Eine Halbleiter-Produktion

Halbleiter-Produktion.

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
04/29/2021

EU plant Halbleiter-Allianz gegen Chip-Mangel

EU-Binnenmarkt-Kommissar Breton traf sich mit dem deutschen Wirtschaftsminister Altmaier.

Die EuropĂ€ische Union hegt EU-Insidern zufolge PlĂ€ne fĂŒr eine Chip-Allianz mit den heimischen BranchengrĂ¶ĂŸen STMicroelectronics, NXP, Infineon und ASML, um die AbhĂ€ngigkeit von asiatischen Herstellern zu reduzieren. EU-Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton traf sich am Donnerstag in Berlin mit dem deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

"Um vorne zu sein und nicht hinterherzulaufen, muss die Industrie in der EU bei digitalen Technologien wie Halbleitern, der Cloud, Quantentechnologie und Batterien schnell und ambitioniert handeln", twitterte Breton nach dem Treffen. 22 EU-Mitgliedstaaten unterstĂŒtzten seine Initiative fĂŒr den Ausbau lokaler Produktion.

Knappheit

Die Chip-Industrie ist aus KostengrĂŒnden fast vollstĂ€ndig nach Asien abgewandert. Autobauer und andere Industriekonzerne Ă€chzen derzeit unter der Halbleiter-Knappheit, die den erhofften Aufschwung nach der Corona-Pandemie zu bremsen droht. Mit einer europĂ€ischen Chip-Allianz ließe sich das kĂŒnftig nach Ansicht der EU verhindern. Vier EU-Insider sagten, ein solches Vorhaben könne zum offiziellen EU-Förderprojekt (IPCEI) erklĂ€rt werden, was staatliche ZuschĂŒsse und VergĂŒnstigungen erleichtern wĂŒrde und eine Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen ohne KartellprĂŒfung ermögliche. Die PlĂ€ne seien aber noch in einem frĂŒhen Stadium.

Die niederlĂ€ndische ASML bestĂ€tigte GesprĂ€che unter Leitung von Breton. STMicro und NXP wollten sich nicht Ă€ußern, Infineon war fĂŒr eine Stellungnahme zunĂ€chst nicht erreichbar.

EU-Industriestrategie

Breton hat das Ziel ausgegeben, den Anteil der EU am weltweiten Halbleiter-Markt bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln. Das ließe sich auch mit dem Bau einer Fabrik durch einen der außereuropĂ€ischen Chip-Riesen bewerkstelligen. Breton trifft sich am Freitag mit Intel-Chef Pat Gelsinger und tauscht sich in einer Videokonferenz mit der Europa-Chefin der taiwanischen TSMC, Maria Marced, aus. Laut Diplomaten hat TSMC einer neuen Fabrik in Europa aber bereits eine Absage erteilt.

In EU-Kreisen stĂ¶ĂŸt die Idee einer Chip-Fabrik in HĂ€nden eines amerikanischen oder asiatischen Konzerns aber ohnehin auf Missfallen. "Wenn wir den europĂ€ischen Unternehmen auf die FĂŒĂŸe treten, glaube ich nicht, dass das unserer UnabhĂ€ngigkeit etwas nutzt", sagte ein französischer Beamter. Drei andere Mitarbeiter sagten, eine Partnerschaft unter Einschluss europĂ€ischer Chip-Hersteller wĂ€re eine bessere Alternative. Zudem sei die Frage, ob es in der EU ohne Smartphone-Hersteller ĂŒberhaupt genĂŒgend Abnehmer fĂŒr die zusĂ€tzliche KapazitĂ€t gebe. Andere kritisieren Breton als Protektionisten und sehen keine Notwendigkeit fĂŒr eine strategische Autonomie Europas.

Breton will die neue EU-Industriestrategie, die sich vor allem mit Chips befassen soll, am 5. Mai zusammen mit Digital-Kommissarin Margrethe Vestager vorstellen.

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