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Analyse
02/16/2017

Fünf Gründe, warum es immer weniger Krankenstände gibt

Die krankheitsbedingten Fehlzeiten im Betrieb sinken. Mit der Gesundheit hängt das nur bedingt zusammen

von Anita Staudacher

Sind wir so viel gesünder geworden? 1980 waren Österreichs Arbeitnehmer im Schnitt 17,4 Tage im Jahr krankgemeldet, 2015 waren es nur noch 12,7 Tage. (siehe Grafik unten). Zwar gab es im Jahresabstand wegen einer Grippewelle ein leichtes Plus. Über mehrere Jahre betrachtet ist das Krankenstandsniveau trotz steigender Beschäftigung und älter werdender Belegschaft "vergleichsweise niedrig", wie es im Fehlzeitenreport 2016 des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) heißt. Es handelt sich um einen längerfristigen Trend, der mehrere Ursachen hat:

Weniger Arbeitsunfälle Die Zahl der Arbeitsunfälle sinkt kontinuierlich. 2015 lag die Unfallquote bei 322 je 10.000 Versicherte – der tiefste Stand seit 1974. Der Wandel der Wirtschaft in Richtung Dienstleistung, mehr Prävention und eine veränderte Arbeitskultur spielen hier eine Rolle: "Früher war eine Kiste Bier auf der Baustelle selbstverständlich, heute gibt’s Mineralwasser", nennt Report-Mitautor und Suchtexperte Alfred Uhl ein Beispiel. Der Anteil der alkoholbedingten Straßenverkehrstoten habe sich seit den 1960-er Jahren halbiert.

Technische Entwicklung In der Land- und Forstwirtschaft, Industrie oder am Bau wird heute anders gearbeitet als vor 30 Jahren. Maschinen und technische Hilfsmittel ersetzen körperlich anstrengende und gefährliche Tätigkeiten. Nur 16 Prozent der Krankenstände sind Verletzungen, 2004 waren es noch 21 Prozent. Allerdings nehmen psychische Erkrankungen stark zu.

Medizinischer Fortschritt Verletzungen oder Erkrankungen, die vor Jahren noch längere Spitalsaufent-halte erforderten, können heute ambulant (nach)behandelt werden. Immer mehr Medikamente erhalten die Arbeitsfähigkeit aufrecht. Die neue Möglichkeit, nach längerem Krankenstand wie etwa einer Krebserkrankung zumindest teilweise in den Job zurückzukehren, dürfte die Krankenstandsdauer weiter sinken lassen. "Die Betriebe müssen diese Leute aber auch einstellen", meint Manfred Anderle, Obmann der Pensionsversicherungsanstalt (PVA).

Atypische Beschäftigung Die Form der Beschäftigung wandelt sich. Der klassische 9-to-5-Job ist auf dem Rückzug, Teilzeit- und selbstständige Beschäftigung (Ein-Personen-Unternehmen) boomt. Letztere können sich Krankenstände oft schlicht nicht leisten, weil niemand sonst ihre Arbeit erledigt.

Angst vor Jobverlust In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und Arbeitsverdichtung steigt der Druck auf die Arbeitnehmer, "zu funktionieren".Laut Arbeitsklima-Index der AK OÖ gaben im Vorjahr 33 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, dass sie in den letzten sechs Monaten krank zur Arbeit gegangen sind. Häufigste Gründe war Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen (58 Prozent), keine Vertretung (35 Prozent), weil die Arbeit sonst liegen bleibt (29 Prozent), Angst vor Konsequenzen (19 Prozent).

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