© Wein & Co/LALO JODLBAUER

Weinmarkt Österreich
12/25/2020

„Es wird mehr Roséwein getrunken“

Wein & Co-Chef Willi Klinger erklärt, warum die großen Megastores keine Zukunft haben

von Andreas Anzenberger

Dreizehn Jahre war Willi Klinger Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing. Die ÖWM ist die Service- und Marketinggesellschaft der österreichischen Weinwirtschaft. Seit Jänner 2020 ist Klinger Geschäftsführer von Wein & Co.

KURIER: Der neue Job bei Wein & Co ist doch eine Rückkehr zu einem Unternehmen, für das Sie schon früher gearbeitet haben.

Willi Klinger: Ich bin stolz, dass man mir diese Aufgabe übertragen hat. Ich bin 64 und könnte daher bald in Pension gehen. Und dann kam das Angebot, zurück ins Handelsgeschäft zu gehen. Ich habe mich darauf gefreut. Ich war ja der Geschäftsführer von Wein & Co in den Gründungsjahren 1993 bis 1995. Dreizehn Jahre Weinmarketing waren eine schöne Aufgabe, aber ich wollte noch einmal zurück in den Handel.

Hat sich das Kaufverhalten geändert?

In Österreich wird immer schon sehr viel Wein aus Österreich getrunken. In der Gastronomie ist der Anteil an österreichischem Wein immer schon sehr hoch gewesen. Beim Heimkonsum ist der Anteil an Wein aus Österreich wohl noch einmal gestiegen.

Sind die Konsumenten bereit, mehr Geld für eine Flasche Wein auszugeben?

Wein hat heute in der Gesellschaft einen viel höheren Stellenwert. Daher geben die Leute heutzutage viel mehr Geld für eine Flasche Wein aus als noch vor 10 oder 20 Jahren. Das hat auch mit dem Aufstieg des österreichischen Rotweins zu tun. Es gibt nach wie vor einen leichten Überhang bei Weißwein. Im Winter wird mehr Rotwein getrunken und im Sommer mehr Weißwein. Auffällig ist, dass seit ein paar Jahren immer mehr Roséwein getrunken wird. Roséwein ist heute ein wichtigeres Thema als noch vor fünf Jahren.

Zu Silvester wird deutlich mehr Sekt verkauft. Ist das bei Wein & Co auch so?

Ja. Die Schaumweinumsätze steigen. Nicht nur im letzten Quartal, sondern während des gesamten Jahres. Österreich hat mit der Sektpyramide einen klaren Herkunftsschutz beim Sekt erreicht. Aber die Einteilung in die Qualitätsstufen Klassik, Reserve und Große Reserve ist noch nicht bei allen Konsumenten angekommen. Deshalb arbeiten wir bei der Kommunikation dieses Themas offensiv mit.

Gab es Umstrukturierungen bei Wein & Co?

Ich musste dem Unternehmen nichts über österreichischen Wein erklären. Wir haben sehr gute Experten. Das Angebot wurde lediglich punktuell verändert wie etwa bei Weinen aus dem Burgund oder der Toskana. Da geht es eher um das Hochpreissegment. Der Feinkostsektor wurde reformiert. Wir haben eine Nudel- und Olivenöloffensive gestartet. Kroatien ist der wichtigste Newcomer mit Spitzenqualität beim Olivenöl. Ich habe mich auch in der Kommunikation stark engagiert. Man erwartet von mir, dass ich das Gesicht von Wein & Co bin und das Unternehmen repräsentierte.

Warum wurden Shops umgebaut?

Megastores sind nicht das richtige Rezept, weil die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Mieten nicht verdient werden können. Der Shop am Wiener Naschmarkt wurde zurückgebaut. Auch in der Mariahilferstrasse wurde der Gastronomiebereich verkleinert. Der Shop macht trotzdem die gleichen Umsätze wie vorher. Die Zukunft ist eher die nette kleine Weinbar, deren Personal auch im Shop einsetzbar ist. Den Flagship-Store mit Weinrestaurant in der Jasomirgottstraße (1. Bezirk in Wien) möchten wir auch in Zukunft behalten.

Wie läuft es bei den Spirituosen?

Wir haben nicht das gleiche Spirituosensortiment, das im Supermarkt angeboten wird, sondern spezielle Produkte von österreichischen Brennern und aus dem Ausland. Das ist ein ergänzendes Sortiment zu unserem Weinangebot.

Wie sehen Sie das Entwicklungspotenzial von Wein aus Österreich?

In den vergangenen Jahren gab es einen Trend zu starken Marken. Ein typisches Beispiel dafür ist das Weingut Scheiblhofer (Andau, Burgenland). Es gibt viele individuelle Weine für Leute, die sich vom Mainstream absetzen wollen.

Gibt es eine Preisgrenze ab der es schwer wird, Wein zu verkaufen?

Der Durchschnittspreis der Weine, die bei uns verkauft werden liegt zwischen 13 und 14 Euro. Das ist deutlich mehr als im Supermarkt. Auch der Lebensmittelhandel hat bei Wein dazugelernt. Wir sind besonders stark bei 10 bis 60 Euro, was für die Top-Winzer wichtig ist. Die wollen ja nicht nur ihre Einstiegsweine verkaufen. Gerade bei höherpreisigen Weinen haben wir heuer viele Preise gesenkt. Früher wurden die Weine oft hochpreisig angesetzt und dann mit hohen Rabatten verkauft. Das Topsegment ist natürlich auch den Winzern ein Anliegen. Wir haben sehr viel Rabatte herausgenommen und setzen auf eine seriöse Preispolitik.

Es wurde früher mehrmals über eine Expansion ins Ausland gesprochen. Gibt es solche Pläne?

Wir werden frühestens 2022 mit der Internationalisierung der Marke beginnen. Dabei bietet sich Deutschland an, wo wir mit unserer Muttergesellschaft Hawesko (Hanseatisches Wein und Sektkontor) eine strategische Basis haben.

Wie viele Filialen gibt es aktuell und wie hoch ist der Umsatz?

Wir haben 21 Filialen. Der Umsatz beträgt ungefähr 40 Millionen Euro netto.

Wie hat sich das Geschäft bei Wein & Co entwickelt? Wir haben Mitte Dezember die Umsatzausfälle wettmachen können. Beim Onlinehandel gab es ein Plus von 60 Prozent. Wir sind von den Lesern des Falstaff zum besten Weinhändler und zum besten Online-Weinhändler gewählt worden. Darauf werden wir zu Silvester individuell anstoßen.

Wird mehr getrunken?

Das glaube ich nicht. Der Gesamtkuchen ist nicht größer geworden. Die Aufteilung hat sich verändert.

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