© Getty Images/izusek/istockphoto.com

Wirtschaft
06/26/2019

Ferienbeginn: Das Chaos am Flughimmel ist programmiert

Ein überfüllter Luftraum, Streiks und Unwetter bringen Flugverspätungen. Billigflieger bauen Verbindungen weiter aus.

von Simone Hoepke

Wer pünktlich zum Ferienstart in den Urlaub fliegt, sollte auch gute Nerven im Gepäck haben. „Die Branche stellt sich auf Verspätungen wie im Vorjahr ein“, sagt Andreas Gruber, Chef der mittlerweile zum Ryanair-Konzern gehörenden Fluglinie Lauda. Nachsatz: „Vielleicht wird es sogar noch schlimmer als im Vorjahr.“

Die Gründe für Verspätungen und Ausfälle reichen von der steigenden Zahl an Unwettern bis zu hin zu drohenden Streiks von Fluglotsen und Flugpersonal. Selbst Ryanair-Chef O’Leary, dessen Konzern 2018 durch zahlreiche Streiks unter Druck geraten war, schließt wie berichtet diesen Sommer streikbedingte Störungen nicht vollständig aus.

Die Lauda hat für die Sommermonate vorsichtshalber schon einmal zwei Ersatzflieger in Wien stationiert. Zudem wurde die Zahl der Mitarbeiter im Kundenservice aufgestockt, betont Gruber. Er rechnet diesen Sommer mit 800.000 Passagieren in Wien, damit ist die Fluglinie mit ihren zwölf Airbus A320 der größte Billigflieger in Schwechat. Zum Vergleich: Eurowings kommt auf acht, Wizz auf sechs und Level auf drei Maschinen.

Ryanair ist längst zum größten europäischen Billigflieger aufgestiegen und wächst weiter – auch dank Zukäufen. Ende 2018 haben die Iren ihre Anteile an der Lauda von 75 auf 100 Prozent aufgestockt, Anfang des Monats haben sie die Übernahme der Malta Air bekannt gegeben. An den Marken werde nicht gerüttelt, sagt Gruber.

Die Konkurrenz am Flughimmel befeuert den Preiskampf. „Es sind Überkapazitäten am Markt, die Branche ist unter Druck“, formuliert es Gruber. Die Passagierzahlen in Wien seien um 25 Prozent gestiegen, ein Wachstum, das nicht nachhaltig sein kann, sind sich alle in der Branche einig. Sie rechnen spätestens nächsten Sommer mit einer Marktbereinigung. Bei der Frage, wer im Konkurrenzkampf verliert, will freilich niemand betroffen sein. Im Gegenteil.

Kampfansagen

Ein Airline-Manager nach dem anderen kündigt neue Verbindungen an. Lauda stationiert ab dem Winter ein zwölftes Flugzeug in Wien und nimmt unter anderem die dänische Stadt Billund in den Flugplan auf. Die Air Arabia gab gestern bekannt, dass sie ab September nach Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten fliegt. Die Stadt in der Nähe von Dubai ist das Heimatdrehkreuz des Low-Cost-Carriers.

Die Expansion und die Kampfpreise kosten Geld. Ryanair wies zuletzt den schwächsten Gewinn seit vier Jahren aus, der Lufthansa-Konzern (AUA, Eurowings) hat die Gewinnerwartungen zurückgeschraubt. Die Erträge insbesondere in Deutschland und Österreich seien wegen der Überkapazitäten unter Druck.

simone hoepke