Wirtschaft
15.01.2018

Europas Airbus hängt US-Konkurrenten Boeing ab

Airbus hat 2017 mehr Aufträge als Boeing ergattert. Problemlos läuft es aber trotzdem nicht.

Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus hat seinen größeren Rivalen Boeing bei den Flugzeugbestellungen 2017 abgehängt. Nach Abzug von Stornierungen verbuchte Airbus Aufträge über 1109 Verkehrsflugzeuge und damit 197 mehr als die US-Amerikaner. Mit 718 ausgelieferten Passagier- und Frachtjets gelang Airbus zudem eine neue eigene Bestmarke. Nur in einem Punkt mussten sich die Europäer den Amerikanern geschlagen geben: Mit 763 Auslieferungen blieb Boeing der weltgrößte Flugzeugbauer.

Im Herbst hatte die Airbus-Führung noch bezweifelt, die Marke von mehr als 700 ausgelieferten Jets überhaupt schaffen zu können. Denn der europäische Flugzeughersteller hatte mit Problemen seiner Zulieferer zu kämpfen.

Airbus erlebt im Verkauf derzeit aber nicht nur Höhenflüge. Ohne eine neue Bestellung der Golf-Airline Emirates steht der weltgrößte Passagierjet A380 nach Angaben von Airbus-Verkaufschef John Leahy vor dem Aus. "Ganz ehrlich: Wenn wir keinen Deal mit Emirates aushandeln können, gibt es glaube ich keine andere Wahl, als das Programm zu beenden." Er sei jedoch zuversichtlich, dass es doch noch zu einem Deal mit Emirates komme.

Großes Sorgenkind

Der A380 ist seit Jahren das Sorgenkind von Airbus, bei den Bestellungen herrscht Flaute. Der Flugzeugbauer fährt deshalb die Produktion zurück und hofft, die Durststrecke zu überstehen, bis das Interesse an dem Großraumflieger wieder anzieht. Großkundin Emirates hat mit 142 Jets fast die Hälfte aller jemals georderten A380 bestellt. Auf der Luftfahrtmesse in Dubai war im November eigentlich ein neuer Großauftrag für A380-Jets erwartet worden. Diesen hatte Emirates aber dann platzen lassen.

Ausgerechnet in dieser Situation geht der als "Mr. Airbus" bekannte Leahy von Bord. Er gilt als eine lebende Legende der Luftfahrtbranche. Seit 1994 leitet der US-Amerikaner den Verkauf der Airbus-Jets. Er wurde immer wieder als "Eine-Billion-Dollar-Mann" bezeichnet – die Aufträge, die er in mehr als 20 Jahren an Land gezogen hat, haben diesen Wert überschritten. Jetzt geht er in Pension. Leahys Nachfolger wird Ende Jänner der Rolls-Royce-Manager Eric Schulz.