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Wirtschaft
09/04/2019

Douglas-Mitarbeiter berichten von ungeschminkter Wahrheit

Das Unternehmen hat Mitarbeiter gekündigt, die einen Betriebsrat gründen wollten. Die Gewerkschaft geht auf die Barrikaden, Douglas dementiert.

von Simone Hoepke

Die internationale Parfümeriemarkt-Kette Douglas steht im Fokus der Gewerkschaft. Mitarbeiter haben sich an die Gewerkschaft GPA-djp gewendet, nachdem sie gekündigt wurden, weil sie einen Betriebsrat gründen wollten. "Anscheinend gibt es große Probleme bei der betrieblichen Mitbestimmung", sagt Barbara Teiber, Bundesvorsitzende der GPA-djp.  "Wir sind froh, dass es Mitarbeiter gibt, die aufstehen und ihr Recht einfordern."

Die Schilderungen der Arbeitsbedingungen in betroffenen Filialen in Österreich seien bedenklich. Berichtet wird von spontanen Taschenkontrollen oder Spindkontrollen durch die Filialleitung - in Abwesenheit der Mitarbeiter. Die gekündigte Mitarbeiterin Sabrina E. berichtet zudem von Brandschutzvorschriften, die nicht eingehalten wurden und Klimaanlagen, die nicht funktioniert hätten. Sie wolle mit der Gründung eines Betriebsrates die Arbeitsbedingungen verbessern. "Es ist eine sehr schöne Branche, aber es gibt viele Missstände", so Sabrina E.

Das Unternehmen wehrt sich gegen die Vorwürfe. „In Österreich ist es gesetzlich zulässig, stichprobenartig Taschen- und Spindkontrollen durchzuführen“, argumentiert die deutsche Firmenzentrale in einem schriftlichen Statement und fügt hinzu, dass die Kontrollen im Beisein der Mitarbeiterinnen stattfinden würden.

Den Vorwurf, dass drei Mitarbeiterinnen wegen der  geplanten Betriebsratsgründung gekündigt wurden, weist das Unternehmen mit 2,7 Milliarden Jahresumsatz zurück. Den Mitarbeitern stünde es „natürlich frei, sich in Betriebsräten zu organisieren“, das sei konzernweit nichts Besonderes.  Im Gegensatz zu Österreich hat etwa Douglas Deutschland bereits seit 2017 einen Gesamtbetriebsrat. In Österreich hat Douglas rund 40 Standorte und beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter.

Die Gewerkschaft fordert das Unternehmen auf, die Kündigungen zurückzunehmen und die Gründung eines Betriebsrates zu unterstützen. Die Motive für die aktuellen Kündigungen liegen aus ihrer Sicht auf der Hand. Man habe "Unruhestifter" loswerden wollen. Mit dem Sparpaket, das der Gesamtkonzern bekannt gegeben hat, hätten die Kündigungen jedenfalls nichts zu tun, ist Sabrina E. überzeugt. Vor wenigen Wochen gab Douglas bekannt, dass der Konzern 70 der europaweit 2400 Filialen bis Ende 2020 schließen will.

In der Branche weht ein rauer Wind. Die eingesessenen Drogerie- und Parfümeriemärkte bekommen zunehmend Konkurrenz seitens der Onlinehändler.