Wirtschaft
26.01.2015

Tiroler schickt Deutsche auf Reisen

Der Veranstalter von Hofer Reisen über Programmierer in Indien und ängstliche Österreicher.

KURIER: Hoteliers jammern über das Ausbleiben der Russen. Sie auch?

Dieter Toth: Wir haben in Russland und der Ukraine ein Minus von 40 Prozent. Am Gesamtumsatz haben diese Märkte zwar nur einen Anteil von 2,5 Prozent, aber es ist unangenehm, weil wir viel in diesen Ländern investiert haben. Die Beamten machen Urlaub in Sotschi. Ein Russe hat mir erzählt, dass es nicht gerne gesehen wird, wenn man jetzt noch in die EU reist.

Laut Umfragen geben die Österreicher weniger im Urlaub aus. Spüren Sie das?

Wir spüren es nicht. Die Österreicher jammern eben gerne. Eine Umfrage eine Woche später kann aber ein ganz anderes Bild ergeben. Diejenigen, die häufig in die Welt reisen und das viele Elend sehen, wissen, wie gut es uns eigentlich geht.

Ihnen scheint es jedenfalls gut zu gehen. Sie haben einen Auftrag von der Deutschen Post bekommen. Von welcher Größenordnung reden wir da?

Durch die Kooperation kommen unsere Prospekte auch in den letzten Winkel des Landes, wir reden hier von 40 Millionen Haushalten – ein Riesendeal. Die Deutschen geben jährlich 140 Milliarden Euro für Reisen aus.

Sie organisieren in Deutschland ja unter anderem schon für Tchibo und Aldi Reisen. Mit wie viel Mehrumsatz rechnen Sie Dank Deutscher Post?

Das darf ich nicht sagen, weil der Kooperationspartner prinzipiell keine Prognosen macht.

Großer Partner, große Vorschriften?

Wenn man mit solchen Big Boys arbeitet, ja. Vor allem bei der Datensicherheit. Unsere Mitarbeiter brauchen jetzt einen Chip, um über die Seitentüren in die Zentrale zu kommen. Das war früher lockerer. Und es gab Penetration-Tests (Anm: professionelle Hacker-Angriffe).

Seitens der Deutschen Post?

Ja, das war hart. Aber es ist schon richtig, dass sie die Datensicherheit prüfen. Meine Techniker hatten keine entspannten Weihnachten.

Entwickeln Sie die ganzen IT-Lösungen in Kitzbühel?

In Indien sitzen auch 20 Programmierer, die für uns arbeiten.

Weil es dort billiger ist?

Weil es dort Top-Programmierer gibt und ja, die Löhne sind 30 Prozent niedriger. Ich weiß aber nicht, ob wir uns wirklich so viel ersparen. Das indische Englisch ist etwas gewöhnungsbedürftig und bei Videokonferenzen oft mühsam zu verstehen.

Warum suchen Sie dann nicht mehr Leute in Österreich?

Ende letzten Jahres konnte ich vier von sieben Stellen nicht besetzen, weil ich keine Leute gefunden habe. Ich brauch jemanden mit touristischem Basiswissen. Ich kann ihm ja nicht erst ein halbes Jahr mein Geschäft erklären. Im Tourismus geht heute alles nur noch über die Technik. Kein Hotelkonzern will Buchungen noch händisch eingeben. Der Tourismus wird in der Zukunft von der Technik beherrscht werden.

Was sind die größten Herausforderungen?

Gewinnen wird, wer Reisen mit Erlebnissen auflädt, die technischen Mittel hat und die Inhalte einfach an den Endkunden bringt. Die Gäste wollen alles am Smartphone verfügbar haben. Von gesperrten Pisten bis zum Tagesmenü auf der Hütte – alles real-time. Die Schlacht wird meiner Meinung nach im Vertrieb geschlagen werden.

Ist Österreich als Urlaubsland gut aufgestellt?

Wir verlieren seit Jahren Marktanteile. Wir sind saturiert, ängstlich, zögerlich. Wir reden über jede Idee so lange, bis wir genügend Gründe gefunden haben, sie nicht umzusetzen.

