Wo Sie in Österreich Bargeld und Gold sicher verwahren können
3.250 Schließfächer aufgebrochen. Über 3.000 betroffene Kundinnen und Kunden – viele sammeln sich aufgebracht vor der Sparkasse im deutschen Gelsenkirchen. Sie fürchten um ihr Geld, um ihre Wertgegenstände, die sie der Bank anvertraut haben. Und die Ende Dezember über mehrere Tage bei einem spektakulären Einbruch aus dem Tresorraum gestohlen wurden (der KURIER berichtete).
Der Wert der Beute? Womöglich mehr als hundert Millionen Euro, schreibt Der Spiegel diese Woche. Manch einzelner Kunde soll bis zu 500.000 Euro in seinem Bankschließfach gelagert haben. Wiedersehen werden Betroffene vermutlich nur Kleingeld.
Denn wer seine Schätze bei der Bank lagert, verfügt (normalerweise) über einen sicheren Ort der Aufbewahrung – bei Einbruch ist man standardgemäß aber kaum versichert. Die Entschädigungssummen bewegen sich teilweise unter 5.000 Euro. Das entspricht dem aktuellen Wert einer Feinunze Gold (ca. 3.800 Euro) plus ein paar Zerquetschte.
Stellt sich die Frage: Wohin mit den Schätzen, die man mühevoll über das Leben angehäuft hat? Drei Optionen liegen auf der Hand: Zuhause, bei der Bank oder ganz woanders. Aber welche ist die beste?
Die Tresorwand der Sparkasse Gelsenkirchen. Die aufgebrochenen 3.250 Schließfächer sollen nur bis 10.300 Euro versichert sein.
Sinnvoll verwahren: Wie müssen Geld & Gold Zuhause gelagert sein
2017 ging ein Fall in die österreichische Kriminalgeschichte ein. Hedgefonds-Manager und Millionär Christian Baha investierte einen wesentlichen Teil seines Vermögens in Gold und Silber. Den Banken vertraute er die Aufbewahrung nicht an. Also ließ er mit dem Bagger Löcher in den eigenen Schlosspark graben und betonierte sein Edelmetall dort ein. Er ließ sich von Mitarbeitern helfen. Die aber stemmten, als sie knapp bei Kasse waren, den Schatz in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wieder raus.
Die Moral von der Geschichte? Wertgegenstände Zuhause aufzubewahren, kann ein Risiko sein. Wer die Privatverwahrung professionell angeht, setzt auf einen Safe, einen sogenannten Wertschutzschrank – das ist auch laut Büro für Kriminalprävention die geeignetste Verwahrungsform in den eigenen vier Wänden. Doch es gibt einiges zu beachten.
Der Tresor sollte laut Bundeskriminalamt verankert bzw. am Fußboden verschraubt sein (Ausnahme: schwerer als 1.000 Kilogramm). Außerdem wird empfohlen, vorab mit der Versicherung in Kontakt zu treten. Denn die schaut bei der Entschädigung im Ernstfall (Einbruch, Diebstahl) genau hin und will wissen, wo Wertsachen verwahrt wurden.
Wer Geld, Gold und Schmuck nur versteckt, bewahrt Gegenstände „freiliegend“, auf, erklärt Christian Prantner, Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Wien. Die Entschädigungsgrenze für freiliegendes Bargeld liegt laut Arbeiterkammer Oberösterreich bei maximal 15.000 Euro. Freiliegender Schmuck kommt auf maximal 8.000 Euro. Wurde der Schmuck aber gefinkelt, also etwa in Möbeln, aufbewahrt, decken Haushaltsversicherungen bis zu 32.000 Euro. Geld und Gold in einem Safe der Klasse EN1 (250 Kilo schwer und feuerfest) ist mit bis zu 75.000 Euro im Eigenheim versichert.
Wichtig dabei: Der Safe muss den vorgeschriebenen Normen und Sicherheitsklassen entsprechen. „Welcher Inhalt in den Safes gelagert ist, wird seitens des Versicherers nicht erhoben oder gespeichert“, betont Vorstandsdirektorin Doris Wendler von der Wiener Städtischen Versicherung auf KURIER-Nachfrage.
Aber: Die Wertgegenstände mit Fotos und Rechnungen zu dokumentieren, zahle sich immer aus, ergänzt Christian Prantner von der Arbeiterkammer. „Sodass es zu keinen Beweisproblemen kommt.“
Sinnvoll verwahren: Im Schließfach oder Tresor bei der Bank
Auch wenn das Image von Banken-Schließfächern gerade einen Dämpfer erlitten hat, so ist es doch die häufig von Versicherungen und Polizei empfohlene Variante, Wertsachen aufzubewahren. Aber die Angebote gehen weit auseinander. Von Selbstbedienungssafes bis zu Hochsicherheitstresorräumen.
