Trotz "Wettereffekt" in der Baubranche wird die Arbeitslosigkeit hoch bleiben.

© KURIER/Franz Gruber

Arbeitsmarkt
03/01/2016

Fünf Gründe, warum die Arbeitslosigkeit weiter steigt

Analyse: Im Februar waren 475.931 ohne Job. Lichtblicke gibt es vorerst nur in Westösterreich.

von Anita Staudacher

Ein milder Winter ist gut für die Arbeitslosenstatistik. Im Februar sorgte der "Wettereffekt" gleich für eine um zehn Prozent niedrigere Bauarbeitslosigkeit als im Vorjahr. Daher fiel auch der Anstieg der Gesamtarbeitslosigkeit mit 2,1 Prozent auf 475.931 Personen im Vergleich zu den Vormonaten relativ moderat aus. Die westlichen Bundesländer Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich melden sogar deutlich rückläufige Zahlen (siehe Grafik rechts). Eine Trendwende ist trotzdem in weiter Ferne, sagen Arbeitsmarkt-Experten. Aus folgenden Gründen:

1. Kaum Wachstum

Österreichs Wirtschaft nimmt im Gegensatz zu Deutschland nur langsam Fahrt auf. Ein für heuer prognostiziertes Wachstum von unter zwei Prozent wird nicht ausreichen, um den anhaltend starken Zustrom auf den Arbeitsmarkt zu bewältigen. Die Februar-Daten zeigen, dass sich zumindest am Bau und in der Industrie die Lage etwas entspannt. Dafür trifft die Flaute jetzt den Dienstleistungssektor (Handel, Tourismus).

2. Verdrängung

In Ost-Österreich sowie in einigen Branchen wie Tourismus oder Bau gibt es nach wie vor einen starken Zuzug von ausländischen Arbeitskräften. Sie verdrängen vor allem schon länger in Österreich lebende, schlecht qualifizierte Ausländer. Nicht alle von ihnen kann das AMS höher qualifizieren, die Langzeitarbeitslosigkeit nimmt bedrohlich zu. Diese ist auch bei anziehender Konjunktur nur schwer abzubauen.

3. Pensionsreform

Der erschwerte Zugang zur Frühpension ohne flankierende Arbeitsmarktreformen lässt die Altersarbeitslosigkeit steigen. Ein Blick auf die Demografie zeigt: Die Gruppe der 50plus am Arbeitsmarkt wächst auch in den nächsten Jahren am stärksten, analog dazu auch die Arbeitslosigkeit. Der Wiedereinstieg nach Jobverlust ist besonders bei schlechter Wirtschaftslage schwierig. Das Bonus-Malus-System zur Beschäftigungssicherung wird – wenn überhaupt – frühestens 2018 wirken.

4. Flüchtlinge

Die Zahl der arbeitslosen Asylberechtigten kletterte im Februar binnen Jahresfrist um 55 Prozent auf 22.140, wobei die meisten davon in Wien vorgemerkt sind. Ein Großteil der im Vorjahr in Österreich angekommenen Flüchtlinge ist noch gar nicht beim AMS registriert. Mindestens 30.000 von ihnen dürften allein heuer noch dazukommen. WIFO-Chef Karl Aiginger schlägt vor, dass Flüchtlinge Arbeiten erledigen sollen, die bisher noch niemand angeboten hat, etwa im Haushaltsbereich. Dadurch sollen Verdrängungseffekte verhindert werden.

5. Brennpunkt Wien

Die Bundeshauptstadt ist von allen vorher genannten Punkten mit Ausnahme der Älteren überdurchschnittlich betroffen. Auch die Wiener Wirtschaft wächst schwächer als im übrigen Österreich. Die Arbeitslosigkeit steigt seit Monaten überproportional stark. Im Februar gab es inklusive Schulungsteilnehmer ein Plus von acht Prozent auf 165.386 Betroffene. Damit stellt Wien mehr als ein Drittel aller Arbeitslosen in Österreich. Geht es Wien schlecht, wirkt sich dies daher entscheidend auf die Gesamtstatistik aus.

Das WIFO rechnet frühestens 2019 wieder mit einer deutlich sinkenden Arbeitslosigkeit in Österreich.

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