© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft
08/28/2020

Frischer Wind für das Stromnetz

"Fast fertig". Die Energieministerin will demnächst die lang erwartete Ökostromnovelle vorstellen

von Bernhard Gaul

Der Strom wird auch im kommenden Jahr aus der Steckdose kommen. Doch wer am anderen Ende der Leitung den Strom produziert, das soll gänzlich neu geregelt werden. Das werden nämlich nicht mehr nur die großen Energiekonzerne sein, viel mehr soll sich jeder Bürger beteiligen (können).

Einen großen Baustein hat Klima- und Energieministerin Leonore Gewessler am Donnerstag vorgestellt: Erneuerbare Energiegemeinschaften und "BürgerInnenEnergiegemeinschaften" sollen die Bürger dazu ermächtigen, vom Stromkonsumenten zum Stromproduzenten zu werden.

Am Donnerstag warb Klima- und Energieministerin Leonore Gewessler einmal mehr für die "Energiewende", also die  Reform des Strommarktes.

Diesmal ging es  um die neuen Energiegemeinschaften. Jeder Bürger soll sich zum Beispiel mit den Nachbarn zusammenschließen können, eine Fotovoltaik- oder Wind- oder Wasserkraftanlage bauen lassen, den Strom in Batterien speichern und sich gegenseitig verkaufen können. Das ist derzeit nicht erlaubt.

40 bis 60 Prozent Netzentgelte sollen sich die Bürger so ersparen können, glaubt Gewessler. Denn der Strompreis setzt sich derzeit aus drei Positionen zusammen: Zuerst der tatsächlich verbrauchte Strom in Kilowattstunden.  Davon ein  Anteil als Netzgebühr. Und dazu noch die vom Verbrauch abhängigen Steuern und Abgaben. Sinkt der Stromverbrauch aus dem Netz, weil ja ein eigenes Kleinkraftwerk betrieben wird, sinken also auch die Netzgebühren. Und die Energieabgabe will Gewessler  für solche Bürgerkraftwerke gleich ganz  abschaffen.

Nicht nur Bürger, auch Genossenschaften, Gemeinden oder der örtliche Blasmusikverein sollen das betreiben können, nicht aber die großen Stromversorger. Und für Städter, die weder Windrad noch PV-Anlage aufstellen können, soll es die Möglichkeit geben, sich an jedem Grünstrom-Projekt in Österreich zu beteiligen.

Basis ist eine EU-Richtlinie, die Österreich schneller als die meisten anderen EU-Staaten umsetzen wird. Es ist also kein genuines Projekt der Grünen Partei.

Wesentlicher ist allerdings der Rahmen, in dem diese Erneuerbaren Bürger-Energiegemeinschaften verankert werden: Seit Jahren wartet die Branche nämlich auf das EAG, das Erneuerbaren Ausbaugesetz. Auch Gewessler ist bei diesem im Verzug, das Konvolut mit mehr als hundert Seiten hätte eigentlich schon vor Wochen in Begutachtung gehen sollen. „Wir sind in der finalen Phase“, sagte Gewessler dazu am Donnerstag. Es seien noch ein, zwei Diskussionspunkte zu klären, zum Beispiel zu den ökologischen Kriterien bei der Wasserkraft. Das Gesetz soll ab 2021 gelten.

Die Bundesregierung überraschte beim Amtsantritt im Jänner mit zwei Ansagen: Österreich soll bis 2040 klimaneutral werden (das hatte auch die schwarz-blaue Regierung versprochen). Kein Gramm Öl oder Gas dürfte dann noch angezündet werden. Und schon ab 2030 soll unser Strom nur noch aus Erneuerbaren Quellen kommen.

Fünf vernünftige Quellen gibt es derzeit, aus denen grüne Energie produziert werden kann: Wasserkraft, Windkraft, Sonnenkraft (Fotovoltaik), Erdwärme und Biomasse. Gaskraftwerke bleiben bestehen, sollen aber nur noch einspringen, falls es zu wenig Grün-Strom gibt.

Ausbauziele

Im Koalitionspakt sind die Ausbauziele in Höhe von 27 Terawattstunden für diese Energien festgelegt, was so viel wie eine Verzehnfachung bei der Fotovoltaik bedeutet, eine Verdreifachung der Windkraft(-Anlagen), ein überschaubarer Ausbau der Wasserkraft und etwas mehr Biomasse und Geothermie.

Es gibt viele Gründe, warum so ein Gesetzesvorhaben bisher nicht realisiert werden konnte: An erster Stelle steht die Frage, was Anlagenbetreiber für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde bekommen sollen. Die Gesamtförderhöhe liegt derzeit bei fast einer Milliarde Euro pro Jahr, was für das große Grünstrom-Ziel bis 2030 zu wenig sein dürfte.

Gelöst werden soll aber auch die Standortfrage für Windkraft- und Fotovoltaik-Anlagen. Bürgereinwände bis -proteste haben in Niederösterreich aktuell zu einem defacto-Ausbaustopp bei der Windkraft geführt.

Geld für Investitionen, glaubt Klimaökonom Stefan Schleicher, sei jedenfalls vorhanden. "Um in einen Windpark zu investieren, muss man kein Philantrop sein. Die werfen meist sofort eine Rendite im zweistelligen Prozentbereich ab."

75 Prozent Grünstrom
Der Großteil des Stroms aus Erneuerbaren Quellen stammt aus Wasserkraftwerken (Lauf-, Speicher und Pumpspeicherkraftwerken)

Neun Prozent Windkraft
1.340 Windkraftanlagen produzieren derzeit rund neun Prozent des benötigten Stroms

Biomasse und Sonnenkraft 
Nur fünf Prozent des Stroms stammen aus Biomasse, ein Prozent aus Fotovoltaik

Fossile Gaskraftwerke 
produzieren den Rest von rund 25 Prozent
 

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