An was denken Sie da?

Buchungsplattformen, zum Beispiel. Ich habe Tiscover mitentwickelt, wollte aus der Informationsplattform schon in den 1990er-Jahren eine Buchungsplattform machen, aber das wollte die Politik damals nicht.

Das ist schon 20 Jahre her ...

Später habe ich mit der Österreich Werbung über eine nationale Buchungsplattform geredet. Da haben sie mir erklärt, dass geht nicht, weil es nicht EU-konform ist. Andere Länder machen einfach. Und wenn es tatsächlich Probleme gibt, suchen sie eben eine Lösung. Wir tun lieber gar nichts.

Dieter Toth: Zur Person

Der 69-Jährige hat das Kitzbüheler Unternehmen Eurotours, das zur Verkehrsbürogruppe gehört, 1980 gegründet. 2003 startete er mit Reise-Paketen für Hofer als Reiseveranstalter. Eurotours ist der größte Direkt-Reiseveranstalter Österreichs und die bedeutendste Incoming- Agentur Mitteleuropas.

Tacho in Skibrille, Aufgabenliste am Smartphone

Wolfgang Burgschwaiger war der erste Wellnesshotel-Besitzer der Welt – zumindest in der virtuellen Welt, genau genommen in Second Life. 5000 Euro hat er in sein virtuelles Haus investiert. Auch in der Hoffnung, mit den Bildern von seinem Alpinresort Übergossene Alm in Salzburg echte Kunden zu gewinnen. Diese Rechnung ist nicht aufgegangen, aber zumindest hat ihn das virtuelle Hotel bekannter gemacht.

Tempo im Blick

Der Salzburger Hotelier ist laut eigenen Angaben ein Technikfreak. Seine Skibrille hat im linken Eck des Glases einen kleinen Monitor, auf dem etwa die aktuelle Geschwindigkeit, die zurück gelegten Höhenmeter oder das nächste WC aufblinken. "So eine Brille gibt dem Skifahren ein spielerisches Element. Einer meiner Gäste hat sogar getestet, welcher Lift der schnellste in der Skiwelt Amadé ist", erzählt Burgschwaiger. Ein Navi hat die Brille bzw. das App aber nicht. Aus Haftungsgründen, weil das GPS in den Bergen noch zu ungenau ist. Schließlich wäre das Risiko zu groß, dass ein Skifahrer – der blind auf das Navi vertraut – über einen Abhang springt. Dass immer mehr Technik in den Tourismus einzieht, zeigte im Jänner auch die Ausstellerliste auf dem Hotelierkongress der Österreichischen Hoteliervereinigung in Kitzbühel, die nur so von Technologieanbietern wimmelte. Marius Donhauser, selbst ein Hotelier, ist mit einem Puppenhaus zum ÖHV-Kongress angereist.

Arbeit per Scan

Seine vor zwei Jahren gegründete Firma "hotelkit" bietet eine Art Facebook für Hotels, über das alle Mitarbeiter auf dem Laufenden gehalten werden. Donhauser: "In der Branche gibt es eine hohe Fluktuation, viele Mitarbeiter haben keine eigene Mailadresse, Abstimmungen sind schwierig." Abhilfe bringt die Technik, veranschaulicht er mithilfe seines Puppenhauses. So scannt der Haustechniker mit dem Smartphone einen Punkt im Gästezimmer und bekommt ausgewiesen, was in dem Raum zu reparieren ist. Erledigtes wird digital abgehakt.

Am Smartphone von Burgschwaiger sind in der Zwischenzeit zig Meldungen über das Intranet aufgepoppt. Kaffee ist bestellt, Parkplatzprobleme wurden behoben und so weiter. Ruhiger geht es nur in den zwei Monaten zu, in denen das Hotel geschlossen ist. "Da haben wir an den Wochenenden sogar die Anrufe an ein Callcenter in Niederösterreich ausgelagert", sagt der Salzburger Hotelier. Der Gast merkt das nicht. Eine Dame im Callcenter erklärt professionell, dass ihre Kollegin sich am Montag persönlich wegen der Reservierung melden wird.