FILE PHOTO: A 3d printed Robinhood and Reddit logos are seen near one dollar banknotes in front of displayed GameStop logo

© REUTERS / DADO RUVIC

Wirtschaft

GameStop- und Bitcoin-Hype beschert deutschen Brokern Boom

So einen Ansturm hat die Branche seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr gesehen.

02/19/2021, 02:53 PM

B√∂rse statt Netflix: Die Coronavirus-Pandemie beschert vielen Menschen zus√§tzliche freie Zeit und immer mehr vertreiben sich diese mit Kursspekulationen statt mit einem Serien-Marathon. Angetrieben von dem Hype um den US-Videospieleh√§ndler GameStop oder die Kryptow√§hrung Bitcoin rennen selbst die traditionell b√∂rsenskeptischen Deutschen Brokerh√§usern die T√ľren ein. Bei denen vervielfachte sich nicht nur das Gesch√§ft, sondern auch der Aktienkurs.

Langfristiger Wandel

"So einen Boom haben wir seit dem Ende der 1990er Jahre nicht gesehen", sagen Roger Peeters und Christoph Frank, Partner bei der Beratungsfirma pfp. Es gebe in Deutschland einige Banken, Brokerhäuser und Betreiber von Handelsplattformen, die von dem Börsen-Interesse profitierten. "Die entscheidende Frage ist: Wie nachhaltig ist diese Entwicklung?"

Portfolio-Manager Michele Pedroni vom Vermögensverwalter Decalia geht davon aus, dass einige dieser neuen Kunden den Brokern langfristig erhalten bleiben. Davon werde langfristig auch die Deutsche Börse profitieren, sind sich die Experten der Bank Credit Suisse sicher. Sie stuften die Titel des Betreibers der wichtigsten deutschen Handelsplattform Xetra daher auf "Outperform" hoch.

Das Brokerhaus Lang & Schwarz verf√ľnffachte seinen Jahres√ľberschuss 2020 nahezu auf knapp 31 Millionen Euro. Im J√§nner 2021 seien sechs Millionen Auftr√§ge abgewickelt worden, so viel wie noch nie und mehr als im gesamten Jahr 2019. Parallel dazu hat sich der Aktienkurs des Unternehmens im Vergleich zu den Tiefs vom M√§rz 2020, als der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie die B√∂rsen weltweit auf Talfahrt geschickt hatte, mehr als verzehnfacht.

Neue Rekorde

Auch Tradegate meldet f√ľr J√§nner neue Rekorde bei den Transaktionen. Befeuert werde dieser Boom offenbar von j√ľngeren Kunden, die √ľber Online-Broker an steigenden M√§rkten partizipieren oder in spekulativen und volatilen Nebenwerten Handelsgewinne erzielen wollten, teilt die Handelsplattform mit.

Tradegate-Aktien legten in den vergangenen Monaten um rund 400 Prozent zu. Konkurrenten wie Sino oder die Baader Bank kommen im gleichen Zeitraum auf Kursgewinne von teilweise mehr als 600 Prozent.

Wegen der Beschr√§nkungen des √∂ffentlichen Lebens haben viele Menschen nicht nur mehr Zeit, um sich mit Dingen wie der B√∂rse zu besch√§ftigen. Sie haben teilweise auch Geld √ľbrig, das sie nicht f√ľr andere Aktivit√§ten wie Urlaube ausgegeben haben.

Da Sparb√ľcher wegen der Nullzins-Politik der Notenbanken nichts abwerfen, wenden sich die Leute vermehrt der B√∂rse zu. Neue Handelsapps f√ľr Smartphones, deren Anbieter mit geringen Transaktionskosten werben, erleichtern den oft jungen Neulingen den Einstieg.

Am Rand des Ruins

Zus√§tzliches Interesse weckten in den vergangenen Wochen die Kurs-Kapriolen von GameStop. Dort hatten sich meist j√ľngere Kleinanleger in Internet-Foren zu konzertierten K√§ufen der Aktie verabredet und milliardenschwere Hedgefonds zur Aufl√∂sung ihrer Wetten auf einen Verfall der Papiere gezwungen.

Einige dieser Vermögensverwalter brachte das an den Rand des Ruins. Gleichzeitig kamen die Handelssysteme von Brokern wie Trade Republic an ihre Grenzen.

Auch bei Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum stieg so mancher Otto Normalanleger ein. Befeuert wurde die Rally unter anderem durch ermutigende Tweets von Elon Musk. Der Tesla-Chef und reichste Mann der Welt wird von vielen seiner Twitter-Follower als Börsen-Guru und "Papa Musk" verehrt. Der Elektroauto-Bauer Tesla hat nach eigenen Angaben rund 1,5 Milliarden Dollar (1,2 Mrd. Euro) in Bitcoin gesteckt.

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