FILE PHOTO: The Facebook logo is displayed on a mobile phone

© REUTERS / Johanna Geron

Wirtschaft
06/07/2021

Giphy-Übernahme: Facebook zahlt in Österreich 9,6 Millionen Euro Geldbuße

Facebook kooperiert mit der BWB im Rahmen einer einvernehmlichen Verfahrensbeendigung und akzeptiert die beantragte Geldbuße.

"Im Zuge allgemeiner Markt- und Medienbeobachtung erlangte die BWB Kenntnis über den Zusammenschluss zwischen den beiden US-ansässigen Unternehmen Facebook und GIPHY, welcher im Mai 2020 durchgeführt wurde. Die BWB leitete daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Durchführungsverbot ein da der Zusammenschluss in Österreich nicht angemeldet wurde", heißt es in einer Aussednung der Bundeswettbewerbsbehörde. "Am 04.06.2021 stellte die BWB beim Kartellgericht einen Antrag auf Verhängung einer Geldbuße in Höhe von 9,6 Millionen Euro wegen des Verstoßes gegen das Durchführungsverbot im Zusammenschluss Facebook/GIPHY. Der Antrag basiert auf einem Settlement mit Facebook. Facebook hat vollumfänglich mit der BWB kooperiert und umfangreiche Unterlagen sowie Waiver of Confidentiality hinsichtlich des Austauschs mit anderen Behörden zur Verfügung gestellt."

Die Ermittlungen der BWB haben ergeben, heißt es weiter, "dass der Erwerb von GIPHY durch Facebook in Österreich angemeldet hätte werden müssen da er die Kriterien der Transaktionswertschwelle erfüllt. Diese Schwelle wurde insbesondere für Zusammenschlüsse eingeführt, deren wirtschaftliche bzw. wettbewerbliche Bedeutung nicht primär durch die Umsätze der beteiligten Unternehmen widergespiegelt wird, sondern sich in einem hohen Transaktionswert von zumindest 200 Millionen Euro zeigt."
 

Im Zusammenschluss zwischen Facebook und GIPHY konzentrierte sich die Prüfung der BWB vor allem auf die Frage der erheblichen Inlandstätigkeit von GIPHY, welche eine Voraussetzung der Transaktionswertschwelle ist. Die BWB gelangte zum Ergebnis, dass GIPHY in Österreich in erheblichem Umfang tätig ist. Unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Falles ist nicht nur auf die unmittelbare Nutzung über die GIPHY-eigene Webseite und App abzustellen, sondern auch auf die Nutzer von anderen Diensten, Webseiten und Apps von Drittanbietern, welche GIPHY mittels Programmierschnittstellen integrieren (z.B. Facebook, Signal, Snapchat).

 Ermittlungsergebnisse

"Der Zusammenschluss zwischen Facebook und GIPHY wurde vor der Durchführung nicht angemeldet, wodurch ein Verstoß gegen das Durchführungsverbot erfolgte. Unternehmen sind verpflichtet, Zusammenschlussvorhaben, welche die Anmeldeschwellen erfüllen, bei der BWB vorher anzumelden und mit ihrer Durchführung zu warten, bis sie freigegeben wurden", heißt es seitens der BWB.  "Die Anmeldepflicht soll der BWB die Möglichkeit geben, ein Zusammenschlussvorhaben vor seiner Durchführung wettbewerbsrechtlich zu prüfen. Der Verstoß gegen das Durchführungsverbot stellt einen Verstoß gegen das Kartellgesetz dar, der mit Geldbußen in der Höhe von bis zu zehn Prozent des Gesamtumsatzes belangt werden kann."

Verfahrensbeendigung

Während des Ermittlungsverfahrens kooperierte Facebook offenbar "umfassend mit der BWB, stellte der BWB umfangreiche Unterlagen zur Verfügung und erteilte zum Austausch mit anderen Behörden entsprechende Waiver of Confidentiality".

Facebook akzeptierte zudem die von der BWB erhobenen Vorwürfe und trat an die BWB mit dem Ersuchen um eine einvernehmliche Verfahrensbeendigung („Settlement“) heran.

Ein Settlement ermöglicht betroffenen Unternehmen eine zügige und ressourcenschonende Beendigung des Verfahrens. Die Kooperation kann mit einer Geldbußenreduktion in der Höhe von bis zu 20% berücksichtigt werden. Ein Settlement kommt für alle Verfahren wegen Verstößen gegen das Kartellgesetz oder das europäische Wettbewerbsrecht in Betracht.

Auf Grundlage des Anerkenntnisses von Facebook hat die BWB am 04. Juni 2021 die Verhängung einer Geldbuße in Höhe von 9,6 Millionen Euro beim Kartellgericht beantragt. Facebook hat die Angemessenheit der von der BWB beantragten Geldbuße in Höhe von 9,6 Millionen Euro anerkannt.

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