Wirtschaft 17.04.2018

Großes Tüfteln an der Mobilitätswende

© Bild: Getty Images/iStockphoto/chombosan/iStockphoto

Seit Montag wird in Wien nach dringenden Lösungen für künftige Verkehrsfragen gesucht.

Europas größte Konferenz für Verkehrsforschung, die TRA, findet heuer erstmals in Wien statt. Die Bedeutung der Veranstaltung ist groß, denn Verkehr gilt als eines der prägenden Zukunftsthemen. „Logistik ist die Lebensader jeder Wirtschaft, ob für Industrie, Handel oder Tourismus“, sagt Georg Kapsch, Vorstand der Kapsch AG und Präsident der Industriellenvereinigung bei der TRA-Eröffnung am Montag. Um Wohlstand zu erhalten, brauche es Mobilität. Die Anforderungen an Mobilität würden sich dramatisch ändern, und dem müsse man begegnen.

Zu welchen Verschiebungen es zwischen einzelnen Verkehrsmitteln kommen werde, lasse sich noch nicht sagen, eines weiß Kapsch aber genau: „Die Politik soll keine Technologievorgaben machen, das hemmt Innovationen.“ Er spricht Vorgaben bei Antriebstechniken und Subventionen an. Dies sei wettbewerbsverzerrend.

Freiraum erhalten

„Wichtig ist, dass der Freiraum erhalten bleibt und nicht bestimmte Technologien vorverurteilt werden“, schließt sich Helmut List, Chef des Grazer Motorenentwicklers AVL List, Kapschs Forderungen an. Es stünden drei Antriebsarten im Raum, die uns noch länger begleiten würden: Elektroantrieb, Brennstoffzelle und Verbrennungsmotor.

Beim E-Antrieb habe es in letzter Zeit starke Fortschritte gegeben, die Elektrifizierung beflügle jedoch auch die Entwicklung des Verbrennungsmotors. „Zum Beispiel werden Turbolader in den kommenden Jahren durch kleine Elektromotoren schadstofffrei werden“, sagt List. Auch die Brennstoffzelle werde kommen, ist er überzeugt, jedoch: „Jede Antriebsart hat ihre Vor- und Nachteile.“ Aufgrund der schweren Batterien und des fehlenden Wasserstoffnetzes für Brennstoffzellen werde auf Langstrecken noch lange der Verbrennungsmotor, der sich zurzeit stark weiterentwickle, vorherrschen. Für zukünftige Verkehrskonzepte müsse man jedenfalls auf alle drei Varianten setzen.

Negative Folgen des Wachstums

Der Fortschritt werde nur dann kommen, wenn in neue Technologien auch investiert wird, ist Violetta Bulc, EU-Kommissarin für Verkehr, überzeugt. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass der stark wachsende Verkehr auch negative Folgen mit sich bringe. 25.000 Menschen würden jährlich in Europa ihr Leben im Verkehr verlieren, dazu kämen 137.000 Schwerverletzte. Durch Staus gehe viel Effizienz verloren, mit Forschung und Entwicklung könne man gegensteuern. Digitalisierung und autonomes Fahren gelten dafür als wirkungsvollste Tools.

Martin Russ, Geschäftsführer von Austria Tech – einer Gesellschaft des Bundes für technologiepolitische Maßnahmen – skizziert, wie der Fortschritt gelingen kann. Er ist auf der TRA mit interaktiven Demonstrationen präsent. Dort kann mit Virtual Reality nachgestellt werden, wie ein Tunnel gegraben wird und so Tunnelforschung vermittelt werden. Auch werden selbstfahrende Shuttlebusse vor dem Messegelände getestet, ab Herbst sollen sie in der Seestadt Aspern unterwegs sein.

Plattformen fehlen

Was fehlt, sind Plattformen, wie „Verkehrsauskunft Österreich“, die u.a. von ÖBB, ÖAMTC und Asfinag mit Informationen bestückt werden und für einen reibungsloseren Verkehr sorgen. Große Plattformen wie Google und Konsorten hätten kein Interesse an einem Mehrwert für Kunden und Anbieter. Daher müsse man diese selber schaffen, so Russ.

Die Transport Research Arena 2018 (TRA 2018) ist Europas größte Verkehrsforschungskonferenz, die heuer unter dem Motto „A Digital Era for Transport“  in Wien stattfindet. Im Fokus steht Digitalisierung und Dekarbonisierung. Die TRA wird vom Verkehrsministerium, dem AIT, der AustriaTech, der EU und  den europäischen Technologieplattformen ausgerichtet.

( kurier.at ) Erstellt am 17.04.2018