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Schillerplatz
02/26/2013

Ein fragwürdiger Immo-Deal

Gutachter: Wert 9,8 Millionen Euro / Ex-ÖBB-Huber zahlte nur 5,4 Millionen

von Andrea Hodoschek

Am Mittwoch wird über Ex-Telekom-Chef Heinz Sundt und seinen Vorstandskollegen Stefano Colombo in der Kursaffäre geurteilt. Beiden droht allerdings schon die nächste Anklage wegen des Verdachts auf Untreue. Es geht um die Frage, ob die Telekom zwei Etagen ihres Stadtpalais am Wiener Schillerplatz zu billig an den ehemaligen ÖBB-Chef Martin Huber verkaufte. Der Abschlussbericht des Bundesamtes zur Korruptionsbekämpfung (BAK) vom 13. Dezember 2012 liegt dem KURIER vor, der Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft ist wie berichtet bereits bei der Oberstaatsanwaltschaft. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Vorgeschichte: Im Mai 2005 erhielt der Bauunternehmer Anton Kallinger-Prskawetz, Geschäftspartner von Huber aus dessen Zeit als Porr-Vorstand, eine Option auf die beiden Geschoße. Zum Kaufpreis von 5,4 Millionen Euro, unterschrieben von Sundt und Colombo. Der Vorstand durfte Immo-Geschäfte bis zu 15 Millionen Euro ohne Genehmigung des Aufsichtsrates tätigen.

Als Kallinger-Prskawetz schwer erkrankte, erhielt Huber im Mai 2006 dieselbe Option, wieder gezeichnet von Sundt und Colombo. Geschäftspartner war die „Schillerplatz 4 Projektentwicklungs GmbH (SP4)“. 75 Prozent hielt treuhändig für Huber dessen Steuerberater Josef Ischepp, 25 Prozent gehörten Gattin Barbara Huber-Lipp. Um genau die 5,4 Millionen Euro erwarb die SP4 die Immobilie Ende 2006.

Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr verdoppelte sich dann der Wert der zwei Palais-Etagen. Mit 10. Jänner 2008 erstand die Seeste Bau AG die SP4 um knapp elf Millionen Euro. 3,9 Millionen Kaufpreis plus Übernahme der Verbindlichkeiten von rund sieben Millionen Euro.

Als die Grün-Abgeordnete Gabriela Moser 2011 den Deal ein zweites Mal anzeigte, begann die Justiz erneut zu ermitteln. Und beauftragte den Gutachter Roland Popp mit einer Expertise über den Verkehrswert. Der Sachverständige, der sich sein Gutachten mit rund 200.000 Euro entlohnen ließ, kam zum Schluss: Der Verkehrswert lag im Mai 2006 bei 9,8 Millionen Euro. Eine Differenz zum Verkaufspreis von immerhin 4,4 Millionen. In den Büchern hatte die Telekom die Immobilie mit 3,9 Millionen Euro. Lagen in der Wiener Innenstadt werden freilich nicht zum Buchwert verkauft. Außerdem hatte die Telekom, so Popp, bereits selbst bei der Baubehörde den Ausbau des Dachgeschoßes eingereicht. Was City-Immobilien so begehrt macht.

In der Telekom dürfte unter den Mitarbeitern der Immobilien-Abteilung inzwischen so etwas wie Panik ausgebrochen sein. Die Alt-Vorstände waren schon weg. Die Medien berichteten kritisch, der neue Telekom-Boss Boris Nemsic setzte die interne Revision an und die Staatsanwaltschaft ermittelte.

Revisionschef Christoph Schneck sagte aus, dass „kein aktuelles Bewertungsgutachten eingeholt worden sei und keine systematische und fundierte Verkaufspreisfindung vorgelegen habe“. Er fand auch auffällig, dass „Umfeld-, Eignungs-, Interessenten- und Risikoanalyse fehlten“.

Den Kaufpreis hatte damals Einkaufsleiter Wolfgang F. ausverhandelt, der krankheitsbedingt nicht mehr vernehmungsfähig war. Eine Mitarbeiterin erklärte, von Birgit Wagner, damals in der Immo-Abteilung der Telekom, erfahren zu haben, dass der Kaufpreis für den Schillerplatz bereits von Sundt „fix vorgegeben“ sei. Heute ist Wagner Chefin des ÖBB-Personenverkehrs.

Überraschung, plötzlich tauchte doch ein Verkehrswertgutachten auf. Der ZiviltechnikerPeter K., der immer wieder für die Telekom tätig war, gab darin den Verkehrswert mit 5,2 Millionen Euro an – datiert mit 9. Mai 2005. Das Gutachten hat nur einen Schönheitsfehler. Bei einer Hausdurchsuchung bei K. stellte sich nämlich heraus, dass der Herr Sachverständige seine Arbeit rückdatiert hatte. Tatsächlich soll das Gutachten, so das BAK, erst 2008 erstellt und am 5. Mai 2008 der Telekom übermittelt worden sein. In der Telekom fanden sich weder der Auftrag noch eine Rechnung darüber. Wagner und ihrem Kollegen Erich Z. wird vom BAK vorgeworfen, K. mit der „Herstellung eines falschen Beweismittels“ beauftragt zu haben.

Fragt sich, ob Huber, gegen den als Beitragstäter ermittelt wurde, mit Sundt zum Schaden der Telekom gedealt hatte und von den internen Vorgängen in der Telekom wusste – oder ob er bloß ein gutes Geschäft machte. Er beteuerte in der Vergangenheit Zweiteres. Huber weilt derzeit in Südafrika und war für den KURIER nicht erreichbar.

Martin Nemec, Anwalt von Sundt, bezweifelt das Popp-Gutachten massiv. Es sei nicht berücksichtigt worden, dass die Liegenschaft entwickelt und dass wesentlich investiert worden sei. Sundt habe nur den Kontakt mit Kallinger-Prskawetz entriert, sei aber in die Verkaufsverhandlungen nie involviert gewesen: „Er hat sich auf seine Mitarbeiter verlassen und ging davon aus, dass alles in Ordnung war.“

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