Das gab es noch nie: Erstmals eine Frau an der Spitze der OMV

Die irische BP-Managerin und Öl-Expertin Emma Delaney, 52, soll ab 1. September die Nachfolge von Alfred Stern als CEO antreten. Sie wird auf drei Jahre bestellt.
Eine lächelnde Frau mit Mikrofon und hellem Blazer steht an einem Tisch, während eine andere Person in Pink daneben steht.

Lange hat die Suche gedauert. Am Freitag beschloss der Präsidial- und Nominierungsausschuss des OMV-Aufsichtsrates, dem Plenum Emma Delaney zur Bestellung zur Vorstandsvorsitzenden und CEO zu empfehlen. Stark anzunehmen, dass der Gesamt-Aufsichtsrat sich an die Empfehlung halten wird. Damit gelangt erstmals eine Frau an die Spitze von Österreichs größtem Industrieunternehmen. Sie wird auch die einzige Vorstandsvorsitzende eines ATX-Unternehmens.

30 Jahre Branchenerfahrung

Emma Delaney, eine irische Staatsbürgerin, ist keine politische Bestellung. Lange war auch über österreichische Kandidaten und die Favoriten diverser Lager spekuliert worden. Aber vor allem der Großaktionär Adnoc wollte eine Führungskraft mit internationaler Erfahrung. 

Delaney sei eine ausgewiesene Energie-Expertin, langjähriges Mitglied des Top-Managements von BP und verfüge über drei Jahrzehnte einschlägige Berufserfahrung. In ihrer derzeitigen Funktion als Bereichsvorstand von einem der drei weltweit agierenden Geschäftsbereiche von BP leitet sie eine Organisation mit mehr als 50.000 Mitarbeitenden in etwa 50 Ländern und ist unter anderem verantwortlich für die Bereiche Kraftstoffe und Biokraftstoffe, die Industrie- und Fahrzeugschmierstoffherstellung sowie Luftfahrkraftstoffe und E-Mobilität, begründet der Ausschuss die Entscheidung. Emma Delaney bringe profunde Kenntnisse im Up- und Downstream sowie LNG-Geschäft mit. Mit diesen Erfahrungen sei sie aus dem internationalen Suchprozess als die bestgeeignete Kandidatin hervorgegangen.

Deutschkenntnisse

Delaney soll auf drei Jahre bestellt werden mit einer Verlängerungsmöglichkeit auf zwei Jahre. Die Top-Managerin und zweifache Mutter spricht fließend Deutsch. Kenntnisse der deutschen Sprache waren Bedingung. Die derzeit in London lebende Managerin spricht außerdem lautihrer Linkedin-Seite noch Französisch, Indonesisch und hat Grundkenntnisse in Mandarin. 

Noch-OMV-Chef Alfred Stern hatte bereits im Mai 2025 bekannt gegeben, dass er seinen mit Ende August 2026 auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern möchte. Als Headhunter für die Nachfolge-Suche wurde Heidrick & Struggles beauftragt. Nach der Abspaltung der Chemie- und Kunststoff-Tochter Borealis in die Borouge Group International (BGI)  ist die OMV hauptsächlich ein Öl- und Gas-Konzern. Dafür ist Delaney genau die richtige Wahl. Stern dagegen ist ein Chemie-Experte und geht in den Aufsichtsrat des neuen Chemie- und Kunststoffkonzerns BGI. 

Während die OMV in ihrem Konzernvorstand in den vergangenen Jahren weniger Glück mit Frauen hatte, steht eine Top-Managerin schon länger an der Spitze der wichtigsten Tochtergesellschaft. Die Schottin Christina Verchere leitet OMV-Petrom und stellt gerade das größte Gasförderprojekt Europas im Schwarzen Meer auf. Auch sie war zuvor bei BP, zuletzt als Regionalmanagerin für Asien.

Angst vor Leaks

Detail am Rande: Die Empfehlung des Nominierungsausschusses ist nicht ad-hoc-pflichtig, sondern nur die Entscheidung des gesamten Aufsichtsrates über die Bestellung. Die Staatsholding Öbag entschied sich aber dazu, um zu verhindern, dass neuerlich Informationen aus Eigentümerkreisen geleakt werden. Wie es zuletzt mit Namen bei der OMV- und Adnoc-Beteiligung Borouge International Group an den Boulevard passiert war.

Der OMV-Aufsichtsrat soll in seiner nächsten Sitzung auch über eine zweijährige Verlängerung von Finanzvorstand Reinhard Florey entscheiden.

ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hatten beide als politische Verantwortliche für den teilstaatlichen OMV-Konzern allerdings ein Auge auf die Bestellung. 

„Die OMV ist ein österreichischer Leitbetrieb mit internationaler Strahlkraft und zentraler Bedeutung für den heimischen Wirtschafts- und Industriestandort. Unser Anspruch ist es, die OMV als eines der führenden Energieunternehmen Europas weiterzuentwickeln und strategisch zu stärken. Die Nominierung von Emma Delaney zur neuen CEO ist ein starkes Signal in diese Richtung. Damit setzen die Verantwortlichen einen wichtigen Schritt, um die OMV in einem zunehmend anspruchsvollen globalen Umfeld erfolgreich zu positionieren. Wir freuen uns über diese Entscheidung und sehen die OMV damit für die Zukunft und kommende Herausforderungen sehr gut aufgestellt“, so Stocker und Hattmannsdorfer und weiter:

Eine Frau mit blonden Haaren lächelt in einem dunklen Blazer und einer hellen Bluse.

Emma Delaney.

„Emma Delaney verfügt durch ihre bisherigen Tätigkeiten unter anderem als Executive Vice-President der BP nicht nur über das notwendige Know-how, sondern auch über einschlägige internationale Erfahrung in der Branche. Wir sind überzeugt, dass sie als erste Frau an der Spitze der OMV diese mit dem notwendigen Weitblick für die Herausforderungen der Branche, aber vor allem auch mit dem gebührenden Fokus auf die österreichischen Interessen führen wird.“

OMV-Strategie

„Die OMV muss ihr Geschäft außerhalb Österreichs konsequent weiter ausbauen, unter anderem durch starke internationale Partnerschaften wie zuletzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Borouge International oder mit dem Neptun Deep Projekt in Rumänien. Auf der anderen Seite zeigt gerade die aktuelle Lage, wie wichtig die Rolle der OMV als Versorger und damit verbunden eine stärkere Versorgungsunabhängigkeit der OMV ist. Die konsequente Diversifizierung der Lieferbeziehungen hat ebenso zentrale Bedeutung wie der Ausbau eigener Rohstoff-Förderprojekte im In- und Ausland. Zusätzlich gilt es, den eingeschlagenen Weg im Chemie- und Kunststoffbereich weiter voranzutreiben. Als zuständiger Minister freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Frau Delaney und bin überzeugt, dass sie unserem Anspruch gerecht wird“, adressiert Hattmannsdorfer die klare Erwartungshaltung der Republik an die zukünftige CEO.

Porträt von Andrea Hodoschek, Autorin der Serie „Wirtschaft von Innen“.

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