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Wirtschaft
10/15/2019

Fortnite: Ein Milliardengeschäft mit Schattenseite

Wer an dem Erfolgsspiel verdient, wovor Kritiker warnen und weswegen nun auch in Wien versucht wird, vom Hype zu profitieren.

von Anita Staudacher, Georg Leyrer, Franziska Bechtold

Millionen Teenager starrten zu Wochenbeginn auf ein schwarzes Loch.Das war in der Mitte jenes Games aufgegangen, das zum weltweiten Phänomen, zum lukrativen Betätigungsfeld von eSportlern und zum Sorgenfokus vieler Eltern geworden ist. Fortnite heißt es (das Game, nicht das Loch). Es geht darin um einen Überlebenskampf auf einer Insel.

Das schwarze Loch, das sich anstelle des Spielfelds auftat, war Teil des Marketings für das Spiel. Es markierte das Ende der vorigen „Staffel“ – wie beim Fernsehen – des Games. Es ist, zur Erleichterung der Gamer, inzwischen wieder verschwunden. Dass das alles überhaupt ein Thema ist, über das u.a. das renommierte Wirtschaftsmagazin Forbes quasi live berichtete, zeigt: Fortnite ist ein Popkulturphänomen, in der Lebenswelt vieler Menschen vergleichbar mit einem Blockbuster im Kino.

Nur dass die Games-Branche längst mehr Geld macht als Hollywood und die gesamte Musikindustrie zusammen.

Milliarden-Jackpot

Für den US-Hersteller Epic Games entpuppte sich Fortnite als Super-Jackpot. Das 2017 gestartete, zunächst eher mäßig erfolgreiche Spiel für PC und Konsolen sprengte im Vorjahr vor allem durch die mobile Verbreitung alle Rekorde. Epic hat rund 3 Mrd. Dollar (2,6 Mrd. Euro) Gewinn erwirtschaftet, wovon 2 Mrd. allein auf Fortnite entfallen sein sollen. Die Profite kommen vor allem von s genannten In-Game-Käufen, also zusätzlichen Funktionen wie neue Tänze, Outfits oder diverse Spielcharaktere. Jeder dritte Fortnite-Spieler kauft regelmäßig solche „Goodies“ ein. Im Schnitt betragen die Ausgaben pro Spieler rund 80 Euro.

Im Herbst 2018 schnellte der Börsenwert des Entwicklerstudios laut Wallstreet Journal auf 15 Mrd. Dollar in die Höhe. Ein Nutznießer: der chinesische IT-Riese Tencent (WeChat-Entwickler), der 2012 mit 330 Mio. Euro bei Epic einstieg und 40 Prozent der Anteile hält. Der Rest befindet sich vor allem in Händen von Finanzinvestoren, auch Walt Disney hält Anteile.

Worum geht es überhaupt?

Das Spielprinzip von Fortnite ist im Grunde recht einfach erklärt: 100 Spieler werden aus einem Flugzeug über einer Insel abgeworfen und bekämpfen einander, bis nur noch einer übrig ist.
Die Idee eines solchen Überlebenskampfes ist inspiriert von Filmen wie Battle Royale oder Tribute von Panem. Im Gegensatz zur Vorlage präsentiert sich Fortnite aber quietschbunt.

Seasons

Etwa alle zehn Wochen wird in Fortnite eine neue Saison ausgerufen, die neue Spielinhalte mit sich bringt. So gibt es neue Kostüme für die Spielfiguren (sog. Skins), Veränderungen am Spielfeld oder völlig neue Spielmodi.

Der Sturm

Die Spielwelt wird im Verlauf einer Partie nach und nach kreisförmig von einem Sturm verengt.  Es gilt also, stetig weiter ins Zentrum vorzurücken, da die Spielfigur ansonsten im Sturm Schaden nimmt – und sterben kann.

Was ist daran besonders?

Fortnite ist nicht das einzige, aber das mit Abstand erfolgreichste „Battle Royale“-Spiel.  Nicht nur, weil es  gratis ist, sondern vor  allem wegen des einzigartigen Kernelements des Spiels: Building.

Building

Die Spieler können in Fortnite Rohstoffe ab-  oder Häuser aufbauen. Das bietet Möglichkeiten, die es in vergleichbaren Spielen nicht gibt. Vor allem in der Vertikalen: Der Höhenvorteil ist in Fortnite nämlich essenziell. Vor allem gegen Ende einer Partie, wenn nur noch wenige Spieler auf engem Raum übrig sind, ist meist derjenige im Vorteil, der sich mithilfe von Leitern und Rampen an einen höheren Ort „gebaut“ hat.

Extremismus und Sucht

Die Hype von Fortnite ist jedoch am Abklingen, die digitalen Käufe gingen heuer deutlich zurück. Zudem ist Epic heiklen Vorwürfen ausgesetzt. Damit die Spieler zahlungswillig bleiben, würden in den Spielen süchtig-machende Mechanismen eingesetzt, behauptet eine Anwaltskanzlei in Kanada und bereitet eine Sammelklage vor.

