OMV-Adnoc: Wolken über dem neuen Welt-Konzern
Borouge-Anlage in Abu Dhabi
Jahrelang wurde verhandelt, am Dienstag wurde der Mega-Deal formell vollzogen. Die teilstaatliche OMV und der Großaktionär Adnoc, staatlicher Ölkonzern von Abu Dhabi, fusionieren ihre Chemiesparten zum Giganten Borouge Group International (BGI). Die Zentrale ist ebenso wie der Steuersitz in Österreich.
Österreich erhält zweifellos einen Konzern von Weltrang und der sonst eher trocken formulierende Noch-OMV-Chef Alfred Stern übertreibt nicht, wenn er jubelt, „wir spielen da in der Welt mit“. Die Fusion macht grundsätzlich Sinn. Nicht nur für Adnoc, die OMV-Kunststoff-Tochter Borealis profitiert besonders davon.
Die auf Europa ausgerichtete Borealis hätte im Alleingang wenig Wachstumsperspektiven, schätzen Experten. Die operative Ertragskraft (Ebitda-Marge) lag zuletzt bei der ebenfalls hinein fusionierten nordamerikanischen Nova Chemicals bei rund 25 Prozent, für Borouge bei 45 Prozent, für Borealis allerdings bei nur 15 Prozent. Dafür ist Borealis in der neuen Gruppe in der Forschung und bei Patenten führend.
Borealis kann also künftig im Konzert der Weltkonzerne mitspielen ein. Polyolefine gehören zu den wichtigsten Kunststoffen weltweit, der breite Einsatzbereich der Granulate umfasst Automobilindustrie, Verpackungen, Konsum, Elektronik und Bau bis zu Haushaltswaren. Nur zwei chinesische Hersteller und Exxon (USA) sind derzeit noch größer als BGI.
Doch in der angespannten geopolitischen Lage sind einige Wolken über dem jungen Welt-Konzern aufgezogen. Einerseits der Iran-Krieg, Adnoc-Anlagen wurden bereits beschädigt, die Produktionsanlagen von Borouge sind in der gefährdeten Zone. Noch unklar ist, wie sich die Sperre der Straße von Hormus auf den Export der Granulate auswirkt. Niemand kann derzeit beurteilen, wie lange der Krieg dauern wird.
Zu optimistisch
Dazu kommt die schwache Chemie-Konjunktur, die Krise der Branche dauert bereits wesentlich länger an als erwartet. Die Entwicklung der Chemie-Industrie hängt direkt am Wachstum der Weltwirtschaft. Die ursprünglichen Prognosen stellen sich jetzt als etwas zu optimistisch heraus, beobachten Brancheninsider. Das bekommen die Aktionäre zu spüren. Die angekündigte großzügige Dividende von 500 Millionen US-Dollar, welche die BGI an die OMV ausschütten sollte, wird für 2026 auf 250 Millionen Dollar (217 Millionen Euro) halbiert. Für die OMV-Aktionäre wird sich die Dividende pro Aktie laut Berechnungen des Unternehmens um 0, 60 bis 0,70 Euro reduzieren.
Daher wird auch der noch für 2026 geplante Börsegang der BGI vorläufig auf 2027 verschoben. Es wird so schnell also nichts mit dem erwarteten Zweitlisting an der Wiener Börse. Geplant ist eine Kapitalerhöhung, bei der OMV und Adnoc nicht mitziehen, sodass ihre Anteile auf knapp 47 Prozent sinken sollen.
Bis dato hat die OMV keine Zahlen präsentiert, ob sich der gesamte Deal für das Unternehmen überhaupt noch so gut rechnet wie angenommen. Die OMV kalkulierte bisher mit Synergien von 500 Millionen Dollar, 75 Prozent davon in den ersten drei Jahren. Dass sich die Fusion aber grundsätzlich rechnet, wird in der Branche nicht bezweifelt.
Ein Wermutstropfen für die Alpenrepublik ist auch noch, dass sich an der Spitze des neuen Vorstands und des Aufsichtsrates wie berichtet keine Österreicher finden. Der starke Mann in der BGI ist Adnoc-CEO und Industrie-Minister Sultan Al Jaber als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Und CEO wird Roger Kearns, bisher Chef von Nova Chemicals.
Benko-Stiftung
Dieses Unternehmen gehörte dem Staatsfonds von Abu Dhabi, Mubadala, der vor Adnoc viele Jahre die OMV-Beteiligung hielt. Mubadala ist übrigens jener Fonds, der Benkos Signa Kredite über 700 Millionen Euro eingeräumt hatte und schaffte, was dem Insolvenzverwalter und Gläubigern nicht gelang.
Die Abu Dhabis schossen mit einem gewonnenen Schiedsgerichtsverfahren die Laura Privatstiftung sturmreif. Der Fonds kann seine Ansprüche gegen die Stiftung geltend machen, in der die Benkos große Teile des Privatvermögens bunkern.
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