Wirtschaft
01.11.2018

Geldanlage: „Keine Angst vor den Schwellenländern“

Fondsgesellschaft Amundi warnt davor, alle Länder über einen Kamm zu scheren und sieht Anlagechancen vor allem in China.

Brasilien, Russland oder China: Anleger konnten sich heuer nicht wirklich begeistern für Anleihen und Aktien dieser großen Schwellenländer. Kein Wunder, sind die politischen Risiken zumindest in Brasilien und Russland schon groß genug. Und die US-Handelspolitik lastet auf China. Dazu kamen aber noch steigende US-Zinsen, die Brasiliens Wirtschaft auf Talfahrt brachte und einigen anderen Schwellenländern, die auf einem Dollar-Schuldenberg sitzen, die Finanzierungsquellen abzuschneiden drohten.

Warum also überhaupt in Schwellenländer veranlagen, wenn doch die Risiken hoch sind und auch die Historie voll negativer Überraschungen sei? „Anleger sind ein optimistischer Haufen“, sagt Yerian Syzdykov, Leiter des Bereichs „Emerging Markets“ bei der Fondsgesellschaft Amundi. Und sie suchten Ertrag. Diesen könnten sie in den Schwellenländern durchaus finden.

„Denn die Angst vor Schwellenländern ist übertrieben. Trotz der Risiken muss man sehen, dass das Wirtschaftswachstum dieser Länder nach wie vor hoch ist. Und das bietet Chancen für Aktionäre und Bond-Käufer“,glaubt Syzdykov.

Wichtig sei, nicht alle Schwellenländer über einen Kamm zu scheren und gute Branchen herauszupicken. Trotz des Handelskriegs mit den USA sieht Amundi Chancen in China – etwa im Immobilienbereich. In Südamerika wiederum schaut Syzdykov auf Länder mit „stabilem Umfeld“: Chile und Peru etwa, aber auch Mexiko gefallen ihm aus diesem Blickwinkel. Brasilien dagegen ist aus seiner Gunst gefallen.

Öl-Reichtum

Bei anderen Schwellenländern wiederum zählt der Energiereichtum. „Nigeria, zum Beispiel“, betont der Experte. Der gestiegene Ölpreis habe der Wirtschaft des Landes sehr geholfen. Russland gehöre auch in die Kategorie „energiereich“. Wegen der US-Sanktionen aber sei Vorsicht geboten.

Ein weiteres Kriterium, nach dem Syzdykov Schwellenländer bewertet, ist deren Leistungsbilanz. Klaffe da ein großes Loch, das die Länder finanzieren müssten, seien die Risiken für Investments hoch. Denn die Finanzierung koste angesichts steigender Zinsen mehr Geld als zuletzt. Das treffe insbesondere auf Indien zu. Syzdykov lässt daher lieber die Finger von indischen Anleihen. I. Kischko