Wirtschaft
24.10.2018

Europäische Wirtschaft erlitt Schwächeanfall

Einkaufsmanager-Index fällt im Oktober unerwartet deutlich. Exporte brummen nicht mehr.

Schwächelnde Exporte haben die Wirtschaft der Eurozone im Oktober so langsam wachsen lassen wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanager-Index für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - fiel um 1,4 Punkte auf 52,7 Zähler, wie das Forschungsinstitut IHS Markit am Mittwoch zu seiner Unternehmensumfrage mitteilte.

Noch stärker trübten sich die Geschäfte in Deutschland ein, wo das Barometer den schlechtesten Wert seit rund dreieinhalb Jahren anzeigte. Hier ging der Index um 2,3 auf 52,7 Punkte zurück. Werte oberhalb von 50 Zählern signalisieren Wachstum.

"Hauptgrund für die Abkühlung sind die geringeren Exporte", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Das führen zahlreiche Umfrageteilnehmer auf Handelskonflikte und Zölle zurück, die offensichtlich der globalen Konjunktur geschadet und für eine höhere Risikoaversion der Unternehmen gesorgt haben." Es sei keine Überraschung, dass die Abkühlung jetzt auch den Dienstleistungssektor erfasst habe. Frühindikatoren wie Geschäftsaussichten und Auftragseingänge signalisierten, dass die Dynamik in den nächsten Monaten weiter nachlassen könne.

Delle vertieft sich

"In der Eurozone wird die konjunkturelle Delle tiefer", sagte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. "Insbesondere Deutschland kommt stärker unter die Räder." Markit-Ökonom Phil Smith ergänzte: "Sämtliche Indizes signalisieren eine Abkühlung auf breiter Front, sowohl bei Produktion als auch bei Auftragseingang und Beschäftigung. Bemerkenswert sind vor allem die Auftragseinbußen in der Industrie, nachdem es hier fast vier Jahre lang ununterbrochen Zuwächse gegeben hat."

Flaute herrsche unter anderem im Automobilsektor, der Probleme mit der Umstellung auf den neuen Abgasstandard WLTP hat. Einige Autobauer mussten deshalb die Produktion drosseln. "Doch diese Probleme sollten im vierten Quartal weitgehend behoben sein und die Wirtschaft in Deutschland wieder zum Wirtschaftswachstum im Euroraum beitragen", gab sich Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil optimistisch.

Ob die Währungsunion wieder Fuß fasst, halten viele Experten noch nicht für ausgemacht. "Die Industrie entwickelt sich angesichts des andauernden globalen Handelskonfliktes zunehmend zum Bremsklotz", sagte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. "Noch stabilisieren die Binnennachfrage und damit ein robuster Dienstleistungssektor die Konjunktur." Mittelfristig dürften sich aber eine geringere internationale Nachfrage und skeptischere Geschäftsaussichten auch am Arbeitsmarkt bemerkbar machen und damit die Binnennachfrage belasten.