Gerry Weber schockiert Anleger

Schlechte Zahlen: Der Gewinn des deutschen Modekonzerns Gerry Weber halbierte sich
Statt eines Ergebnisanstieges wird es heuer einen Gewinneinbruch geben.

Ralf Weber, Sohn von Firmengründer Gerhard Weber, sitzt erst seit wenigen Monaten auf dem Chefsessel. Als neuer Boss des deutschen Modekonzerns Gerry Weber wartete er am Mittwoch mit einer für Anleger schockierenden Nachricht auf: Statt eines leichten Ergebnisanstiegs werde es im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinneinbruch geben. Für das seit November laufende Bilanzjahr 2014/15 erwartet Ralf Weber nun einen Rückgang des operativen Ergebnisses um 20 bis 25 Prozent.

Als Begründung nannte Weber hohe Expansionskosten, ungünstige Wetterbedingungen und anhaltende Rabattschlachten. Diese Aussichten trieb die Anleger schlagartig in die Flucht. Die Aktie, die an der Frankfurter Börse im Nebenwerte-Index MDax notiert, stürzte am Mittwoch um mehr als 30 Prozent ab. So billig war die Aktie schon seit dreieinhalb Jahren nicht mehr.

Rasante Expansion

Unter Firmengründer Gerhard Weber hatte die Kettemit Sitz im westfälischen Halle im vergangenen Jahrzehnt einen rasanten Expansionskurs vorgelegt und immer wieder die Umsatz-Milliarde ins Visier genommen, sie bisher aber nicht erreicht. Statt des Großhandels und des Verkaufs über Franchise-Partner setzte Weber wie etwa auch Hugo Boss, Exprit oder Tom Tailor auf eigene Läden. Ende des vergangenen Bilanzjahres betrieb der Konzern europaweit mehr als 600 Geschäfte. Dazu kamen noch Outlets und 2800 Shop-in-Shops auf Verkaufsflächen von Handelspartnern.

Gerry Weber mit seiner Damenmode für über 40-Jährige ringt5 wie auch andere Modefirmen mit den wachsenden Marktanteilen von H&M und den Inditex-Ablegern Zara und Massimo Dutti. Letztere sorgen mit rasch wechselnden Kollektionen für einen steten Zustrom in ihre Geschäfte.

Gewinneinbruch

In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres brach das operative Ergebnis bei Gerry Weber um ein Viertel auf 36,2 Millionen Euro ein. Der Umsatz legte zwar leicht zu, blieb damit aber hinter den Erwartungen des Managements zurück. Die Kundinnen hätten sich nicht und nicht in die Läden locken lassen, hieß es. Ralf Weber berief sich dabei auch auf eine Handelsstudie, wonach die Verbraucher derzeit mehr in höherpreisige Güter wie Autos, Möbel und Immobilien investieren.

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