Bei der österreichischen Sparkasse ist die Anmietung eines Schließfaches vergleichsweise günstig. Je nach Größe startet der Mietpreis bei 88 Euro pro Jahr. Aufbewahren darf man fast alles – nur Waffen, Munition, radioaktives Material oder Lebewesen sind verboten. Versichert sind die Safes bis 4.000 Euro. Reicht die Standardversicherung nicht aus, muss eine Zusatzversicherung abgeschlossen werden. Bei der Privatbank Schellhammer Capital ist jedes Safefach standardmäßig auf bis zu 35.000 Euro versichert – wie überall ist auch hier eine Höherversicherung möglich. Kosten für die Verwahrung: ab 25 Euro pro Monat. Im kleinsten Fach lassen sich hundert Goldbarren zu je 250 Gramm einlagern. Das wären aktuell über drei Millionen Euro allein im XS-Fach.
Die Raiffeisen Stadtbank Wien empfiehlt die Hinterlegung in einer Bankstelle – konkret in einer Tresoranlage mit höchster Sicherheitsstufe. Jedes neu vergebene Safefach ist mit 50.000 Euro versichert – bei entsprechendem Aufpreis kann die Versicherung bis zu einer Million Euro erhöht werden. Doch die Bank ist nicht der einzige sichere Aufbewahrungsort, wie ein heimischer Gold- und Münzexperte verrät.
Sinnvoll verwahren: Die Alternativen zu Bank und Zuhause
„Die Banken ziehen sich aus dem Schließfachgeschäft zurück“, sagt Gernot Maier, CEO von Schoeller Münzhandel, der auf den Ankauf und Verkauf jeglicher Edelmetalle sowie Numismatik und Banknoten spezialisiert ist. Das Filialnetz wird reduziert, Personal knapp gehalten. Er selbst empfiehlt deshalb das Tresorieren in Selbstbedienungssafes. Die gibt es zwar in Banken auch, aber es gebe durchaus Argumente, auf unabhängige Tresoranbieter zu setzen, sagt er.
Einer dieser Anbieter: Tresor am Schottentor in Wien, der 24/7-Schließfächer ab 48 Euro im Monat und bis zu einer Versicherungssumme von einer Million Euro anbietet. „Es kommt zwar selten vor, aber auch Banken können in Konkurs gehen“, wirbt dieser auf seiner Webseite. „Dann hat man von einem Tag auf den anderen keinen Zugriff mehr auf ein Schließfach.“
Noch kreativer ist aber eine andere Variante, Wertgegenstände zu verwahren: Zollfreilager an Flughäfen. „Das bieten die Schweizer, da ist auf Silber fast keine Steuer“, sagt Gernot Maier, der aber sehr wohl betont, dass man sein Vermögen ordnungsgemäß deklarieren muss. Generell seine Schätze in der Schweiz zu deponieren, macht aber für Maier keinen Sinn. Früher, als die Schweiz noch ein Bankgeheimnis hatte, hätten Vermögende ihre Edelmetalle noch gerne dort gekauft und gelagert. Heute sei das „alles kompliziert“ und wer versucht, sich illegal einen Vorteil zu verschaffen, schreibt sich „die Anleitung zum Unglücklichsein selbst“, sagt der Schoeller-Münzhandel-Chef. Was die Reichen stattdessen machen? Auch das weiß der Experte.
Gold: Der sichere Hafen für Investoren in Krisenzeiten? Klare Antwort: Gold. Der Goldkurs knackt einen Rekord nach dem anderen und bewegt sich aktuell um rund 3.800 Euro je Feinunze. Im Jänner vor drei Jahren lag der Preis noch deutlich unter der Hälfte – bei ca. 1.700 Euro. Doch auch ein weiteres Edelmetall hat ordentlich Fahrt aufgenommen.
Silber: Der aktuelle Silberpreis liegt aufgerundet bei 64 Euro pro Unze und kratzte am 6. Jänner sogar haarscharf an der 70-Euro-Grenze. Ein Rekordstand, der u. a. auf eine gestiegene Nachfrage aus Indien und auf Silber-ETFs zurückzuführen ist. Auch weil Silber vermehrt für Elektronik und Solartechnik zum Einsatz kommt, hat es an Bedeutung gewonnen.
Sinnvoll verwahren: Geld bunkern wie die Superreichen
Was die Vermögenden nicht tun: Ihre Schätze streuen, also auf mehrere Tresore aufteilen, für den Fall, dass einer geplündert wird. Was sie stattdessen tun: Die physischen Gegenstände gar nicht erst anhäufen. Sie investieren lieber in Gold-Ansparpläne, „zahlen hundert oder fünf Millionen Euro im Monat ein, dafür wird Gold aufs Depot gelegt.“ Anbieter am Markt gibt es in Österreich viele. „Das ist praktisch, dann braucht man nie irgendwohin gehen und wenn man es liquidiert braucht, kann man es einfach verkaufen.“
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