Wirtschaft
18.09.2017

Nach Butter wird auch Kuchen und Gebäck teurer

Bäcker und Konditoren müssen die Preise anpassen. Täglicher Einkauf wurde um 4,1 Prozent teurer.

Egal ob Linzer Torte, Marmorkuchen, Striezel, Topfengolatsche oder Nuss-Schnecke: Butter steckt in vielen handwerklich hergestellten Backwaren. Die jüngste Preisrallye auf neue Rekordhöhen trifft daher die heimischen Bäcker und Konditoren schwer. "Preissteigerungen hat es immer schon gegeben, aber ich habe noch nie erlebt, dass Butter so teuer ist", stöhnt Leo Jindrak, Bundesinnungsmeister der Konditoren. Seit Mai habe sich der Butterpreis für ihn fast verdoppelt,inzwischen sei es sogar schwer, überhaupt noch Butter in größeren Mengen zu bekommen.

"Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als die Preise anzupassen", sagt Jindrak, der für seine Linzer Torten bekannt ist. 45 Tonnen Butter benötige er pro Jahr. "Wir haben vor Jahren alles auf Butter umgestellt, jetzt werden wir dafür abgestraft", klagt er. Butter durch Margarine zu ersetzen, komme für ihn nicht infrage, schließlich produziere er Qualität und keine Massenwaren für Supermärkte.

Alternativen gesucht

Auch Doris Felber von der gleichnamigen Wiener Bäckereikette setzt bei ihren Backwaren ausschließlich auf Butter und ist daher vom Preisschub massiv betroffen: "So kann es nicht weitergehen. Ich überlege mir schon, selbst Milchkühe zuzulegen", sagt die Unternehmerin.

Es könne doch nicht im Sinne Europas sein, dass jetzt alle wieder zum ökologisch höchst umstrittenen Palmöl greifen, hadert Felber mit der Agrarpolitik. Kleinere Bäckerein könnten allein schon aus Qualitäts- und Geschmacksgründen nicht so einfach auf Butter verzichten. Eine Möglichkeit wäre afrikanische Sheabutter, die in der Schokoladenerzeugung eingesetzt wird. Doch auch hier steigen die Preise.

Laut Anka Lorencz von der Bundesinnung des Lebensmittelgewerbes in der WKO stehen viele Bäcker derzeit "mit dem Rücken zur Wand". Anders als große Handelsketten könnten sie Preissteigerungen nicht so einfach schlucken, viele würden schon jetzt kaum über die Runden kommen. Die Schere zwischen Diskontern, die mit Semmeln um 15 Cent werben, und Handwerksbetrieben werde noch weiter aufgehen.

Größter Preistreiber

Konsumenten spüren die Teuerung immer stärker im Geldbörsel, wie ein Blick auf den aktuellen Verbraucherpreisindex (VPI) zeigt. In der August-Inflation erwiesen sich Grundnahrungsmittel wie Milch, Topfen, Käse und Eier (+4,9 Prozent) als wesentliche Preistreiber. Während die allgemeine Teuerung von 2,0 auf 2,1 Prozent anzog, war der tägliche Einkauf gleich um 4,1 Prozent teurer als vor einem Jahr (siehe Grafik).

Allein der Butterpreis kletterte binnen Jahresfrist um 38,4 Prozent nach oben. Schon im Juli war Butter um ein Drittel teurer als vor einem Jahr. Bei Rewe Billa, Merkur, Penny, Adeg), kostet die 250-Gramm-Packung der Eigenmarke derzeit 2,39 Euro. Vor einem Jahr waren es noch 1,29 Euro.

Ein Ende der Preisrallye ist vorerst nicht in Sicht, zumal auch in den Supermarkt-Regalen bereits erste Lieferengpässe auftreten. Diese würden nur einzelne Marken betreffen, generell sei genug Butter vorhanden, beruhigt der Handel. Auch Vertreter der heimischen Milchbauern, die den hohen Butterpreis nach den Tiefstpreisen in den vergangenen Jahren für "angemessen" halten, gaben Entwarnung. "Es gibt keinen objektiven Grund für eine laute Panik im Butterfass", beruhigte Landwirtschaftskammer-Funktionär Josef Moosbrugger.