Übernahme von MediaMarkt: Österreich legt sich quer
Österreich legt sich bei der Übernahme von MediaMarkt durch den chinesischen Internet-Riesen JD.com quer und erteilte bis dato keine Freigabe für den Deal. „Hinsichtlich der investitionskontrollrechtlichen Freigabe in Österreich ist derzeit ungewiss, ob beziehungsweise wann die Freigabe erteilt wird“, teilte der MediaMarkt-Mutterkonzern Ceconomy in einer Aussendung mit.
Ceconomy und JD würden versuchen, in Gesprächen mit dem österreichischen Wirtschaftsministerium die Voraussetzungen für eine Freigabe der Übernahme zu erhalten. „Bisher versperrt sich die Behörde einer gemeinsamen Lösungsfindung“, heißt es in der Aussendung. Ceconomy betreibt in Österreich 56 MediaMarkt-Filialen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende September 2025) wurden mit 2.500 Mitarbeitern rund 1,3 Mrd. Euro umgesetzt, ein mageres Plus von 0,6 Prozent.
Genehmigungspflicht bei kritischer Infrastruktur
Die Investitionskontrolle sieht laut Homepage vor, dass der (teilweise oder vollständige) Erwerb österreichischer Unternehmen durch natürliche oder juristische Personen aus Drittstaaten (Staaten außerhalb EU, EWR, Schweiz) unter bestimmten Bedingungen einer Genehmigungspflicht unterliegt. Kontrolliert werden nur Erwerbe von Unternehmen in Bereichen der kritischen Infrastruktur, wobei diese Bereiche im Gesetz klar definiert sind. Geprüft wird, ob die geplante Transaktion zu einer Gefährdung der Sicherheit oder öffentlichen Ordnung führen kann.
MediaMarkt-Österreich-Chef Jan Niclas Brandt
Datenschutz wie Luft- und Raumfahrtindustrie
MediaMarkt-Österreich-Chef Jan Niclas Brandt kann die Bedenken zum Deal nicht nachvollziehen. „Mit den von JD.com und Ceconomy angebotenen Zusagen würde MediaMarkt künftig über eine Datenschutzrichtlinie verfügen, die einem Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie ähnelt. Damit gehen wir weit über das hinaus, was üblicherweise für ein Handelsunternehmen gilt.“
Ein Sprecher von JD.com verwies auf Zusagen des Konzerns zu Standorten, Arbeitsplätzen, Datenschutz und Unabhängigkeit des Managements. „Darüber hinaus hat JD.com der für Investitionskontrolle zuständigen österreichischen Behörde umfangreiche Maßnahmen angeboten, die über diese Zusagen hinausgehen“, hieß es in einer Stellungnahme. „JD.com glaubt fest an diese Partnerschaft für den europäischen Einzelhandel und wird weiterhin auf den Abschluss der Transaktion hinarbeiten.“
Italien und Frankreich bereits zugestimmt, Deutschland steht noch aus
In Italien und Frankreich lägen die Freigaben bereits vor. In Deutschland rechnet Ceconomy mit einer „zeitnahen Erteilung“. Die Kartellbehörden in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Polen, Spanien und der Türkei hätten der Übernahme ebenfalls bereits zugestimmt.
Wie berichtet will Ceconomy mit dem neuen chinesischen Eigentümer JD.com sein Online-Geschäft in Europa kräftig ausbauen und den Wachstumskurs beschleunigen. Profitieren will der deutsche Elektronikhändler vor allem vom Logistik- und Zustell-Knowhow der Chinesen, die in China jede Ware binnen 24 Stunden liefern könnten.
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