Wirtschaft
16.01.2018

Etappensiege für Hoteliers, aber "gejodelt wird beim Heimgehen"

Gute Stimmung, viele Versprechen, oft gehörte Forderungen sowie Klagen über Kosten für Mitarbeiter.

Im neuen Regierungsprogramm sind dem Thema Tourismus ganze vier (von 179) Seiten gewidmet – ein Etappensieg verglichen mit den paar Zeilen im letzten Programm. Zudem waren die Lobbyisten der Branche erfolgreich. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Übernachten wird zurückgenommen. Voraussichtlich mit Start in die nächste Wintersaison sinkt der Satz wieder von 13 auf zehn Prozent.

Ein Grund zur Zufriedenheit? Für Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), mitnichten. "Gejodelt wird beim Heimgehen, also erst dann, wenn alles nach Plan umgesetzt ist", sagt sie bei der Eröffnungsfeier des 25. ÖHV-Kongresses diese Woche in Wien. Der dafür angemietete Veranstaltungsbereich im Allianz Stadion ist überfüllt. Ein Herr wirft fast die Nerven weg, weil ihn mehrmals Besucher den Blick zur Bühne verstellen. Dort spricht Kanzler Sebastian Kurz über die große Bedeutung des Tourismus für die Österreichische Volkswirtschaft. Dafür wird ihm applaudiert.

Selfies mit Kurz

Nach seiner Rede steht Kurz mit Dutzenden Menschen jeder Altersklasse vor der Bühne, die alle das gleiche von ihm wollen. Kein Gespräch, sondern ein Selfie. Nach außen hin alles eitle Wonne, Sonnenschein.

Auch als tags darauf die neue Tourismusministerin Elisabeth Köstinger verspricht, dass sie für den Entlastung des Sektors kämpfen werde. Klagen über überbordende Auflagen, Kontrollen und ausufernde Strafen ist Köstinger aus ihrer Arbeit im Landwirtschaftssektor gewöhnt. Jetzt ist der Tourismus vom Wirtschaftsministerium ins neue Nachhaltigkeitsministerium gewandert, was bei den meisten Hoteliers gut ankommt. Schließlich hätten Landwirtschaft und Tourismus ähnliche Themen, so der Grundtenor.

Was bleibt, ist die alte Forderung nach einer Lohnkostensenkung. Zwischen 2008 und 2016 sind die Mitarbeiterkosten im Tourismus um jährlich durchschnittlich 5,6 Prozent gestiegen, bei einer durchschnittlichen Inflation von 1,7 Prozent, geht aus einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstitus (WIfo) hervor.

"Die Kosten sind einfach überproportional zu den Erlösen gestiegen", klagte die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer. In der EU erhöhten sich die Personalkosten im Untersuchungszeitraum im Schnitt um nur 1,8 Prozent pro Jahr, bei einer Inflation von europaweit 1,4 Prozent, so die Studie, die von der ÖHV in Auftrag gegeben wurde. Nur in Belgien, Dänemark, Schweden, Finnland und Italien seien die Personalkosten noch höher.