Wirtschaft 15.05.2018

Experte: Parkplätze für "dicke" Autos teurer machen

© Bild: AP/Andy Wong

Autos wachsen Jahr für Jahr um Millimeter. Ferdinand Dudenhöffer schlägt Maßnahmen für voluminöse Fahrzeuge vor.

Unsere Autos werden deutlich größer, vor allem breiter. Das hat der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer in einer Studie nachgewiesen. "Die Ergebnisse kann man zu 100 Prozent auf Österreich umlegen", sagt der Professor zum KURIER und warnt vor Platzproblemen. Seine Vorschläge: teurere Parkplätze, höhere Versicherungstarife und eingebaute Baustellen-Assistenten für "Dicke". Neben SUVs könnten demnächst aber noch gigantischere Fahrzeuge Europas Straßen erobern, sagt Dudenhöffer.

KURIER: Heute ist ein Neuwagen in Deutschland durchschnittlich 1,802 Meter breit, im Jahr 1990 waren es nur 1,679 Meter. Warum wachsen die Autos in die Breite?

Dudenhöffer: Eine Erklärung ist, dass mittlerweile viele SUVs (Sports Utility Vehicles, Anm.) im Markt sind. In Deutschland sind es über 25 Prozent, in Österreich ist es ähnlich. Aber auch bei kleineren Fahrzeugklassen gibt es einen Lemming-Effekt. Opel baut einen neuen Corsa und er muss besser sein als der vergleichbare Polo (von VW, Anm.). Besser heißt auch komfortabler und ein bisschen größer. Weil es die anderen so machen, rennen alle in eine Richtung. Ein dritter Grund ist, dass die Marktanteile der mittleren Oberklasse- und der Premium-Fahrzeuge zunehmen.

Sie haben errechnet, dass eine neue Limousine mit 1,847 Metern im Durchschnitt noch breiter ist als der SUV mit 1,839 Metern. Das ist überraschend.

Das hängt damit zusammen, dass auch immer mehr Kompakt-SUVs in den Markt kommen. Die Limousinen schließen nicht Kleinwagen ein, sondern fangen mit VW Passat, 3er BMW und Mercedes C-Klasse an. Das geht dann noch hoch bis zur S-Klasse und so weiter. Und diese Limousinen werden breiter gebaut als viele Kompakt-SUVs.

Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer © Bild: CAR-Center Automotive Research

In der deutschen Wochenzeitung Die Zeit haben Sie einmal gesagt, die Ära, in der „das Auto ein Statussymbol war, ist vorbei. Der neue Sinn heißt: dauerhaft verfügbare Mobilität und umfassende Nachhaltigkeit.“ Aber der Anteil der SUVs ist stark gestiegen. Ist das kein Widerspruch?

Im Prinzip sieht es so aus. Man kann das aber so erklären, dass wir immer mehr ältere Autobesitzer haben. Diese wollen keinen fahrenden Rollstuhl haben, sondern sportlich erscheinen. Der SUV erlaubt ihnen, sportlich zu erscheinen und gleichzeitig über ihre Zipperlein – dass sie sich schlecht bücken oder schlecht in enge Autos einsteigen können – hinwegsehen zu können. Im SUV sitzt man auch höher über der Straße und hat ein höheres subjektives Sicherheitsgefühl. Beim SUV geht es nicht nur um Status, sondern um den individuellen Wunsch, jünger zu wirken als man tatsächlich ist.

Das Breitenwachstum der Autos ist auch ein wirtschaftlicher Faktor. Sie schlagen vor, die Parkplätze in Parkgaragen ab einer bestimmten Breite teurer zu machen. Wie wäre das umsetzbar?

Für die Zukunft könnte man sich zwei Klassen von Parkplätzen in Parkhäusern vorstellen. Die Kleinen sollen weniger zahlen. Man kann einfach jedes Auto, das hineinfährt, scannen und vermessen. Wenn es eine bestimmte Breite überschreitet, weist Ihr Parkticket einen höheren Betrag auf. Technisch ist das relativ einfach zu machen. Außerdem könnte mehr Breite auch höhere Versicherungskosten nach sich ziehen.

In den größeren Städten ist der Parkplatzmangel ein großes Thema. Wären teurere Parkplätze für sehr breite Autos auch im öffentlichen Raum eine Möglichkeit?

Das sollte man unbedingt machen, denn es spricht ja nichts dagegen, dass jemand ein größeres Auto hat. Aber dann braucht er halt mehr Platz und Platz kostet Geld. Wie er beim Tanken mehr bezahlt, weil er mehr Energie braucht, liegt es auf der Hand, dass er auch beim Parken mehr bezahlen sollte.

Auf öffentlichen Parkplätzen haben Sie natürlich keine Einfahrvorrichtung. Aber auch dort könnte man über eine Parkscheibe verschiedene Preise einführen. Man könnte sagen, die blaue Scheibe ist für größere und die grüne für kleinere Autos. Da können die Kontrolleure schauen, ob die Scheibe blau oder grün ist, und wenn jemand eine falsche Parkscheibe reinlegt, bekommt er einen Strafzettel.

Ein Golf der ersten Generation von 1974 © Bild: CC BY-SA 2.0 de

In Wien sieht man mittlerweile auch den einen oder anderen Pick-Up, wie man sie aus den USA kennt. Ist diese Fahrzeugklasse auch ein Faktor für die wachsende Breite?

Die Pick-Ups spielen bei uns heute noch keine große Rolle. Das sind noch Einzelfahrzeuge. Aber Mercedes testet es gerade schon an mit der X-Klasse. Ich gehe davon aus, die Chancen sind groß, dass auch Pick-Ups in Europa Stück für Stück in den Markt kommen werden. Die SUVs haben es vorgemacht. Früher haben wir immer über die Amerikaner gelacht, und heute sind wir in Europa in die gleiche Richtung unterwegs. Mit Pick-Ups würde das Breitenwachstum natürlich weiter steigen, denn sie sind mehr Nutzfahrzeuge als Pkw, verstopfen aber die Straßen.

Das jährliche Wachstum um Millimeter summiert sich. © Bild: CAR Universität Duisburg-Essen

Sie schlagen als Lösungen zum Beispiel größere Parkplätze und automatisch einparkende Pkw – die notfalls in die kleinste Lücke finden –  vor, außerdem breitere Spuren bei Baustellen und Fahr-Assistenten bei Baustellen. Eine Hoffnung, dass die Autoindustrie wieder kompakter baut, besteht nicht?

Nein. Die Autobauer machen das, was sie verkaufen können. Solange die Kunden breite Autos wollen, werden die Autobauer einen Teufel tun, diese nicht anzubieten.

Zur Person: Ferdinand Dudenhöffer gilt als Deutschlands führender Automobilexperte. Der 66-Jährige ist Gründungsdirektor des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen.

( kurier.at ) Erstellt am 15.05.2018