Das lange Warten auf den neuen Chef der OMV

Aufsichtsrat - nach zehn Monaten haben ÖBAG und Adnoc immer noch keinen Nachfolger für Alfred Stern.
Andrea Hodoschek
Das lange Warten auf den neuen Chef der OMV

Die Zeit drängt mittlerweile. Österreichs größtes Industrie-Unternehmen droht bald in eine veritable Führungskrise zu schlittern. Immer noch hat der Aufsichtsrat des OMV-Konzerns keinen Nachfolger für Noch-CEO Alfred Stern gefunden.

Aktionäre, Stakeholder und die Belegschaft sind bereits einigermaßen verunsichert, hört man. Am 20. Mai 2025 teilte Alfred Stern, 61, überraschend mit, dass er seinen Vertrag als CEO nicht mehr verlängern werde. Stern hatte seinen Abschied deswegen so frühzeitig angekündigt, um eine ordnungsgemäße Hofübergabe zu gewährleisten.

FILE PHOTO: OMV press conference with results for 2024

Alfred Stern kündigte seinen Abgang frühzeitig an

Immerhin das erste Mal seit vielen Jahren, dass ein OMV-Chef ohne heftiges vorheriges Hauen und Stechen den Konzern verlässt.

Am 31. August 2026 läuft Sterns Vertrag ab, genügend Zeit, einen Nachfolger zu finden, würde man meinen. Immer wieder hieß es, die Entscheidung werde bald fallen. Namen kursierten und verschwanden wieder. Etwa Ex-Borealis-Chef Thomas Gangl oder der glücklose Ex-Lenzing-CEO Stefan Doboczky. Auch Christina Verchere, CEO der rumänischen OMV-Petrom, wurde als Kandidatin gehandelt. Mit der ersten Frau als OMV-Chefin dürfte es aber nichts werden, Verchere habe kein Interesse, wird intern kolportiert. Sie stellt gerade Europas größtes Gas-Projekt („Neptun Deep“) im Schwarzen Meer auf.

OMV-Aufsichtsratschef Lutz Feldmann sprach gegenüber Reuters von einer möglichen Entscheidung zu Jahresende 2025. Dadurch, dass Stern frühzeitig informiert habe, „stehen wir nicht unter Zeitdruck“.

Das trifft nicht mehr zu. Allgemein war erwartet worden, dass der Aufsichtsrat bei seiner Sitzung am Donnerstag den neuen CEO präsentiert – zehn Monate nach der Ankündigung von Stern. Aber wieder nix. Es ist nicht einfach, für ein Unternehmen in der Größenordnung der OMV einen Kandidaten zu finden, doch Brancheninsider wundern sich schon über diesen „unüblich langwierigen Suchprozess“.

Kein Seele-Comeback?

Wie man hört, soll der Headhunter Heidrick & Struggles noch einige Runden drehen. Die Staatsholding ÖBAG ist zwar mit 31,5 Prozent größter Aktionär, muss sich aber (wie auch in der Vergangenheit) laut dem Syndikatsvertrag mit dem 24,9 Prozent-Miteigentümer Adnoc (Abu Dhabi National Oil Company) über den CEO abstimmen. Die ÖBAG wollte dazu gegenüber dem KURIER keinen Kommentar abgeben.

Nur dem Vielarbeiter Stern, der nicht in den Abgangsmodus geschaltet hat, sondern sich im Gegenteil bis zu seinem letzten Arbeitstag engagieren will, sei es zu verdanken, dass die OMV trotz Iran-Krieg, Sparpaket und Neuausrichtung noch kein Führungsproblem hat, hört man aus dem Unternehmen.

Nach wie vor wird über Sterns berufliches Leben nach der OMV gerätselt. Er ist bereits im Board des US-Unternehmens Air Products. Im April soll er in den Aufsichtsrat des deutschen Agrarchemie- und Pharmakonzerns Bayer bestellt werden. Der Österreicher Paul Achleitner verlässt das Gremium nach 24 Jahren.

Quellen in Abu Dhabi berichten übrigens, dass Ex-OMV-Chef Rainer Seele nicht in den Aufsichtsrat der OMV einziehen dürfte. Grund seien die Wertberichtigungen von 2,47 Milliarden Euro für Seeles Russland-Engagement. Der Vertraute von Adnoc-CEO Sultan Al Jaber leitet in der Adnoc-Investmentgesellschaft XRG das Chemiegeschäft.

Daher wird bereits spekuliert, ob Stern an Bord der OMV bleiben könnte.

Börsegang verschoben

Der OMV-Aufsichtsrat befasste sich am Donnerstag auch mit der Gründung der Borouge Group International (BGI). Durch den Zusammenschluss der OMV-Tochter Borealis mit Borouge und der Übernahme von Nova Chemicals soll der viertgrößte Chemie- und Kunststoff-Konzern entstehen. Das Closing des milliardenschweren Deals ist für Ende März 2026 geplant, die Fortschritte verlaufen plangemäß. Der Börsegang von BGI wird aber auf 2927 verschoben.  

Darüber hinaus sei eine Anpassung der Dividende der BGI vereinbart worden. Die OMV erhält demnach für 2026 eine Ausschüttung in Höhe von 250 Mio. US-Dollar (217 Mio. Euro), statt der bisher angenommenen 500 Mio. US-Dollar. Die Auswirkung auf die OMV-Dividende beziffert das Unternehmen auf rund 0,6 bis 0,7 Euro je Anteilsschein.

Porträt von Andrea Hodoschek, Autorin der Serie „Wirtschaft von Innen“.

Kommentare