Wegen Familienstreitigkeiten: Novomatic storniert Rekord-Übernahme

Warum es für den Glücksspielkonzern Novomatic mit der Ainsworth-Gruppe in Australien nicht nach Wunsch läuft.
Andrea Hodoschek
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Der milliardenschwere heimische Glücksspielkonzern Novomatic hat mit der australischen Gaming-Gruppe Ainsworth eine Pechsträhne.

Novomatic stornierte am Mittwoch die Übernahme der verbleibenden 47,1 Prozent an Ainsworth. Der Konzern des niederösterreichischen Industriellen Johann F. Graf übernahm 2018 bereits 53 Prozent an Ainsworth, das war damals das größte Investment eines österreichischen Unternehmens in Down Under. Das börsenotierte australische Unternehmen hatte vor allem wegen seines starken Engagements in den USA die Begehrlichkeit von Novomatic geweckt.

Ainsworth produziert Glücksspielgeräte und Online-Spiele und beliefert die Casinos-Giganten Ceasar’s, Stations Casinos und Wynn. Dass der Plan nun nicht aufgeht, liegt an Familienstreitereien im Hause des Ainsworth-Gründers Len Ainsworth.

Der Glücksspielveteran behielt für sich nur noch einen Anteil von knapp zwei Prozent, hat aber Aktien im Familienkreis verteilt. Unter den Mitgliedern soll es rund um den Junior zu Streitereien über die Anteile gekommen sein, wird in der Gaming-Branche kolportiert. Jedenfalls waren nicht alle bereit, sich von ihren Anteilen zu trennen und das Novomatic-Angebot anzunehmen.

Abflug von der Börse?

Im April 2025 startete Novomatic den Prozess zur Übernahme weiterer Anteile. "Um die Synergien zwischen Novomatic und Ainsworth zu stärken und die Zukunft des Unternehmens besser mitgestalten zu können", heißt es dazu bei Novomatic. Die Transaktion sollte bereits in der zweiten Jahreshälfte 2025 abgeschlossen sein. Novomatic wollte 75 Prozent an Ainsworth Game Technology erwerben, um das Unternehmen zu konsolidieren. Geplant war, Ainsworth von der australischen Börse zu nehmen, den Marktanteil in den USA auf zehn Prozent zu verdoppeln und auch im asiatisch-pazifischen Raum zu expandieren. Wie berichtet, ist Novomatic operativ nicht mehr in Österreich tätig, nur noch mit einer Produktion und dem Headquarter. Die Tochtergruppe Admiral wurde verkauft. Der rund 26.000 Mitarbeiter große Konzern hat weltweit Standorte in 50 Ländern. Statt auf Österreich setzt Graf auf das ungleich größere internationale Geschäft.

Novomatic legte den übrigen Aktionären ein Angebot von einem australischen Dollar je Aktie, was zum damaligen Kurs einem Premium von rund 35 Prozent entsprach. Das unabhängige Ainsworth-Board empfahl einstimmig die Annahme des Angebots. 

Novomatic ließ am 6. Februar das Übernahmeangebot auslaufen.  Die geplanten 75 Prozent wurden nicht erreicht, Novomatic hält nun rund 67,4 Prozent. Novomatic-Vorstand Stefan Krenn erklärte dazu gegenüber dem KURIER: "Mit der Erhöhung auf eine Zweidrittel-Mehrheit stärken wir unser strategische Position nachhaltig. Dadurch können wir die zukünftig Entwicklung des Unternehmens maßgeblich mitgestalten und die Zusasmmenarbeit sowie die Synergien konsequent weiterentwickeln". 

Pech hat auch Ex-Novomatic-Chef Harald Neumann, zuletzt CEO von Ainsworth. Er trat wie berichtet vor einigen Wochen nach einem desaströsen Hearing vor der staatlichen Nevada Gaming Commission wegen der Verlängerung seiner US-Lizenz als CEO von Ainsworth zurück. Der Vorsitzende der Kommission erklärte Neumann, er habe nichts Ungesetzliches getan, aber die Befragung sei nicht gut gelaufen. Er könne sich in zwei Jahren wieder um eine Lizenz bewerben. Eher nicht, Neumann will nach Paraguay auswandern.

Erste Frau an der Spitze des Aufsichtsrates 

Die Novomatic AG hat übrigens seit Jahresbeginn 2026 mit der ehemaligen Bankerin und Miteigentümerin Birgit Wimmer erstmals eine Frau an der Spitze des Aufsichtsrates. Als Vize-Präsident wurde der renommierte Wirtschaftsanwalt Haig Asenbauer bestellt. Er ist auch Vorstand der Privatstiftung von Niki Lauda.

Porträt von Andrea Hodoschek, Autorin der Serie „Wirtschaft von Innen“.

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