Wirtschaft
13.07.2018

Geschäfte können Online-Konkurrenz doch recht gut wegstecken

Im Vorjahr haben 400 Geschäfte für immer geschlossen. Deutlich weniger als in den Jahren zuvor.

Jammern ist der Gruß der Kaufleute, das haben schon die Phönizier gewusst. In Zeiten der aufstrebenden Onlinehändler, die einen immer größeren Teil des Umsatzkuchens für sich beanspruchen, hat der Spruch nicht gerade an Bedeutung eingebüßt. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie, dass sich die Geschäfte in den Einkaufsstraßen und Fachmarktzentren deutlich besser entwickeln als befürchtet. Zumindest im Vorjahr. „Die Lage hat sich entschärft, die Zahl der Geschäfte ist im Vorjahr nur um ein Prozent zurückgegangen“, sagt Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel.

In absoluten Zahlen haben im Vorjahr 400 Geschäfte für immer geschlossen. Zum Vergleich: Im Jahr davor sind 700, vor zwei Jahren 1400 und 2014 gleich 1900 Geschäfte von der Bildfläche verschwunden. Mit anderen Worten: „Der Strukturwandel hat sich 2017 überraschend abgeschwächt“, kommentiert Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria die aktuelle Strukturanalyse. Die Branche profitiert von der wieder angesprungenen Konjunktur, die den Privatkonsum und damit die Umsätze in den Geschäften ankurbelt.

Viele Geschäfte

Über zu wenige Einkaufsmöglichkeiten können sich die Österreicher jedenfalls nicht beschweren. Nur den Belgiern und Niederländern stehen statistisch gesehen noch mehr Einkaufsflächen pro Kopf zur Verfügung. Neue Verkaufsflächen werden hierzulande aktuell vor allem in sogenannten Fachmarktagglomerationen gebaut. Sprich: Neben einem Kreisverkehr, wo sich ein Händler neben den nächsten platziert. Aus Sicht der Händler sind das günstige und damit attraktive Flächen, erläutert Roman Schwarzenecker vom Beratungsunternehmen Standort+Markt. „Fachmarktzentren sind eingeschossig, haben keine Rolltreppen, geringere Bau- und Betriebskosten.“

Dass diese Flächen genehmigt werden, stört dann oft die Kaufleute in den Innenstädten, denen Kundschaft abgezogen wird. Vielerorts kommt es zu Leerständen in der Altstadt. Thalbauer spielt den Ball an die Politik. Es brauche bessere Parkplatzlösungen und mehr Augenmaß bei den baulichen Vorschriften.