Nach Insolvenz: Forstinger plant neue Filialen in NÖ und Wien
Es geht bergauf bei der krisengebeutelten Kfz-Zubehörkette Forstinger. Heuer erwartet Geschäftsführer Rudolf Bayer erstmals seit der dritten Insolvenz „ein deutlich positives Betriebsergebnis“, wie er im Gespräch mit dem KURIER prognostiziert. „Die Rückkehr in die Gewinnzone ist damit gelungen.“
Zur Vorgeschichte: Im vergangenen September hat das Unternehmen seine Sanierung abgeschlossen. Diese glückte dank umfassender Sparmaßnahmen. So wurde etwa die Logistik teilweise ausgelagert und das Zentrallager des Unternehmens von 8.000 auf 2.000 Quadratmeter reduziert. Zudem verzichteten die Beschäftigten der Kette fünf Monate lang auf zehn Prozent ihres Gehalts. „Es war eine harte Zeit“, resümiert Bayer. „Es hat aber auch dazu geführt, dass wir dazu gezwungen waren, jeden Stein in die Hand zu nehmen und zu überlegen, wo können wir etwas optimieren.“
Forstinger will sein Werkstattgeschäft ausbauen
Besonders dynamisch hätten sich in den vergangenen Monaten die Werkstätten entwickelt. Lag der Service-Anteil am Umsatz vor zwei Jahren noch bei acht Prozent, stieg er im Vorjahr bereits auf 15 Prozent und liegt derzeit bei 18 Prozent. Aus diesem Grund setzt Forstinger auf den Ausbau des Werkstattgeschäfts. Im laufenden Geschäftsjahr wurden an den bestehenden Standorten zehn zusätzliche Hebebühnen installiert. Zudem wurden alte Maschinen gegen zeitgemäße Geräte ausgetauscht, um in den starken Monaten im Herbst und Frühling schneller arbeiten zu können. Insgesamt investierte das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr 85.000 Euro in Werkstattausrüstung.
Forstinger setzt stark auf den Ausbau der eigenen Kfz-Werkstätten.
Aber die Standorte werden nicht nur aufgerüstet, sondern auch ausgetauscht. Im vergangenen Oktober eröffnete Forstinger etwa im ehemaligen Autohaus Zezula einen neuen Standort in Neunkirchen (NÖ) und schloss die damals bestehende Filiale. Seither gebe es nicht nur § 58a-Pickerlüberprüfungen, sondern auch sonst ein umfassendes Werkstattangebot mit drei Hebenbühnen und drei Mechanikern. „Das wird nicht nur in der Stadt Neunkirchen, sondern im ganzen Bezirk gut angenommen.“ Zuvor wurde etwa auch in Baden bei Wien ein Standort verlegt.
Neue Standorte in Wien, Niederösterreich und Tirol geplant
Im aktuellen Filialnetz gebe es bis zu 20 Standorte, bei denen „ein Tausch Sinn machen würde, um sie technisch zu verbessern“, so Bayer. In St. Pölten würde der Geschäftsführer etwa bereits seit Monaten nach neuen Geschäfts- und Werkstatträumlichkeiten suchen. „Unser Mietvertrag läuft aus, aber wir wollen unbedingt in der Landeshauptstadt bleiben.“ Zu den bestehenden Standorten sollen in Zukunft weitere hinzukommen. Bayer spricht von zwei bis drei neuen Filialen pro Geschäftsjahr, bei Kostenneutralität auch mehr. Insgesamt will die Kette auf von aktuell 69 auf 80 Standorte wachsen. Vor allem in Wien und Niederösterreich soll das Netz dichter werden. Auch im Raum Innsbruck sieht Bayer Wachstumspotenzial.
Forstinger-Chef Rudolf Bayer
Weniger Wachstum als erwartet wirft der Forstinger-Onlineshop ab, den das Unternehmen seit etwas mehr als einem Jahr betreibt. Dieser würde zwar grundsätzlich nicht schlecht funktionieren, entwickle sich aber langsamer als ursprünglich geplant, berichtet Bayer. Noch gebe es zu wenige Produkte im Webshop, das Bestücken mit den einzelnen Artikeln sei aufwendig. „Vielleicht war ich da ein wenig zu optimistisch und habe mir das einfacher vorgestellt. Aber das kostet sehr viel Zeit und ist auch ein Personalressourcenthema.“ Wie groß der Online-Anteil am Umsatz ist, möchte Bayer nicht mitteilen.
Seit Mai ist die Kfz-Zubehörkette außerdem der 17. Partner des Jö-Bonusclubs. Das Kundenbindungsprogramm „ist natürlich interessant für uns, aber man kann hier nicht von einem Erfolg auf Knopfdruck ausgehen“, erzählt Bayer. Einzelne Standortmanager hätten berichtet, dass seit Start der Partnerschaft vermehrt neue Kunden in die Filialen kommen. Demnächst würde man gemeinsam mit der Jö-Geschäftsführung die Daten der ersten Monate im Detail auswerten.
Die heimische Kfz-Zubehörkette mit Sitz in Tulln/NÖ hat eine bewegte Unternehmensgeschichte. Drei Mal musste Forstinger bereits Insolvenz anmelden (2001, 2018 und zuletzt 2023).
Im Geschäftsjahr 2024/25 lag der Umsatz bei 75 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr, das mit Ende September endet, erwartet Forstinger erstmals seit Langem ein positives Betriebsergebnis.
Forstinger betreibt österreichweit 69 Filialen mit 68 Werkstätten und beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter. Seit Mai 2026 ist Forstinger Partner des Jö-Bonusclubs.
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