Konsumentenschützer der deutschen Stiftung Warentest fanden zudem bedenkliche Spielernamen wie „Judentöter“ und „Sieg Heil“. In Deutschland kocht die Debatte, ob Games zu Gewaltausbrüchen beitragen, gerade wieder hoch. Viele Eltern fragen sich, wie sie ihren Kindern verantwortungsvollen Umgang mit Games beibringen können.

Games selbst jedenfalls sind die derzeit vorherrschende Popkultur – aber ein schwieriger Markt. Der gesamte Gaming-Markt war laut des Marktforschers SuperData Research im Vorjahr rund 120 Milliarden Dollar schwer, wobei 80 Prozent auf Titel entfielen, die frei verfügbar waren. Fortnite war das umsatzstärkste Spiel für PC und Konsolen.

Aber auch bei der Fortnite-Konkurrenz läuft das Spiel nicht mehr ganz so rund. Der milliardenschwere Videospiele-Anbieter Activision Blizzard („Call of Duty“) baut im großen Stil Stellen ab. Der Vorjahresumsatz von 7 Mrd. Dollar soll heuer auf 6 Mrd. Dollar sinken. Und Spielegigant Electronic Arts (EA) ist mit seinen Klassikern wie „FIFA“ oder „Battlefield“in die Jahre gekommen und hat den Battle-Royale-Spieltrend um Fortnite schlicht verschlafen.

Europas größtes Fortnite-Turnier in Wien

Der eSport-Verband Österreich (ESVÖ) veranstaltet bereits zum zweiten Mal das größte Fortnite-Turnier in Europa und damit auch das größte eSport-Turnier Österreichs. Startschuss ist Freitag, 18. Oktober, um 9 Uhr auf dem Wiener Rathausplatz im Rahmen der Game City. Schauplatz ist die A1 eSport Arena, ein 400 m² großes Zelt, das mit 100 Gaming-PCs ausgestattet wurde.  Erlaubt ist die kostenlose Teilnahme ab 12 Jahre.  „Wir wollen eine möglichst niedrige Einstiegshürde schaffen, deshalb registrieren sich die Leute vor Ort und können gleich loslegen“, sagt Manuel Haselberger, Pressesprecher des ESVÖ.

Auch die Lange Nacht der Game City, die  am Freitag, 18. Oktober, von 19 bis 24 Uhr stattfindet, wird für die Qualifikation genutzt. Das könnte ältere Spieler freuen, da hier nur noch über 16-Jährige auf dem Gelände sein dürfen und man sich nicht gegen die flinken Reflexe jüngerer Spieler behaupten muss.

Goldenes Ticket

In der  Qualifikation treten immer 100 Spieler gleichzeitig gegeneinander an. Nach Einrichten der Spielumgebung, Anmeldung des eigenen Spielprofils und einer fünfminütigen Aufwärmphase starten die Matches. Gespielt wird auf eigens von Epic bereitgestellten Servern – also nicht im Internet.  Die jeweils Erst- und Zweitplatzierten erhalten ein goldenes Ticket für das Finale am Sonntag, 20. Oktober.   „Da wir wirklich den besten Spieler finden wollen, werden insgesamt drei Runden gespielt.

Dann zählt nicht nur der Sieg, sondern auch die Punkte“, erklärt Haselberger. Während der Runden sind keine Zuschauer im Zelt zugelassen, um die Konzentration der Teilnehmer nicht zu stören. Natürlich gibt es  Gewinne – aber nicht das große Preisgeld, mit dem man sich im eSport gerne rühmt: „Wir haben uns ganz bewusst gegen ein Preisgeld und für Sachpreise entschieden. Die Teilnehmer sollen mitmachen, weil sie Spaß am Spiel haben und nicht, weil es Tausende Euro zu gewinnen gibt“, sagt Haselberger.

Gewinne

Mit den hohen Summen internationaler Wettbewerbe könne man ohnehin nicht mithalten. Der Gewinner bekommt ein Huawei P30 Pro, einen AK Racing Gamingsessel, eine 100-Euro-Paysafe-Card und eine Jahreskarte für die Arena 52, die in Floridsdorf eine Infrastruktur für gemeinsames Spielen bietet. Der Zweitplatzierte geht, ganz nach dem Battle-Royal-Prinzip,  leer aus.

Fortnite-Schiris

Begleitet wird das Event von 30 Schiedsrichtern. Sie werden vom ESVÖ  in Seminaren ausgebildet. So konnte man bereits 150  eSport-Schiedsrichter zertifizieren. Die achten einerseits darauf, dass niemand schummelt, müssen aber hauptsächlich dafür sorgen, dass die Technik funktioniert. „Anders als beim Fußball übernimmt das Spiel selbst den Großteil der Regelungen. Schiedsrichter unterstützen die Spieler, sorgen für faire Rahmenbedingungen. Wenn zum Beispiel ein PC während einer Partie abstürzt, müssen sie die Situation klären“, so Haselberger.  

Ob sich die österreichischen Stars der Fortnite-Szene – „Aqua“, „Stompy“ und „Tschinken“ – blicken lassen, bleibt abzuwarten. Sie wurden vom ESVÖ eingeladen, Absprachen gibt es aber keine. Das Turnier soll für alle zugänglich bleiben und mit den Profis wäre die Chance auf den Sieg klein. So können sich die Fans in einem fairen Wettkampf messen. 

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