Durststrecke für deutsche Bierbrauer: Brauereischließungen befüchtet

Durststrecke für deutsche Bierbrauer: Brauereischließungen befüchtet
Es wird weniger Bier getrunken. Bierbrauen selbst steht zudem unter stark gestiegenem Kostendruck. Es wird künftig enger für deutsche Brauereien.

Die deutsche Privatbrauerei Veltins befürchtet weitere Brauereischließungen angesichts des rückläufigen Bierkonsums, eines anhaltenden Kostendrucks und eines hohen Investitionsbedarfes durch die Energiewende.

"Die jüngste Marktentwicklung wird - das steht zweifelsfrei fest - zu einer weiteren Konsolidierung und damit auch zur Aufgabe von Braustandorten in Deutschland führen", sagte der Generalbevollmächtigte Michael Huber bei der Halbjahresbilanz der Brauerei am Donnerstag.

In vielen kleineren und mittleren Brauereien dürfte aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und einer schwachen Ertragskraft vergangener Jahre der Investitionsstau sehr groß sein.

"Müssen uns Sorgen machen"

Huber geht davon aus, dass vielerorts keine tragfähige Basis mehr gegeben ist, um Sudhäuser und andere Bereiche mit neuer Technologie auszurüsten.

"Wir müssen uns, glaube ich, ernsthaft Sorgen machen, wie es mit der kleinteiligen Brauwirtschaft weitergehen wird", betonte er. Viele kleine Brauereien befänden sich in einer existenzgefährdenden "Sandwich-Position" zwischen dem Marktgefüge auf der einen Seite sowie Beschaffungskosten und Investitionen auf der anderen Seite.

Im Handel droht noch mehr Wettbewerb

Im Handel könnte sich der Wettbewerb in absehbarer Zeit noch deutlich weiter verschärfen durch den Einstieg von großen Discountern in den Mehrwegmarkt, der sich inzwischen abzeichne.

"Wir richten uns jedenfalls darauf ein, dass das passieren wird und das wird den Markt wesentlich verändern", erklärte Huber. Bei einem solchen Einstieg sei mit großen Mengenverschiebungen innerhalb des Handels zu rechnen.

"Welche Marken werden dann dort angeboten, welche werden bleiben, und was tut dann der Verbraucher?", verdeutlichte er mit Blick auf die Diskonter, die im Vergleich zu Supermärkten weniger Artikel führen.

In den ersten sechs Monaten 2023 verzeichnete Veltins einen Absatzrückgang von 1,8 Prozent. Diesen führte die Geschäftsführung auf eine Zurückhaltung der Verbraucher beim Kauf von Flaschenbier zurück.

Dabei spiele neben dem Regen im April, der den Grillstart in die neue Saison verzögert habe, auch eine Verunsicherung der Verbraucher durch die deutsche Regierung eine Rolle.

Die gefühlte Inflation sei dreimal höher als die ausgewiesene. Bei allen Biersorten, auch bei Hellbier, sei der Absatz branchenweit im Handel rückläufig. In der Pandemie habe die deutsche Brauwirtschaft fast 36.000 Gastronomiepartner verloren.

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