Konstant einer der reichsten Österreicher: Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz

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Wirtschaft
10/21/2019

Zahl der heimischen Millionäre auf 313.000 gestiegen

Zahlen wurden gegenüber früheren Schätzungen kräftig nach oben korrigiert. Seit 2000 hat sich die Millionärszahl vervierfacht.

von Andreas Puschautz

Die Welt ist im vergangenen Jahr erneut reicher geworden - wenn auch um weniger als im Jahr davor. Laut dem am Montag veröffentlichten "Global Wealth Report" der Schweizer Großbank Credit Suisse nahmen die weltweiten Vermögen zwischen 2018 und 2019 um 2,6 Prozent auf 360 Billionen US-Dollar oder 323 Billionen Euro zu. Im Vorjahr hatte dieser Zuwachs noch 4,6 Prozent betragen.

Erneut angestiegen ist auch die Zahl der Millionäre: 46,8 Millionen verzeichnet der Report Mitte 2019, das sind um 1,1 Millionen mehr als Mitte 2018. Über die Hälfte dieses Anstiegs geht auf die USA zurück - hier erhöhte sich die bereits beträchtliche Zahl an Millionären um weitere 675.000 Personen auf 18.614.000.

Deutlicher Anstieg der reichen Österreicher

Auch in Österreich gab es einen merklichen Anstieg: 313.000 Menschen dürfen sich in diesem Jahr über ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar freuen. Das sind 4,4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung - und um 2,2 Prozent mehr als noch im Jahr davor  (siehe Anmerkung unten).

Verglichen mit dem Jahr 2000, als die Credit Suisse nur 78.000 Personen dazu gezählt hatte, hat sich der Dollar-Millionärsklub in Österreich mitgliedermäßig somit mehr als vervierfacht.

Die Anzahl derjenigen mit einem Vermögen von über 100 Millionen stieg hierzulande im letzten Jahr um ein Viertel von 205 auf 258 Erwachsene, die Zahl der Superreichen mit einem Vermögen von über 500 Millionen Dollar stieg um über 50 Prozent von 18 auf 28.

Die Credit Suisse erklärt diesen überproportionalen Anstieg damit, dass die Angaben manchmal durch neu erhaltene Daten revidiert werden. Grundsätzlich fließen alle Arten von Vermögen in die Studie mit ein, neben verfügbarem Geld also etwa auch Immobilien und Wertpapiere.

Reiche Schweiz

An der Spitze der reichsten Staatsbürger haben sich die Schweizer den ersten Platz von den Isländern zurückgeholt: 564.653 Dollar (506.000 Euro) besitzt der durchschnittliche Eidgenosse. Im Durchschnitt muss sich ein Österreicher dagegen mit ziemlich genau der Hälfte, nämlich 274.919 Dollar (246.363 Euro) zufriedengeben.

Wobei dieser Durchschnittswert durch die Vermögen der Superreichen stark nach oben verzerrt ist. Das "typische Vermögen" der Österreicher, also der Median-Wert, liegt bei 94.070 Dollar (84.300 Euro). Das heißt, exakt die Hälfte der Österreicher verfügt über weniger, die andere Hälfte über mehr Vermögen.

Aufgegliedert in verschiedene Vermögensklassen haben 22,9 Prozent der erwachsenen Österreicher ein Vermögen unter 10.000 Dollar, 28,3 Prozent verfügen über ein Vermögen zwischen 10.000 und 100.000 Dollar sowie 44,5 Prozent über ein Vermögen zwischen 100.000 Dollar und einer Million. Die besagten 4,4 Prozent oder rund 313.000 Personen verfügen über eine Million Dollar oder mehr.

Der Gini-Koeffizient, ein Maß für die Ungleichverteilung, liegt in Österreich bei 0,74 Punkten. Zum Verständnis: Bei einer völlig gleichmäßigen Verteilung beträgt der Gini-Koeffizient 0. Wenn nur eine Person alles Vermögen hält, beträgt der Gini-Koeffizient 1. Je näher die Kennzahl bei 1 liegt, desto ungleicher verteilt ist also das Vermögen in einem Staat.

