Ein neuer Job für Industrie-Präsident Knill
Georg Knill, steirischer Industrieller und Präsident der IV
In den nächsten Tagen setzen die OMV und der Großaktionär Adnoc (Abu Dhabi National Oil Company) einen bedeutenden Schritt in der österreichischen Industriegeschichte. Mit dem Closing der Megafusion zur neu geschaffenen Borouge Group International (BGI) entsteht ein globaler Petrochemie-Gigant, mit Headquarter in Wien. Der neue Konzern soll mit einer Kapazität von 13,6 Millionen Tonnen der weltweit viertgrößte Polyolefin-Produzent werden. OMV und Abu Dhabi halten je 47 Prozent. BGI soll nach weiteren Zukäufen 60 Milliarden Euro wert sein.
In Wirtschafts- und Politkreisen ist die Spannung groß, wer in Vorstand und Aufsichtsrat einziehen wird.
Im Aufsichtsrat werden je fünf Kapital-Vertreter von OMV und Adnoc bzw. der Investmentgesellschaft XRG sitzen, in der Adnoc das Chemie- und Kunststoffgeschäft bündelt. In die XRG bringen die Abu Dhabis die Borouge Group ein, den übernommenen deutschen Chemiekonzern Covestro und ihre 24,9 Prozent an der OMV.
Einige Namen sind in Insiderkreisen bereits durchgesickert. Von österreichischer Seite wird voraussichtlich einer der bekanntesten heimischen Interessensvertreter und Unternehmer in den Aufsichtsrat bestellt – Georg Knill, seines Zeichens Präsident der Industriellenvereinigung (IV). Das soll, hört man, auch der Wunsch von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) sein.
Nicht, dass Knill ein ausgewiesener Petrochemie-Fachmann wäre. Aber beide Eigentümerseiten wollen nicht nur Experten. Der steirische Technologie-Industrielle gilt als guter internationaler Netzwerker. Praktisch alle ausländischen Minister und die meisten Regierungschefs auf Österreich-Visite statten der IV einen Besuch ab. „Der Schwarzenbergplatz ist eine Drehscheibe für internationale Gesprächspartner, sowohl Politiker als auch große Investoren“, sagt ein Insider gegenüber dem KURIER.
Ebenfalls in den Aufsichtsrat soll wie berichtet Edith Hlawati einziehen, Noch-Alleinvorständin der Staatsholding ÖBAG.
Iran-Krieg
Auf der Seite von Abu Dhabi soll Rainer Seele in den Aufsichtsrat gehen. Der glücklose Ex-Chef der OMV ist President Chemicals der XRG und Vertrauter von Adnoc-CEO und Industrieminister Sultan Al Jaber. Dass Seele für die Araber allerdings nicht in den Aufsichtsrat der OMV einzieht, sorgt für Erleichterung in der Belegschaft, wird aus Mitarbeiterkreisen berichtet.
Der Start-Zeitpunkt des Mega-Deals wird allerdings vom Iran-Krieg überschattet. BGI hat Produktionsstandorte in Europa, den USA und im Nahen Osten. Anlagen von Adnoc waren laut Reuters bereits Ziel iranischer Angriffe.
OMV-Chef Alfred Stern auf der Energiekonferenz CERAWeek in Houston
Der geplante Börsegang mit Notierung auch in Wien wird auf 2027 verschoben, die Dividende für die OMV von geplanten 500 Millionen Dollar wird für 2026 vorerst halbiert. OMV-Chef Alfred Stern nannte als Gründe am Rande der Energiekonferenz CERAWeek in Houston (Texas) die ungünstige Konjunktur auf dem Chemiekalienmarkt und Überkapazitäten in Asien, nicht jedoch die Krise im Nahen Osten. Die Region ist freilich die Basis für günstigen Rohstoff, ebenso wichtig sind offene Schifffahrtsrouten für den Export.
Die Auswirkungen des Iran-Kriegs hängen laut Stern von der Dauer des Konflikts. ab. Im Gegensatz zum Ukraine-Krieg entziehe dieser Krieg dem Weltmarkt tatsächlich verfügbare Mengen. „Die derzeitige Krise im Nahen Osten ist eine echt physische Unterbrechung der Lieferketten“, sagt Stern.
Entscheidend sei die Dauer des Iran-Konfliktes. Stern: „Wenn dies zeitlich begrenzt ist, wird es wahrscheinlich geringere Auswirkungen haben“.
Projekte in Libyen
Stern deutete laut Reuters weiteres Interesse an Projekten in Libyen an. OMV und die staatliche National Oil Corporation (NOC) hatten im Vorjahr einen neuen Ölfeld im Sirte-Becken gemeldet. Libyen will seine Erdgas-Produktion in den kommenden fünf Jahren ausbauen.
Kommentare