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AUA-Tyrolean
09/11/2014

EuGH-Urteil: Alternativ-Szenarien für die AUA

Falls Verhandlungen über KV wieder scheitern - Redimensionierung, Billig-Airline, Leih-Piloten?

von Andrea Hodoschek

Der Pilotversuch, den die Lufthansa 2012 bei ihrer damals konkursreifen Österreich-Tochter AUA starten ließ, ging gewaltig schief. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied am Donnerstag: Der Kollektivvertrag (KV) für die rund 1900 AUA-Piloten und Flugbegleiter, den Chef Jaan Albrecht kündigte, wirkt nach. Bis ein neuer KV in Kraft tritt.

Juristisch dürfte der Streit erst im Frühjahr 2015 ausjudiziert sein. Jetzt muss der Oberste Gerichtshof, der den EuGH angerufen hatte, entscheiden. Außerdem läuft ein zweiter Rechtsstreit vor dem Oberlandesgericht Wien, ob der Betriebsübergang auf die Tyrolean rechtens war. Mehr als 600 fliegende Mitarbeiter klagten ihre alten Ansprüche ein und gewannen in der ersten Instanz.

Hohe Mehrkosten

Scheitern die Verhandlungen über einen neuen KV, kommen auf die AUA hohe Mehrkosten zu. Die AUA-Bordcrews haben aus dem alten KV Ansprüche auf eine Leistungspension, Abfertigungen und Jubiläumsgelder, die sich auf bis zu 100 Millionen Euro summieren. Pro lang gedientem Pilot drohen Rückstellungen zwischen 300.000 und 400.000 Euro. Bei den Flugbegleitern von 12.000 bis 100.000 Euro.

Summen, die sich die AUA, die erst im Juni Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe bildete, nicht leisten kann. Auch wenn AUA-Sprecher Peter Thier betonte, die AUA sei nicht konkursgefährdet, sondern "wirtschaftlich stabil". Der schmale operative Gewinn hat sich auf Grund der politischen Krisen weiter verringert. Sowohl Vorstand als auch Betriebsrat betonen jetzt eindringlich die Notwendigkeit einer Verhandlungslösung.

Plan B

Am Donnerstag tagte auch der Aufsichtsrat der AUA, in dem die Bord-Betriebsräte nicht mehr vertreten sind. Die Aufseher der Mutter Lufthansa wollen sich gegen ein neuerliches Scheitern der Gespräche absichern. Der Vorstand startet daher parallel zu den Verhandlungen die Ausarbeitung von Alternativ-Szenarien. Diese müssen bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung Anfang Oktober präsentiert werden.

Bis dato hatte das Management keinen Plan B. Alle neuen Szenarien aber würden für die AUA nichts Gutes bedeuten. Anzunehmen, dass die Lufthansa ihrer rotweißroten Tochter sofort ein weiteres, drastisches Sparpaket verordnet. Und die AUA deutlich verkleinert. Was den Verlust von Arbeitsplätzen und die Streichung von Strecken bedeutet.

Durchaus realistisch ist auch, dass die AUA in das neue Billig-Konzept "Wings" von Lufthansa-Chef Carsten Spohr integriert werden könnte. Und dass die AUA künftig wie Konkurrent Niki (Air Berlin) Leih-Crews anheuert, die bei einer Personalleasing-Firma angestellt sind. Die AUA konkurriere am Standort Wien mit Airlines, die mit günstigeren Konzepten wie Leiharbeitsmodellen und grundsätzlich ohne KV arbeiten, sagte Albrecht in Richtung Niki. Der Richterspruch mache es nicht leicht, dass sich die AUA als Qualitätsairline behaupten könne. Expansionspläne und Investitionen sind derzeit ohnehin auf Eis gelegt.

Das Höchsturteil stärkt den Belegschaftsvertretern den Rücken. Bord-Betriebsratschef Karl Minhard spricht von einem für alle Arbeitnehmer in Österreich "relevanten Urteil". Er hält eine Einigung in den nächsten Monaten durchaus für möglich. Die Gespräche seien jetzt einfacher, weil rechtlich Klarheit herrsche.

Geld, Energie und Zeit vergeudet

Arbeitskämpfe vor Gericht auszutragen, ist meistens nicht hilfreich. Wie sich am Beispiel der AUA zeigt. Chef Jaan Albrecht spielte trotz vieler Warnungen den wilden Hund, die Belegschaftsvertreter schalteten auf stur. Anstatt den Sanierungskurs durch einen vernünftigen, neuen Kollektivvertrag nachhaltig abzusichern, war zwei Jahre lang alles blockiert.

Ein guter Manager muss in der Lage sein, die Belegschaft von der Notwendigkeit von Reformen zu überzeugen. Und die Besitzstandsbewahrer – damit sind keineswegs alle Piloten pauschal gemeint – müssen endlich erkennen, dass sich die Welt über den Wolken geändert hat. Was nützt es, wohlerworbene Rechte bis auf den letzten Cent einzuklagen, wenn das Unternehmen, das diese Ansprüche erfüllen soll, vielleicht gar nicht mehr existiert.

Der nächste Lufthanseat im Vorstand der AUA

Eh klar, dass die Lufthansa keinen Österreicher in den Vorstand der AUA setzen würde. Mit 1. Oktober zieht der gebürtige Düsseldorfer Andreas Otto, 51, als Chief Commercial Officer (CCO) bei der AUA ein (mehr dazu). Otto, gelernter Bankkaufmann und Vater eines Sohnes, ist seit 2000 im Vorstand der Lufthansa Cargo, der Frachtsparte des deutschen Kranich.

Harry Hohmeister, AUA-Aufsichtsratspräsident und Chef der Schwester-Airline Swiss, sieht die Neubesetzung als „klares Bekenntnis zur Weiterentwicklung der AUA als Qualitätsairline am Standort Wien“. Der bisherige Vertriebsvorstand Karsten Benz geht wieder nach Frankfurt zurück.

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