Wirtschaft 25.01.2018

EU-Millionen für Wiener Biotech-Schmiede

Forschungslabor bei Apeiron im Campus Vienna Biocenter © Bild: Martin Steiger

Apeiron Biologics will mit 25-Millionen-Euro-Kredit die Labors erweitern und zehn zusätzliche Forscher einstellen.

Die so genannte Immuntherapie gilt als große Hoffnung in der Krebsforschung. Statt Krebszellen direkt zu bekämpfen, setzt die Immuntherapie auf die Stärkung des eigenen Immunsystems. Dabei werden körpereigene Zellen entnommen, speziell behandelt und innerhalb eines Tages wieder eingesetzt. Im Idealfall ohne Nebenwirkungen für den Patienten, dessen Immunsystem wieder so stark ist, die Krebszellen selbst zu entlarven und zu bekämpfen.

"Unser Ziel ist es, aus der tödlichen Krankheit Krebs eine chronische zu machen", erläutert Hans Loibner, Vorstandschef der Wiener Biotechschmiede Apeiron Biologics AG bei einem Laborbesuch des KURIER. Die 2005 vom Molekularbiologen Josef Penninger gegründete Firma erforscht und entwickelt derzeit Immuntherapien gegen Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs. Die ersten Anwendungen bei Patienten in der klinischen Phase 1-Forschung finden gerade in den USA statt, in die Phase 2 soll auch das Wiener AKH eingebunden werden. Loibner hofft auf eine Marktreife in fünf bis sechs Jahren. Nähere Infos zum Programm siehe hier.

Im Labor von Apeiron
Apeiron-Labor © Bild: Martin Steiger

Bis dahin muss Apeiron das hochriskante Projekt finanziell selbst stemmen. "Allein die Maschine, die wir zur Zellbehandlung benötigen, kostet 250.000 bis 300.000 Euro", erzählt Loibner. Weil noch kein Gewinn da sei, würden die Banken keinen Kredit gewähren.

Juncker-Plan

Jetzt springt die EU als Kreditgeber ein. Apeiron erhält ein Darlehen von 25 Millionen Euro aus dem so genannten "Juncker-Plan", dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI). Es ist eines von neun Großprojekten in Österreich, die aus Mitteln des Fonds unterstützt werden. Neben Apeiron erhielten etwa auch der Energiepark Bruck/Leitha oder die ÖBB EFSI-Gelder.

Loibner will die EU-Millionen dafür verwenden, die Laborausstattung zu verbessern und bis zu zehn zusätzliche Forscher einzustellen. Bisher beschäftigt Apeiron 45 Mitarbeiter. "Wir stoßen an unsere Kapazitätsgrenzen und überlegen auch eine Übersiedelung der Labors", ergänzt Finanzchef Peter Llewellyn-Davies. Der Standort soll aber am Campus Vienna Biocenter bleiben.

Börsepläne

Strategisch setzt Apeiron auf mehrere Entwicklungsprogramme im Bereich Immuntherapie. Einen ersten Erfolg brachte im Vorjahr die EU-weite Zulassung für eine neue Therapie gegen bösartige Tumorerkrankungen bei Kindern, die unter anderem mit Experten des St. Anna Kinderspitals in Wien entwickelt wurde. Weitere Investoren werden noch gesucht, auch einen Börsegang schließt Llewellyn-Davies nicht aus: "Das steht als Option im Raum, mit wenig Geld kommt man nicht nach vorne." Auf einen Börseplatz will er sich noch nicht festlegen.

( kurier.at ) Erstellt am 25.01.2018