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Wirtschaft
02/03/2012

Eigener Coach für Lehrlinge

Fast jeder fünfte Lehrling schafft die Abschlussprüfung nicht, die Drop-out-Quote steigt. Helfer sollen früh eingreifen.

von Anita Staudacher

In der Lehrlingsausbildung läuten die Alarmglocken. Zum einen kommen in den nächsten Jahren immer weniger 15-Jährige nach, wodurch sich der Kampf um die besten Köpfe mit den weiterführenden Schulen zuspitzt. Zum anderen brechen immer mehr Jugendliche ihre Lehrausbildung ohne Abschluss ab. 2010 wurden laut offiziellen Zahlen der Wirtschaftskammer (WKO) 17 Prozent aller Lehrverhältnisse (22.000) vorzeitig aufgelöst.

Nicht alle, aber ein Großteil davon sind Drop-outs, die wieder beim AMS landen. Dazu kommt: Fast jeder fünfte Lehrling schafft die Lehrabschlussprüfung nicht bzw. tritt erst gar nicht dazu an. Am niedrigsten ist die Erfolgsquote beim Lehrabschluss im Gewerbe und Handwerk (78,5 Prozent) sowie im Tourismus mit 82 Prozent.

Die Regierung will nun mit eigenen Lehrlingscoaches die Ausbildungsabbrüche reduzieren. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer haben in der Vorwoche ein entsprechendes Maßnahmenpaket unterzeichnet. Ab Juni starten die ersten Pilotprojekte in den Bundesländern Wien, Tirol, Oberösterreich und der Steiermark.

30 Coaches sollen zunächst 1500 Lehrlinge schon ab dem ersten Lehrjahr betreuen und ihnen schulische Nachhilfe geben oder bei Konflikten mit Ausbildern beraten. Die Abwicklung erfolgt über die WKO-Lehrlingsstellen: „Erklärtes Ziel ist es, die Erfolgsquote bei den Lehrabschlussprüfungen zu erhöhen“, sagt Alfred Freundlinger von der Abteilung für Bildungspolitik in der WKO.

Betriebe gefordert

Die Arbeiterkammer begrüßt das neue Lehrlingscoaching, sieht aber auch die Lehrbetriebe gefordert. „80 Prozent der Lehrausbildung findet im Betrieb statt, da muss auch bei den Ausbildern mehr getan werden“, fordert AK-Lehrlingsexperte Günther Zauner.

Er kritisiert, dass viele Lehrpläne veraltert sind und die sogenannte Qualitätsprämie für Lehrbetriebe zur Mitte der Lehrzeit vom Wirtschaftsministerium aus Spargründen wieder gekappt wurde. „Es sollte auch verpflichtende Weiterbildung für Ausbilder geben“, so Zauner. Zumindest für die Prüfer sind diese im Lehrlingspaket der Regierung festgeschrieben.

Um die Lehrpläne zu entstauben, sind neue Leitlinien für die Lehrlingsausbildung in zunächst zehn „Zukunftsberufen“ vorgesehen. Darunter fallen etwa Metall- und Elektrotechnik, aber auch Tourismusberufe. Touristiker, besonders in Westösterreich, stöhnen seit Jahren über Bewerbermangel, die Zahl der Lehrlinge sinkt.

Jahresbiilanz: Zahl der Lehrlinge sinkt im Tourismus am stärksten

Der seit 2008 rückläufige Trend am Lehrstellenmarkt setzte sich auch im Vorjahr fort. Grund ist sowohl die demografische Entwicklung als als auch der Rückgang an Lehrbetrieben. Trotz Konjunkturerholung waren mit Jahresende 2011 um knapp 2000 Lehrlinge weniger in Ausbildung als im Jahr zuvor. Von den insgesamt 128.078 Lehrlingen befanden sich 39.468 im ersten Lehrjahr, ein Minus von 0,7 Prozent.

Die Entwicklung verlief in den einzelnen Branchen unterschiedlich. Während vor allem in der Industrie und im Handel fleißig Nachwuchs eingestellt wurde, gab es im heimischen Tourismus einen deutlichen Rückgang von 5,6 Prozent. Im Bundesländer-Vergleich sanken die Lehrlingszahlen im Burgenland und in Tirol am stärksten, während sich Wien und Vorarlberg stabil entwickelten. In Wien waren allerdings 3500 Jugendliche in einer AMS-finanzierten überbetrieblichen Lehrstelle, österreichweit waren es 9488.

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