: Wir müssen noch weiter an Dynamik zulegen und das werden wir auch tun. Gerade haben wir die Entscheidung über die zukünftige technische Plattform für unsere Magazine getroffen, die nicht nur Print und Digital perfekt unterstützt, sondern auch die ganz "Customer Journey".

APA: Einzelne Gesellschafter der Verlagsgruppe waren zuletzt der Ansicht, man sollte das Magazin "News" einstellen. Sie wollen die Zeitschrift fortführen?

Pirker: Die Position einzelner Gesellschafter unterliegt aus meiner Sicht der Vertraulichkeit; ich kann das deshalb nicht kommentieren. Sicher ist, dass ich "News" nicht einstellen möchte.

APA: Wo soll die News-Gruppe in drei Jahren stehen?

Pirker: Sie wird schon nächstes Jahr wirtschaftlich gesund sein und dann werden die offensiven Szenarien im Vordergrund stehen.

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