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Erste Bank
08/25/2015

Firmen-Kredite durch neue Vorschriften bedroht

Regeln werden im Baseler Ausschuss verhandelt. Heimische Unternehmen träfe es härter als US-Firmen.

von Irmgard Kischko

Noch ist die Nachfrage der heimischen Klein- und Mittelbetriebe nach Bankkrediten flau. Zu stark mussten die Banken auf Vorgabe der Aufsicht die Zügel bei der Bonitätseinstufung der Unternehmen anziehen. Doch schon droht der nächste Anschlag auf die Kommerzkredite.

Die derzeit diskutierte Verschärfung der Kapitalvorschriften, die Banken bei der Vergabe von Krediten an Klein- und Mittelbetrieben einhalten müssen ("Basel IV" genannt) könnten dramatische Auswirkungen auf die Finanzierung dieser Unternehmen haben, warnt Thomas Uher, Vorstand der Erste Bank AG im Gespräch mit dem KURIER: "Es geht bis zu einer Verdoppelung des Eigenkapitals, das Banken für Unternehmenskredite halten müssen." Uher fordert die Politik daher auf, sich gegen diese Verschlechterung zu stellen.

Verhandelt werden diese Vorschriften im sogenannten Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, in dem die USA ein wesentliches Wort mitzureden haben. "Doch unsere Wirtschaft ist viel mehr von Krediten abhängig, als die US-Wirtschaft", betont Uher. Da sollte sich die Politik einsetzen, anstatt den Unternehmern Prügel vor die Füße zu werfen.

Hilfe für Start-ups

Finanzielle Anreize durch die Regierung wünscht sich der Erste Bank Österreich-Chef auch für jene Investoren, die Start-ups finanzieren, bevor sie "Bank-fähig" werden. Denn Banken können wegen der strengen Vorschriften der Aufsicht risikoreiche Start-ups nicht finanzieren. "Innovative Jungunternehmen in Österreich werden daher leider oft viel zu früh ins Ausland verkauft", bedauert Uher. Um sie im Land zu halten, müsste die Politik den Financiers Vorteile bieten.

Fix-Zins bevorzugt

Im Gegensatz zu der schwachen Kreditnachfrage der Unternehmen nutzen die Privaten die extrem tiefen Zinsen stärker. "Und sie bevorzugen Fixzinskredite", betont Uher. Mehr als 60 Prozent aller neu abgeschlossenen Wohnbaukredite hat die Erste Bank heuer zu fixen Zinsen vergeben. 2,25 Prozent Zinsen auf zehn Jahre kosten diese Wohnbaufinanzierungen derzeit.

Jahrelang hatten Aufsicht und Banken beklagt, dass die Österreicher nur variabel verzinste Kredite aufnehmen. Steigen die Zinsen, steigen auch die Rückzahlungsraten, was einige Kreditnehmer überfordern könnte, lautete die Befürchtung. Doch die Privaten spekulierten auf fallende Zinsen – und hatten bisher recht damit. Nun scheint aber für viele klar, dass ein Zinstief erreicht ist. Und das sichern sich Neukredit-Nehmer durch Fixzinsen ab.

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