Grönland: Wettlauf um Seltene Erden

Die Erderwärmung führt in Grönland dazu, dass Rohstoff-Vorkommen zugänglich werden.

Was hat Grönland mit Handys zu tun? In Zukunft viel – wenn es nach der Regierung in Nuuk geht. Denn unter dem Eis, das große Teile des arktischen Landes und seiner Gewässer bedeckt, werden Hunderte Millionen Tonnen Uran, Zink, Eisen, Kupfer und Gold vermutet – die durch die Erderwärmung nach und nach zugänglich werden. Besonders wertvoll sind aber die bis zu 6,5 Mio. Tonnen Seltener Erden. Diese 17 Metalle mit klingenden Namen wie Yttrium, Neodym oder Terbium sind für die Herstellung vieler Alltagsprodukte unentbehrlich. Dazu zählen Auto-Katalysatoren, Elektromotoren, Batterien, Flachbildschirme, Energiesparlampen – und eben Mobiltelefone.

Zurzeit kommen 97 Prozent der Seltenen Erden aus dem selbst enorm rohstoffhungrigen China, das seine Monopolstellung für Rationalisierungen ausnutzt. Gewaltige Preissteigerungen auf dem internationalen Markt sind die Folge. Das Thema führt immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der EU, USA und Japan, die Peking jetzt vor dem Schiedsgericht der Welthandelsorganisation verklagen wollen.

Die Vorkommen an Seltenen Erden in Grönland, das lose zu Dänemark gehört, könnten das Dilemma lösen. Sie zählen Experten zufolge zu den größten der Welt und könnten die globale Versorgung für mindestens 25 Jahre sichern. Allerdings wird es noch dauern, bis sie gefördert werden können. Hauptgrund sind die großen Kosten: Gut 2,3 Milliarden US-Dollar müssten investiert werden.

Goldgräberstimmung

grönland-grafik Foto: KURIER

Die Vorbereitungen laufen dennoch auf Hochtouren. Im Kvanefjeld, einem bereits weitgehend eisfreien Gebiet, hat die westaustralische Firma „Greenland Minerals and Energy“ bereits Explorationslizenzen erworben und Probebohrungen durchgeführt. Auch in Regionen, wo vor allem Eisen lagert, sind ausländische Unternehmen aktiv. Die Grönländer stehen dem Ganzen gespalten gegenüber: Viele der knapp 60.000 Einwohner, die derzeit vor allem von Fischerei und Tourismus leben, hoffen auf Wohlstand. Andere befürchten die Zerstörung ihrer für den Fremdenverkehr bedeutenden Umwelt.

Auch von den derzeit ebenfalls noch unzugänglichen großen Erdöl- und Gasvorkommen in den Polarmeeren, um die sich Russland, die USA, Kanada, China, Norwegen und Dänemark streiten, profitiert Grönland. In den vergangenen zehn Jahren hat es 36 Explorationslizenzen vergeben, 20 davon allein 2011.

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(kurier) Erstellt am
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