Nationalbank mahnt Banken zu erhöhter Vorsicht bei Gewerbeimmobilien
Österreichs Banken haben 2025 erneut sehr gut verdient, daher spricht die Nationalbank auch von einer insgesamt "guten" Finanzmarktstabilität trotz der aktuellen geopolitischen Unsicherheiten in Folge des Irankrieges. Hauptargument für das insgesamt zufriedenstellende Zeugnis, ist die starke Kapitalbasis der heimischen Institute, die auch klar über dem Euro-Durchschnitt liegt. Auch liegt das insgesamte Exposure der österreichischen Banken im Nahen Osten bei lediglich 0,6 Prozent aller Auslandsforderungen.
Gleichzeitig gibt es aber auch Gegenwind. Ganz generell sinken heuer wie in der gesamten Volkswirtschaft die Wachstumsaussichten auch für die heimischen Banken. Dazu kommen altbekannte, aber ungelöste Probleme in der Kreditvergabe - vor allem im Bereich der Gewerbeimmobilien.
„Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten und der darauffolgende Anstieg der Energiepreise haben erneut zu großer Unsicherheit geführt. Diese Unsicherheit und die direkten Auswirkungen des Krieges auf die Preise belasten die Wachstumsaussichten fast aller Branchen in Österreich und Europa“, sagt OeNB-Gouverneur Martin Kocher.
Die OeNB hält momentan weiter an ihrer März-Prognose fest, wonach heuer ein "gedämpftes" Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent in Österreich zu erwarten sei.
Kocher sieht aber ein „Aufwärtsrisiko“ für die Inflationsprognose. Steigt die Teuerung kräftig an, könnte das die EZB zu Zinsanhebungen veranlassen, was sich wiederum negativ auf die Kreditvergabe an Private wie Unternehmen auswirken könnte. Der etwas bessere Wachstumsausblick für Osteuropa, wo die Banken rund ein Drittel ihres Kreditengagements haben, wirkt hingegen positiv.
Österreichs Banken haben im Vorjahr 11,8 Milliarden Euro verdient, das zweitbeste Jahr in der jüngeren Vergangenheit. „Der weitaus überwiegende Teil der guten Gewinne wurde von den Banken für die Stärkung ihrer Kapitalbasis verwendet. Die harte Kernkapitalquote des Bankensektors erreichte mit 19,0 % einen Höchststand. Dies ist gerade vor dem Hintergrund zunehmender Unsicherheiten im geopolitischen und wirtschaftlichen Umfeld zu begrüßen“, so Direktor Thomas Steiner.
Im Vorjahr hat die Kreditvergabe an Private leicht Fahrt aufgenommen, die Kreditvergabe an Unternehmen blieb hingegen gedämpft. Der Anteil notleidender Kredite ("NPL-Quote") stabilisierte sich nach den jüngsten Zuwächsen über alle Bereiche hinweg bei 3 %. Das klingt nach wenig, bedeutet aber in Summe rund 27 Milliarden Euro in den Bankbilanzen und je nach Statistik den 3. oder 4. Rang in der Eurozone.
Zentraler Problembereich
Und, speziell bei Immobilienkrediten ist die NPL-Quote mit 8,3 % im Jahresvergleich nach wie vor steigend - also rund das Dreifache des Gesamtsektors. Ende 2024 lag diese Quote an uneinbringlichen Krediten noch bei 6,3 %.
Seit 2022, als die Zinsen zu steigen begannen, verzeichneten die österreichischen Banken einen starken Anstieg der NPL-Quote bei gewerblichen Immobilienkrediten (CRE-Krediten). Besonders ausgeprägt ist dieser Anstieg im gewerblichen Wohnen, wo mittlerweile über 14 % der Kredite notleidend sind. Und zusätzlich haben weitere 12 Prozent eine erhöhte Ausfallswahrscheinlichkeit, sagt die OeNB.
Im europäischen Vergleich sticht der österreichische Bankensektor nicht nur durch diesen Anstieg, sondern auch durch den überdurchschnittlich hohen Anteil der CRE-Kredite an den gesamten Unternehmenskrediten von 43 % hervor.
Positiv sei, dass bei privaten Wohnbaukrediten in 80 Prozent der Fälle die strengen Kriterien der ausgelaufenen KIM-Verordnung weiterhin eingehalten werden.
Um systemische Risiken einzudämmen, empfiehlt die OeNB den Banken daher:
- eine angemessene Kreditrisikosteuerung, einschließlich eines aktiven Managements von notleidenden Krediten (inklusive deren konsequenten Abbau),
- höherer Risikovorsorgen (insbesondere für den unbesicherten Teil der Kredite) und
einer konservativen Bewertung der Sicherheiten;
- die Einhaltung strengerer aufsichtsrechtlicher Anforderungen für Gewerbeimmobilienkredite (insbesondere des sektoralen Systemrisikopuffers);
- die Absicherung der guten Kapitalisierung, und vor allem die
- weitere Einhaltung der nachhaltigen Vergabestandards bei Wohnimmobilienkrediten
Eva Landrichtinger, Geschäftsführerin für Banken und Versicherungen in der Wirtschaftskammer Österreich, verwehrt sich gegen neue Bankenabgaben angesichts der nötigen Budgetsanierung. Trotz ihrer Gewinne hätten Österreichs Banken einen klaren Wettbewerbsnachteil.
Denn, so Landrichtinger: „Österreichs Banken zahlen seit 15 Jahren eine ursprünglich temporär angekündigte Abgabe in Höhe von 5,8 Mrd. Euro (2011-2025). Rund 3 Mrd. Euro werden jährlich zusätzlich an Steuern, Abgaben und Sozialbeiträgen geleistet. In diesem Betrag sind jedoch die enormen regulatorischen Kosten, die in den letzten Jahren explodiert sind, noch gar nicht berücksichtigt. Während andere europäische Länder den Finanzsektor entlasten, wurde in Österreich im Jahr 2025 eine weitere Erhöhung beschlossen.“
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