Wirtschaft
05.01.2018

Fernziele heimischer Gusto-Stückerl

Österreichischer Tee in Japan? Gulaschgewürz an der Copacabana? Lebensmittel "Made in Austria", wo man sie niemals erwarten würde.

Dass der Energydrink Red Bull rund um den Globus omnipräsent ist, wird wenige überraschen. Doch es gibt eine Menge anderer österreichischer Lebensmittel, die an den entlegensten Orten der Welt oder an jenen, an denen man sie am wenigsten erwarten würde, zu finden sind. Die Geschichten, die erzählen, wie sie dorthin gekommen sind, sind in vielen Fällen genauso köstlich wie die Produkte selbst. Nicht selten steht die Begeisterung einzelner Personen dahinter.

Demmer schenkt in Japan ein

Das österreichische Teehaus Demmer liefert seine Produkte bis nach Japan, obwohl das Land eine mehr als tausend Jahre alte Teekultur hat und Österreich nicht als klassische Teetrinker-Nation gilt. „Wir hatten eine Kundin, die in Japan ein Teehaus eröffnen wollte, nachdem sie den Tee bei uns in Wien gekauft hat“, erklärt Geschäftsführer Friedrich Niederl. Sie begeisterte sich für die in Japan weniger bekannten Früchte- und Kräutertees sowie den schwarzen Tee . Sie habe sogar in den zwei Jahren vor ihrer Geschäftseröffnung in Tokio Franchisegebühren bezahlt, damit ihr niemand die Franchise-Rechte wegschnappen könne, erzählt Niederl. Die Beschriftungen auf den Verpackungen werden in Japan im Gegensatz zu Demmer-Filialen in anderen Ländern nicht in die Landessprache übersetzt, da die Japaner die originalen deutschsprachigen Etiketten bevorzugen.

Zotter - von der Steiermark nach Hawaii

Im Dezember 2015 bestellte Markus Krendl – ein in Hawaii lebender Österreicher, der für Air Canada am Flughafen in Honolulu arbeitet – auf der US-amerikanischen Homepage von Zotter Schokolade. Nach dem ersten Bissen wollte er mehr. „Ein paar Tage später hat er uns eine Anfrage geschickt, dass er gerne als Wiederverkäufer tätig werden würde“, sagt Josef Zotter, Eigentümer der im steirischen Bergl bei Riegersburg beheimateten Schokoladenmanufaktur. Im Frühling 2016 besuchte Krendl das Zotter-Geschäft in Cape Coral in Florida. Seither bestellt er Zotter-Schokolade von der US-Niederlassung und verkauft sie an Händler und Endkunden in Hawaii. Im Herbst 2016 hat er es dort sogar anlässlich einer Messe mit der Zotter-Schokolade ins Fernsehen geschafft. Eine der besten Verkaufsstellen in Hawaii ist übrigens ein Theater, wo die Gäste vor den Aufführungen und in der Pause Zotter-Schokoladen essen, erzählt Krendl.

Rauch liefert Fruchtsäfte an tropische Strände

Wer Fruchtsaft des Vorarlberger Herstellers Rauch in einem Supermarkt auf der kleinen philippinischen Insel Boracay – die bekannt für einen der schönsten Strände der Welt ist – findet, traut zunächst seinen Augen nicht. Das Land ist voll mit Ananas-Plantagen und anderen Früchten. Wie kommt der Saft aus dem Ländle dorthin? „Wenn Philippiner in Europa unterwegs sind, steigen sie oft in guten Häusern ab“, sagt Unternehmenssprecher Daniel Wüstner. Nicht selten würden sie dort auf Produkte von Rauch stoßen. Für Asiaten gelten gute europäische Lebensmittel als exklusive Brands, die in ihren Ländern hoch im Kurs stehen. Außerdem arbeiten in vielen asiatischen Top-Hotels Österreicher als Manager oder Küchenchefs, die die Produkte in den Markt bringen, sagt Wüstner. Deshalb sollte man nicht überrascht sein, wenn man dort auch andere österreichische Produkte vorfindet, wie etwa Marillenmarmelade von Staud’s.

Kotanyi bringt Würze an die Copacabana

Wer an den Gewürzhersteller Kotanyi denkt, denkt an Gewürze, Gulasch und Ungarn. Man müsste aber auch an Sonne, Strand und Samba denken, denn die Gewürzmühlen von Kotanyi finden auch an der Copacabana in Rio de Janeiro reißenden Absatz. Wie kommen die Produkte des Unternehmens aus Wolkersdorf im Weinviertel an den berühmtesten Strand Brasiliens? „Es hat sich ein Brasilianer bei uns gemeldet und nicht mehr lockergelassen“, sagt Geschäftsführer Erwin Kotanyi. Dieser habe die Mühlen vor zehn Jahren irgendwo gesehen und vertreibt sie nun in seinen Zona-Sul-Supermärkten. Eine direkte Anfrage wie diese sei selten, meist würde man neue Kunden auf Messen treffen. Exotische Märkte sind für Kotanyi allerdings nichts Ungewöhnliches, er liefert seine Gewürze auch nach Aschgabat und Baku – die Hauptstädte von Turkmenistan und Aserbaidschan. Auch in Südkorea ist das Unternehmen vertreten.

Toast-Scheiben von Rupp sind in der Wüste heiß begehrt

Auch wenn Jordanien nicht unbedingt für eine große Schinken-Käste-Toast-Tradition bekannt ist, haben es die Toast-Scheiben des Vorarlberger Käseherstellers Rupp bis in das Wüstenland geschafft. Zu verdanken ist das dem Lebensmittelimporteur Jordan National for International Trade. Der Kunde ist sehr österreichaffin und oft in Vorarlberg zu Besuch, heißt es seitens Rupp. Die Jordanier schätzen die ausgezeichnete Qualität österreichischer Produkte und die Zuverlässigkeit der Hersteller. Die beiden starteten ihre Geschäftsbeziehung vor zehn Jahren mit der Rupp-Marke Alma, die jordanischen Feinspitze wechselten dann aber zur Marke Rupp – wegen der größeren Produktrange. Exotik hat bei Rupp Tradition. Firmengründer Josef Rupp war 1908 der Erste, der in Österreich Emmentalerkäse nach Schweizer Art herstellte. Schon in den 1920er-Jahren exportierte er diesen nach Italien, Belgien, Nordafrika und Amerika.

Chinesen lieben Dreh und Trink

Xuan Xuan Le, so heißt Dreh und Trink auf Chinesisch. Seit 2014 gibt es das österreichische Kultgetränk aus den frühen 70er-Jahren im Land des Lächelns. Nachdem Michael Bauer, Verkaufs- und Marketingchef von Klosterquell Hofer, auf der internationalen Lebensmittelmesse FHC in Schanghai Kontakt zu einem chinesischen Distributor knüpfte, stand dem Export nichts mehr im Wege. Zu den beliebtesten Sorten der Chinesen zählen Erdbeere und Orange. Das am Fuße des Schneebergs in Niederösterreich produzierte Kindergetränk wird nicht nur in chinesische Hypermärkten verkauft, sondern auch in eigens stabiler gemachten Kartons mit Rikschas an Mini-Shops ausgeliefert. Dreh und Trink gibt es übrigens auch in Saudi-Arabien und in Australien. Die Exportquote der österreichischen Traditionsmarke liegt bei 80 Prozent.