EZB erwartet für heuer deutlich höhere Inflation
Zusammenfassung
- EZB belässt den Leitzins bei 2,0 Prozent und setzt die Zinspause fort.
- Steigende Energiepreise durch den Iran-Krieg führen zu einer höheren Inflationserwartung von 2,6 Prozent für dieses Jahr.
- Die EZB bleibt wachsam und ist bereit, geldpolitische Maßnahmen anzupassen, um das Inflationsziel von 2 Prozent zu sichern.
Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins nach Ausbruch des Iran-Krieges und dem damit einhergehenden Ölpreisschock unverändert bei 2,0 Prozent und verzichtet vorerst auf eine Zinserhöhung. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rates.
Der Krieg im Nahen Osten habe zu deutlich unsicheren Aussichten geführt, so Lagarde. Er habe Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge. Die mittelfristigen Folgen seien stark von Dauer und Intensität des Krieges abhängig. Der EZB-Rat sei jedenfalls fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass sich die Teuerung mittelfristig beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiere. Dafür sehe man sich auch gut gerüstet, sagte Lagarde.
2,6 Prozent Teuerungsrate
Für 2026 rechnen die Zentralbankexperten mit einer Gesamtinflation von durchschnittlich 2,6 Prozent im Euroraum und damit deutlich höher als die 1,9 Prozent, von denen bisher ausgegangen wurde. Grund dafür seien die steigenden Energiepreise. Sie dürften u. a. auf die Nahrungsmittelpreise durchschlagen und auch Zweitrundeneffekte, etwa verstärkte Lohnforderungen, mit sich bringen. In den darauf folgenden Jahren soll sich die Teuerung dem Zielwert wieder annähern. Für 2027 werden 2,0 Prozent, für 2028 2,1 Prozent prognostiziert.
Weniger Wachstum
Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Euroraum revidierten die Zentralbankexperten nach unten. Für heuer gehen sie von durchschnittlich 0,9 Prozent aus. Im Dezember lag die Schätzung noch bei 1,2 Prozent. Die niedrige Arbeitslosigkeit, solide Firmenbilanzen und öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur dürften das Wachstum weiterhin stützen, heißt es. Für 2027 rechnet die EZB mit einem Wachstum von 1,3 Prozent, 2028 mit 1,4 Prozent.
Alternativszenarien
Die Zentralbankexperten entwarfen auch alternative Szenarien, die von einem länger anhaltenden Krieg im Nahen Osten und dauerhaft höheren Energiepreisen ausgehen. Der Effekt auf die Inflation und das Wirtschaftswachstum unterscheiden sich darin deutlich. Im schlimmsten Fall könnte die Teuerungsrate heuer auf 4,4 Prozent steigen und das Wirtschaftswachstum auf 0,4 Prozent sinken.
Es ist bereits die sechste Zinspause in Serie. Davor hatte die Zentralbank den Schlüsselsatz von Mitte 2024 bis Mitte 2025 von vier auf zwei Prozent halbiert. Die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rates findet am 30. April statt. Marktbeobachter gehen für das heurige Jahr von bis zu zwei Zinserhöhungen aus.
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