JD.com übernimmt Mediamarkt: "Machen Europa zu unserer Top-Priorität"

Der Konzern aus China übernimmt Mediamarkt-Mutter Ceconomy. JD.com-Worldwide CEO Jack Li spricht über Pläne für die Elektromarkt-Kette und den Onlineshop Joybuy, den er in Europa aufbaut.
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Der chinesische Konzern JD.com expandiert in großem Maß nach Europa. Neben der Übernahme der Mediamarkt-Mutter Ceconomy öffnet nun die eCommerce-Plattform des Konzerns, Joybuy, in mehreren europäischen Märkten ihre digitalen Türen. Der KURIER hat mit Jack Li, CEO von JD.com-Worldwide, über die Expansion gesprochen.

KURIER: Was macht Ceconomy und Mediamarkt für JD.com so interessant?

Jack Li: Wir halten Mediamarkt für eine großartige Marke, die in Europa eine breite Präsenz im Handel hat. Gleichzeitig ist Mediamarkt dabei, das eigene Online-Geschäft auszubauen. Deswegen wollen wir in Mediamarkt investieren. Wir glauben fest an die Verbindung von Online- und Offlineangeboten.

Wie läuft die Übernahme?

Wir freuen uns, dass die Aktionäre das Angebot mehrheitlich angenommen haben. Momentan laufen die behördlichen Genehmigungen in mehreren europäischen Staaten. Derzeit befinden wir uns im Prozess der FDI-Genehmigungen, also ausländischer Direktinvestitionen. Wir haben in Frankreich und Italien bereits die Freigaben erhalten. In einigen Ländern läuft der Prozess noch, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass die Transaktion in der ersten Hälfte dieses Jahres abgeschlossen sein wird.

Ein Mann im dunklen Anzug mit weißem Hemd und blauer Krawatte steht vor grauem Hintergrund.

Jack Shuai Li, Geschäftsführer von JD.com International und Senior Vice President der JD Group

Welche Änderungen sind für Mediamarkt geplant?

Wir sehen für Mediamarkt sehr gute Wachstumsmöglichkeiten. Die gesamtwirtschaftliche Situation ist herausfordernd, aber das Einkaufsverhalten verändert sich immer mehr. Es ist entscheidend, digitale und physische Einkaufskanäle zu kombinieren. Wir haben sehr viel Know-how in den Bereichen Technologie und Logistik. Damit möchten wir Mediamarkt unterstützen, in Zukunft eine echte Omnichannel-Strategie umzusetzen.

Wie werden sich die Änderungen auf die Anzahl der Filialen auswirken?

Wir haben die Transaktion noch nicht abgeschlossen, aber generell gibt es keine Pläne, das Filialportfolio zu verändern. Die Intention hinter unserer Investition ist natürlich, das Geschäft auszubauen. Bei der Unterzeichnung der strategischen Partnerschaft im letzten Jahr war es dem Mediamarkt-Management sehr wichtig, die Belegschaft unverändert beizubehalten, was wir voll und ganz unterstützen.

Sie wollen auch den Mediamarkt-Onlineshop weiterführen. Steht dieser nicht in Konkurrenz mit Ihrem eCommerce-Shop Joybuy, der kürzlich in mehreren europäischen Ländern eröffnet hat?

Joybuy ist eine reine Online-Plattform, die alle Produktkategorien aus einer Hand anbietet. Mediamarkt ist im Gegensatz dazu online und offline auf Unterhaltungselektronik ausgerichtet, sehr spezialisiert und mit hoher Fachkompetenz. Deswegen sehen wir keinen Wettbewerb zwischen Joybuy und Mediamarkt. Zudem werden beide Unternehmen von separaten Teams unabhängig voneinander geführt.

Wie vereinen Sie bei Joybuy die Logistik von Lebensmitteln auf der einen Seite und großen Elektronikgeräten wie Waschmaschinen auf der anderen?

Darin liegt die Stärke von JD.com. In China verfügt JD.com über mehr als 3.000 Lagerhäuser mit einer Gesamtfläche von 30 Millionen Quadratmetern und verwaltet über 10 Millionen Artikel für unser Direktvertriebsmodell. Wir wissen, welche Art von Produkten in welchem Lager untergebracht werden sollte, um die kürzeste Entfernung zum Kunden zu gewährleisten. Das ist eine Kompetenz, die wir in den letzten 20 Jahren entwickelt haben. Diese nutzen wir angepasst an die jeweiligen Märkte auch für den Aufbau des Logistiknetzwerks in Europa.

Welche Rolle spielten internationale Unsicherheiten, etwa durch die US-Zollpolitik, bei der Entscheidung, jetzt in die europäischen Märkte zu expandieren?

Die USA sind zwar der größte Einzelmarkt unter den Konsumgütermärkten. Unser Geschäftsmodell ist aber sehr langfristig ausgerichtet und mit hohen Investitionen verbunden. Wir brauchen daher einen Markt, der uns ein beständiges, stabiles regulatorisches Umfeld bietet. Außerdem schätzen die Kunden unseren Premium-Service. Deshalb glauben wir, dass Europa hervorragend zu unserem Geschäftsmodell passt, und haben Europa in unserer internationalen Strategie zur obersten Priorität gemacht.

Wie unterscheidet sich Joybuy von anderen chinesischen Onlineshops wie Temu oder Shein?

Andere Plattformen sind reine Marktplätze. Sie haben begrenzte Kontrolle über die Produkte, die Logistik oder die Auftragsabwicklung. Das ist ein sehr schlankes Modell. Was wir aufbauen, ist ein umfassendes Modell. Wir bauen in den einzelnen Märkten Teams auf. Wir haben lokale Niederlassungen, stellen vor Ort Mitarbeiter ein und bezahlen dort Steuern. Die Produkte beziehen wir direkt von unseren Lieferanten und lagern sie in unseren Logistikzentren. Unsere Zusteller liefern die Pakete aus. Unser Kundenservice-Team nimmt Anrufe entgegen, wenn Kunden Fragen haben. Das ist ein anderes Geschäftsmodell mit durchgängiger Kontrolle.

Österreichische Kunden können aktuell nur über die deutsche Joybuy-Seite bestellen. Kommt irgendwann auch ein eigener Shop und eine eigene Logistikinfrastruktur für den österreichischen Markt?

Da unser Modell erhebliche Investitionen erfordert, kostet es Zeit, es aufzubauen. Im Moment konzentrieren wir uns auf die Länder, in denen Joybuy jetzt startet. In Zukunft werden wir unsere Präsenz sicher auf weitere Länder ausweiten. Österreich könnte definitiv eines davon sein, denn es ist ein sehr wichtiger Markt in Europa.

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