Als einer von drei „Seniorbankern“ berät Alfred Tomacek auch in der Pension seine Kunden weiter

© /Staudacher Anita

Wertvolle Erfahrung
08/31/2015

Gesucht: Pensionierte Banker als Anlageberater

Wiener Vermögensberatung Investors Lodge stellt bis zu 50 "Seniorbankern" ihre Infrastruktur zur Verfügung.

von Anita Staudacher

Mehr als 45 Jahre war Alfred Tomacek im Private Banking tätig und plötzlich sollte von heute auf morgen Schluss sein. Pension. "Als Vermögensberater kannst du nicht einfach so aufhören", erzählt der 62-Jährige dem KURIER. Manche seiner Kunden seien mit ihm älter geworden und würden sich in Geldfragen ganz auf seine Erfahrung verlassen. Was also tun?

Einfach weitermachen. Tomacek musste als Pensionist zwar seinen Gewerbeschein zurücklegen, dafür arbeitet er jetzt geringfügig beschäftigt als "Seniorbanker" bei der gewerblichen Vermögensberatung Investors Lodge GmbH in Wien.

Erfahrung nutzen

"Wir wollen die Erfahrung langjähriger Bankberater für unsere bestehenden und künftigen Kunden nutzen", umreißt Wolfgang Kaupil, Geschäftsführer der Investors Lodge, die Idee zum Seniorbanker-Projekt. Die Kanzlei stellt bis zu 50 pensionierten Bankberaterinnen oder Bankberater ihre rechtliche und organisatorische Infrastruktur zur Verfügung.

Diese besteht aus zwei schmucken Besprechungsräumen direkt im Schloss Schönbrunn und das für Anlageberater so wichtige Haftungsdach. Das bedeutet, dass nicht der Seniorbanker, sondern die Investors Lodge die Haftung in Streifällen übernimmt. "Wenn sich viele Banker bewerben, können wir auch noch Nebenräume dazumieten", sagt Kaupil, der selbst den 60-iger schon überschritten hat. Die ersten drei Seniorbanker sind bereits in die Lodge eingezogen.

Kalkül ist freilich auch, dass die Senioren ihre Bestandskunden mitbringen, diese also von der Konkurrenz abgeworben werden.

Kostendruck

Die Zeit dafür ist günstig. Großbanken schließen Filialen und drängen aus Kostengründen – oft mit Sonderabfertigungen – gerade ältere Mitarbeiter hinaus. Dabei wird vergessen, dass viele Private-Banking-Kunden ebenfalls schon fortgeschrittenen Alters sind. Sie fühlen sich bei der ständig wechselnden, zumeist provisionsgetriebenen Beraterstruktur von Großbanken unwohl. "Geldanlage ist Vertrauenssache. Ich bin ein unabhängiger Berater und drehe meinen Kunden nicht das Depot drei mal im Jahr um, das interessiert mich nicht", sagt Tomacek, der rund 30 Private mit einem veranlagten Vermögen von 10 Millionen Euro betreut.

Krisenfest

Aber was zählt die Erfahrung in Zeiten von Highspeed-Trading? Börsencrashs wie zuletzt in China könnten ihn schon lange nicht mehr erschüttern, meint der Seniorbanker und zählt spontan eine Reihe von Skandalen und Krisen der vergangenen Jahrzehnte auf. Psychisch viel gefestigter reagiere er heute darauf.

Die 1997 von ehemaligen Schoellerbank-Mitarbeitern gegründete Investors Lodge betreut rund 500 wohlhabende Kunden in Österreich, Deutschland und Spanien. Veranlagungsschwerpunkte sind alternative Investments mit Kapitalgarantie und Ferienimmobilien in Florida, Spanien und Griechenland.

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