Deutschland weist mit 0,82 Gini-Koeffizient eine noch ungleichere Vermögensverteilung als Österreich auf, in Frankreich mit 0,70 sind die Vermögen hingegen etwas gleichmäßiger verteilt als in Österreich. Die mit einem Gini-Koeffizienten von 0,85 sehr ungleichmäßige Vermögensverteilung in den USA wird mit 0,88 in Russland noch übertroffen.

Ungleiche Vermögensverteilung

Das Vermögen pro Erwachsenen erreichte 2019 einen neuen Höchststand von 70.850 Dollar (63.500 Euro), was 1,2 Prozent über dem Niveau von Mitte 2018 liegt. Allerdings verfügten per Mitte 2019 schätzungsweise 2,9 Milliarden Personen - 57 Prozent aller Erwachsenen weltweit - über weniger als 10.000 Dollar (8.973,44 Euro) an Vermögen.

Generell ist das weltweite Vermögen sehr ungleich verteilt: 114,6 Billionen Dollar des 360 Billionen Dollar umfassenden Gesamtvermögens sind in Nordamerika, wo das Vermögen pro Erwachsenem 417.694 Dollar ausmachte. Europa folgt an zweiter Stelle, hier gibt es laut der Studie 90,8 Billionen Dollar Vermögen, pro Erwachsenem sind das im Schnitt 153.973 Dollar.

In China beläuft sich das Vermögen auf 63,8 Billionen Dollar, im Schnitt hält ein Erwachsener demnach 58.544 Dollar. Deutlich weniger Vermögen gibt es in Indien mit 12,6 Billionen Dollar und 14.569 Dollar pro Erwachsenem. Ärmster Kontinent ist Afrika mit nur 4,1 Billionen Dollar Vermögen, im Schnitt hat dort jeder Erwachsene nur 6.488 Dollar Vermögen.

Jedoch ging die Vermögensungleichheit in den meisten Ländern in den ersten Jahren des Jahrhunderts zurück. Die unteren 90 Prozent besitzen heuet 18 Prozent des weltweiten Vermögens; im Jahr 2000 waren das noch 11 Prozent gewesen. Es wäre verfrüht, bereits eine Phase rückläufiger Vermögensungleichheit zu verkünden, doch die verfügbaren Fakten würden darauf hindeuten, dass 2016 vorläufig den Höhepunkt der Ungleichheit markiert hat, analysiert die Credit Suisse.

In den nächsten fünf Jahren dürfte das globale Vermögen gemäß der CS-Studie um 27 Prozent steigen und im Jahr 2024 rund 459 Billionen Dollar erreichen. Länder mit geringen bis mittleren Einkommen dürften dabei 38 Prozent des Anstiegs ausmachen, obwohl sie nur für 31 Prozent des aktuellen Vermögens stehen, heißt es. Die Zahl der Millionäre dürfte dann 63 Millionen betragen.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China hat die Vermögen in den beiden größten Volkswirtschaften der Welt nicht geschmälert. In beiden Ländern sei der Reichtum in den vergangenen zwölf Monaten vielmehr gewachsen, erklärte die Investmentchefin für die internationale Vermögensverwaltung der Schweizer Großbank, Nannette Hechler-Fayd'herbe. Demnach lag das Plus in den USA bei 3,8 Billionen Dollar und in China bei 1,9 Billionen Dollar.

Hier gibt es den Global Wealth Report 2019 zum Download

Anm. Der KURIER hat die Zahlen für Österreich an der Quelle - bei den Studien-Autoren - nachrecherchiert, da der ursprüngliche Zuwachs von 37 Prozent mehr Millionären binnen eines Jahres unglaubwürdig und inkonsistent mit anderen Ländern erschien. Die Erklärung von Credit Suisse: Weil bessere Datenquellen vorlagen wurden die Vermögensdaten für Österreich rückwirkend revidiert. Daraus ergab sich für 2018 eine (Dollar-)Millionärsanzahl von 305.869 Personen (2018) gegenüber der ursprünglichen Annahme von 229.407 Personen. Der Zuwachs binnen einen Jahres betrug also 2,2 Prozent Plus, nicht 37 Prozent (hsp).