Warum es mit Gold und Silber weiter aufwärts geht
In der Nacht von Sonntag auf Montag war es so weit: Der Goldpreis knackte die Marke von 5.000 Dollar. Und nicht nur das, er kletterte sogleich munter weiter auf bis zu 5.112 Dollar.
Schon im Vorjahr legte der Goldpreis in Dollar gerechnet um 94 Prozent zu und verzeichnete den höchsten Jahresgewinn seit 1979. Seit Beginn des heurigen Jahres stieg der Goldpreis um weitere 18 Prozent.
Eine Analyse von Google-Trends-Daten durch TechGaged.com zeigt, dass die weltweiten Suchanfragen nach dem Begriff „how to buy gold“ im Dezember des Vorjahres ihren Höchststand erreichten und damit das stärkste jemals verzeichnete Interesse an Gold seit Beginn der Datenerfassung durch die Suchmaschine Google im Jahr 2004 markierten.
Die Gründe für den rasanten Anstieg:
- Sicherer Hafen Das Edelmetall gilt an den Finanzmärkten in Zeiten der Unsicherheit als krisenfest und wird von Anlegern als sicherer Hafen angesteuert. Die Handelszölle von US-Präsident Donald Trump haben im vergangenen Jahr einen weltweiten Handelskrieg ausgelöst und die Märkte in Aufruhr versetzt. Trumps Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolas Maduro und seine aggressiven Äußerungen zum Erwerb von Grönland haben die Rallye noch beschleunigt.
- Leitzinsen Die Entwicklung des Goldpreises hängt auch stark von den Entscheidungen der großen Zentralbanken ab. Sinkende Zinsen machen Gold für Anleger attraktiver, weil das Edelmetall im Gegensatz zu vielen anderen Anlagen keine laufenden Erträge abwirft. Je niedriger die Zinsen sind, desto kleiner ist dieser Nachteil. Die Erwartung, dass die US-Notenbank Fed ihre Geldpolitik im Jahresverlauf weiter lockern könnte, ist somit ein wichtiger Preistreiber für Gold. Investoren rätseln zudem, ob die unabhängige Notenbank unter neuer Führung stärker in den Bann des US-Präsidenten geraten wird, der kräftige Zinssenkungen sehen will.
- Goldkäufe Die Nachfrage der Notenbanken nach dem Edelmetall ist aufgrund der makroökonomischen und politischen Unsicherheiten seit Jahren robust. Einer Umfrage des Branchenverbands World Gold Council zufolge planen viele Zentralbanken trotz der hohen Preise, ihre Goldreserven weiter aufzustocken. So hat etwa China seine Bestände den 14. Monat in Folge erhöht. Analysten zufolge stützen diese Käufe den Preis maßgeblich.
- Dollarkurs Gold ist eine beliebte Absicherung gegen Schwankungen am Devisenmarkt. Der Goldpreis bewegt sich zudem in der Regel entgegengesetzt zum Dollar. Eine schwächere US-Währung macht das in Dollar gehandelte Gold für Käufer aus anderen Währungsräumen billiger und kurbelt so die Nachfrage an. Im abgelaufenen Jahr wertete der US-Dollar-Index um rund neun Prozent ab.
- Fonds Das gestiegene Interesse von Investmentfonds und ETFs ist ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung des Goldpreises. Wenn mehr Liquidität an den Börsen vorhanden ist, steigt das Interesse an verschiedenen Anlageklassen, was die Preise weiter nach oben treibt. Eine insgesamt positive Marktstimmung kann so eine Eigendynamik entwickeln und spekulative Käufe oder Verkäufe verstärken.
Prognose
Trotz des Höhenflugs halten einige Banken noch höhere Goldpreise für möglich. So hob die US-Investmentbank Goldman Sachs jüngst ihre Prognose für Ende 2026 an von 4.900 auf 5.400 Dollar je Feinunze. Zugleich warnen manche Experten, der Gold-Rekordlauf sei übertrieben.
Im Windschatten von Gold zog auch der Silberpreis stark an. Zuletzt sprang er über die 100-Dollar-Marke auf bis zu rund 110 Dollar. In den ersten Wochen des Jahres hat sich das Edelmetall inzwischen um mehr als die Hälfte verteuert. Schon im Vorjahr war der Preis um fast 150 Prozent nach oben geklettert und damit deutlich stärker als Gold.
Auch Silber gilt als wichtiger Hafen und es ist zudem ein wichtiges Industriemetall, das für zahlreiche Anwendungen rund um KI, Robotik und Energie benötigt wird. Zuletzt gab es auch immer wieder regionale Engpässe beim Silberangebot. Befeuert hatte das Interesse jüngst auch dessen Aufnahme in die US-Liste der kritischen Mineralien.
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