Was sich bei MediaMarkt jetzt ändert
Das klassische Weihnachtsgeschäft gibt es im Elektronikhandel lange nicht mehr. Gekauft wird dann, wenn es Rabattaktionen wie den „Black Friday“ gibt. Die immer extremere Schnäppchenjagd und allgemeine Kaufzurückhaltung bekam auch der heimische Platzhirsch MediaMarkt zu spüren. Das Weihnachtsgeschäft blieb auf dem Niveau des Vorjahres.
„Wir hatten uns mehr erhofft, dennoch sind wir mit der Entwicklung insgesamt zufrieden“, sagt Österreich-Chef Jan Niclas Brandt im Gespräch mit dem KURIER. Für das laufende Jahr ist er nicht zuletzt wegen zwei der Sportgroßereignisse Olympia und Fußball-WM zuversichtlicher.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende September 2025) setzte MediaMarkt in Österreich mit 2.400 Beschäftigten an 56 Standorten rund 1,3 Mrd. Euro um, ein mageres Plus von 0,6 Prozent.
Das Wachstum kam ausschließlich aus dem Online-Geschäft, während der stationäre Handel Rückgänge verzeichnete. „Wir sehen in ganz Europa einen sehr starken Channel-Shift vom stationären in den Online-Handel“, erläutert Brandt. In Österreich sei der Digital-Anteil mit 35 Prozent noch nicht so stark wie etwa in der Schweiz mit 55 Prozent. Dort geht der Online-Kuchen aber zum Großteil auf heimische Anbieter, während in Österreich zwei Drittel der Online-Umsätze ins Ausland abfließen.
Omnichannel-Strategie
Bei MediaMarkt selbst ist der Online-Anteil mit rund 30 Prozent noch ausbaufähig, wobei der Händler nicht seine stationären Geschäfte kannibalisieren möchte. Die Devise lautet daher „Omnichannel-Strategie“, also die Kunden sowohl online als auch stationär zu bedienen. „Wir haben einen deutlich steigenden Anteil von Online-Bestellungen, die in den Märkten abgeholt werden“, berichtet Brandt. Die Beratung vor Ort sei ein deutlicher Vorteil gegenüber reinen Online-Händlern, was gerade bei beratungsintensiven Elektronikgeräten wie TV-Geräten oder Weißware geschätzt werde. Auch der Reparaturdienst werde gut angenommen.
Zahl der XPress-Shops soll noch steigen
Um der wachsenden Online-Konkurrenz Paroli zu bieten, setzt MediaMarkt seit dem Vorjahr auf kleinere „XPress“-Shops, die vor allem als Abholshops für Online-Ware fungieren und wenig Personal benötigen. „Wenn wir einen Markt umbauen oder neu eröffnen, wachsen wir im Wesentlichen in Kleinformaten“, erläutert der Mediamarkt-Chef. In der Schweiz seien bereits die Hälfte der 44 Standorte XPpress-Shops, in Österreich sind es 8 von 56. Brandt schloss nicht aus, dass heuer weitere zwei bis drei hinzukommen könnten. Eine XPress-Filiale ist zwischen 700 und 800 m2 groß, während ein großer Standort auf 2.000 bis 3.000 m2 kommt.
Auf die Frage, ob auch Shops geschlossen werden könnten, antwortet Brand vorsichtig: „Wir entscheiden im normalen Geschäftsgang entsprechend über Standorte, also Schließungen, Umzüge oder Neueröffnungen. Aber es ist nicht so, dass unsere Standorte per se defizitär unterwegs sind.“ Um die großen Flächen zu bedienen, passt der Händler das Sortiment laufend der (regional unterschiedlichen) Nachfrage an und setzt auf Shop-in-Shop-Konzepte, neuerdings auch mit Hörgeräten. Große Ambitionen hat Brand auch mit dem im Vorjahr neu gestarteten Marktplatz, wo auch gebrauchte Elektronikgeräte angeboten werden.
Zum Wachstum verhelfen soll auch der neue chinesische Eigentümer JD.com. Der eCommerce-Riese übernahm im Vorjahr die Mehrheit an der MediaMarkt-Mutter Ceconomy und will mit vereinten Kräften Amazon und Alibaba in Europa die Stirn bieten. „JD verfügt über Technologie- und Logistik-Expertise in einem Umfang, den wir so nicht haben“, sagt Brandt. Die Chinesen kontrollieren die gesamte Lieferkette bis zur Zustellung zum Endkunden.
Im Dezember schnappte sich der chinesische eCommerce- und Logistik-Riese JD.com die Mehrheit (59,8 Prozent) an der MediaMarkt-Mutter Ceconomy. JD.com Inc., nicht zu verwechseln mit der britischen Marke JD Sports, wurde 1998 in Peking gegründet und zählt mit rund 700 Millionen Kunden neben Alibaba und der Temu-Mutter Pinduoduo zu den größten eCommerce-Konzernen Chinas. 2024 wurden rund 155 Milliarden Euro umgesetzt. Im gesamten JD-Ökosystem sind fast eine Million Menschen beschäftigt.
Das Unternehmen ist an der Nasdaq und in Hongkong gelistet und kombiniert Online-Handel, Logistik, digitale Services und neue Geschäftsbereiche wie Lebensmittellieferungen unter einem Dach. Um sich von Partnern unabhängig zu machen, kontrolliert JD.com also die gesamte Lieferkette bis zum Endkonsumenten.
Plattform Joybuy auf Expansionskurs
Die Auslandsexpansion läuft vor allem über die eCommerce-Plattform Joybuy, die in Europa etabliert werden soll. In Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden ist der Online-Händler, der im Gegensatz zu Shein oder Temu auf höherwertigere Produkte setzt, im Vorjahr gestartet.
Die Mediamarkt-Übernahme öffnet JD.com ein Netzwerk von mehr als 1.000 Geschäften in elf europäischen Ländern mit 50.000 Beschäftigten. Damit können die Chinesen ihre Omnichannel-Strategie mit lokalem Kundenzugang breit ausrollen. Laut Österreich-Chef Brandt werden MediaMarkt und Joybuy mit unabhängigen Angeboten am Markt vertreten sein.
Der Deal harrt der Genehmigungen der Kartellbehörden, bis dahin werde man normal weiterarbeiten. „Es gibt eine Vereinbarung, wonach es in den nächsten drei Jahren keine Änderungen an der Unternehmensstruktur von MediaMarkt geben wird. Auch der Name bleibt“, so Brandt.
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