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Wirtschaft
06/20/2020

Eine Milliarde Euro für Ökostrom: Ein kräftiger Energieschub gegen die Krise

Die Energie Steiermark will eine Milliarde Euro in den Ausbau von Netzen und Ökostrom stecken. Eine Studie untersucht deren Auswirkungen.

von Irmgard Kischko

Der Lockdown ist beendet. Doch trotz der Lockerungen, die die Regierung Betrieben und Bürgern jetzt in der Corona-Krise gewährt, dominiert Vorsicht in der Wirtschaft. Unternehmern steckt die Angst vor einer zweiten Welle in den Knochen, nur wenige holen Mitarbeiter aus der Arbeitslosigkeit zurück, nur wenige investieren in neue Projekte.

Nicht so die heimische Energiewirtschaft. „Wir haben eine Milliarde Euro bereit, die wir über die nächsten Jahre in den Ausbau stecken wollen“, sagt der Vorstand der Energie Steiermark (EStAG), Martin Graf, im Gespräch mit dem KURIER. Dazu stehe dem Versorger noch ein „Green Loan“ der Europäischen Investitionsbank über insgesamt 180 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir sind einer von nur zwei Versorgern in Europa, die so eine Finanzierung erhalten“, unterstreicht Graf. Startklar für Investitionen ist die Energie Steiermark also. Aber warum startet sie nicht? „Es fehlen gesetzliche Rahmenbedingungen“, urgiert Graf das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, das die Ökostromförderung neu regeln soll. Auch die Regulierung der Tarife für die Stromnetze wäre dringend nötig. Und schließlich natürlich rasche Genehmigungen.

Doppelter Effekt

Um seinen Wunsch nach baldigem Anfahren der Investitionsvorhaben Nachdruck zu verleihen, hat Graf das Economica Institut für Wirtschaftsforschung mit einer Studie beauftragt. Das Ergebnis der Untersuchung „Der regionalökonomische Fußabdruck der Energienetze Steiermark aus Investitionen“: Aus einem investierten Euro in neue Stromleitungen werden fast zwei Euro Wertschöpfung für die Gesamtwirtschaft. Und aus jedem Job, der direkt beim Bau der Netze geschaffen wird, werden 1,66 Jobs außerhalb der Energiebranche. „Zulieferer, Dienstleister, Planer. Jedes Bauprojekt zieht Investitionen in nachgelagerten Branchen mit sich“, erklärt Economica-Chef Christian Helmenstein. Das Besondere an den geplanten Investitionen der Energie Steiermark sowie anderer Energieversorger sei, dass sie Sektoren beleben, die von der Krise massiv getroffen worden seien: Tiefbau, Hochbau und Handel.

Helmenstein ist überzeugt, dass nach dem Angebotsschock zu Beginn der Pandemie, als Geschäfte und Betriebe zusperren mussten, jetzt die Gefahr eines Nachfrageschocks – also dem Ausfall von Nachfrage wegen Angst vor der zweiten Welle , groß sei. Investitionen in Infrastruktur seien der perfekte Weg, so einen Nachfrageschock zu vermeiden. „Wir müssen uns aus der Krise hinausinvestieren“, betont Helmenstein.

Standort attraktiver

Und noch einen Grund nennt der Ökonom für die energievollen Investments: Wird die Qualität der Stromversorgung verbessert, komme dies auch dem Standort Österreich zugute. Eine gesicherte Stromversorgung sei ein beachtlicher Wettbewerbsvorteil. Helmenstein hat in einer umfangreichen Simulation die Minuten an Stromausfällen und ausländische Investitionen in Beziehung gesetzt. „Fünf Minuten weniger Ausfälle bringen 189 Millionen Euro ausländische Investitionen“, lautet sein Ergebnis.

Für Graf hat der geplante Netzausbau aber auch wegen der Energiewende hohe Dringlichkeit. „Wir haben allein aus der Oststeiermark Anfragen für die Netzanbindung von 500 Megawatt Solarenergie“, sagt er. Dazu müsse das Netz ausgebaut werden, sonst sei das Ziel der Regierung, 2030 Österreich gänzlich mit Ökostrom zu versorgen, nicht zu schaffen.

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