Wirtschaft 05.12.2011

Forum Alpbach: Paket für Reformen

Voest-Chef Eder, Wirtschaftskammer und Industrie stellen neue Forderungen. Oberste Priorität: Bessere Ausbildung.

Eine Aktivstrategie fordern voestalpine-Chef Wolfgang Eder, Wirtschaftkammer-Präsident Christoph Leitl und IV-Vize-Generalsekretär Peter Koren, um das österreichische Lebensniveau erhalten zu können und mit Wachstumsmaßnahmen die Zukunft des Landes zu sichern. Und präsentieren dazu zehn Forderungen der Wirtschaft, um den Produktionsstandort Österreich künftig abzusichern. Es wäre nicht Alpbach, würden diese Forderungen auf 18 Seiten nicht so ziemlich alles umfassen, was in der österreichischen Politik und Gesellschaft in den vergangenen Monaten ohnehin immer wieder Thema ist. Der Katalog ist umfassend - und überrascht nicht. Gewünscht sind Reformen in den Bereichen Arbeitskräfte und Lohnnebenkosten, Bildung, Forschung und Entwicklung Energie, Kapitalmarkt, Standortpolitik, Budgetkonsolidierung und Verwaltungsreform sowie Internationalisierung und EU-Politik.

Bildungsreform

voestalpine-Chef Wolfgang Eder hat eine klare Priorität. Der eklatante Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist für ihn das "mit weitem Abstand größte Problem. Wir sprechen bei der Voest von einer Unterversorgung von 20 Prozent bei den Technikern", wobei sich der Mangel durch alle Bereiche ziehe, vom Lehrling bis zum Akademiker. Eder ist für eine Förderung der Mangelfächer, eine stärker Bedarfsorientierung in der Bildung. "Ich meine hier nicht Verbote, etwas studieren zu dürfen. Aber klare Anreize für Bereiche, wo es Engpässe gibt." Verschärft werde das Problem des Arbeitskräftemangels durch die geringe Lebensarbeitszeit und die Tücke der Hacklerregelung. Eder: "Wir brauchen die Älteren wie einen Bissen Brot. Bis 2020 müssen wir das faktische Pensionsantrittsalter um zwei Jahre, bis 2030 um ein weiteres Jahr anheben." WKO-Präsident Leitl will freiwillig länger Arbeitenden mehr zahlen, für Frühpensionisten soll es höhere Abschläge geben. Im Sozialministerium seien diese Vorschläge in Bearbeitung. "Wir werden uns im Herbst intensiv damit auseinandersetzen."

Um den Standort Österreich zu sichern, brauche es zudem Arbeitszeitgesetze, die international konkurrenzfähig machen, so Eder. Man ist sich auch einig, dass neue Steuern keine Option sind. Zur Aktivstrategie fügt Leitl noch eine Passivstrategie: "Wir müssen Blödheiten vermeiden, die jedem bekannt sind, wenn man sie leise unter vier Augen bespricht. Die Diskussion um höhere Steuern gehört da dazu. Und mit ihr die Gefahr, dass die Leitbetriebe das Paradies verlassen."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011